Aktuelle Nachrichten – Umwelt
01.11.2010
Foto: Temba Hadebe/AP Photo
Mokopane/Südafrika – Viehhirten in Südafrika kommen allmählich wieder darauf, dass die Natur selbst das beste Schädlingsbekämpfungsmittel für ihre Rinder bietet. Seit Generationen schon sind es die Herdenbesitzer gewohnt, ihre Tiere durch Tauchbäder mit Pestiziden zu treiben. Damit werden allerdings nicht nur die Zecken vernichtet, die den Rindern im Fell sitzen, sondern auch die Rotschnabel-Madenhacker, die sich von den Plagegeistern ernähren. Jetzt versuchen Naturschützer, statt die chemische Keule auszupacken wieder die Vögel die Aufgabe erledigen zu lassen und sie damit vor dem Aussterben zu bewahren.
"Wir reparieren den Schaden, der vor 100 Jahren angerichtet wurde, und lassen der Natur wieder ihren Lauf", erklärt Arnaud Le Roux von der Stiftung Gefährdete Wildtiere, die die "Operation Madenhacker" leitet. Die Vögel werden in einer Forschungseinrichtung im Norden gesammelt und dann landesweit an Rinderfarmer und private Wildparks verteilt.
Der Mpongo-Wildpark im Südosten Südafrikas hat 20 Vögel bekommen, und Mtshutshisi Nomlenze ist begeistert. "Diese Vögel sind gut. Wir brauchen das Vieh nicht mehr zu tauchen ... Das Tauchbad ist sehr teuer", sagt der Hirte, der die Rinder seines Arbeitgebers und seine eigenen Tiere hütet. Der 64-Jährige erinnert sich noch daran, als junger Mann Madenhacker gesehen zu haben. Doch als er älter wurde, waren sie verschwunden.
Der Vogel mit dem markanten roten Schnabel und den gelben Ringen um die Augen ist berühmt für seinen gefräßigen Appetit auf Zecken. Ein Madenhacker kann 13.000 Blutsauger am Tag vertilgen und findet seine Mahlzeit überall: auf Rindern und Pferden, Antilopen, Büffeln, Nashörnern, Löwen, Leoparden und Elefanten. Die Zecken übertragen eine ganze Anzahl von Krankheiten, wie die für Rinder tödliche Babesiose, sind für die Madenhacker aber unschädlich. Die Vögel pflücken den großen Tieren nicht nur die Insekten vom Leib, sie säubern auch Wunden und warnen vor lauernden Raubtieren oder aufziehendem Sturm. Sie beziehen durch die Wechselbeziehung nicht nur Nahrung, sondern auch Fellfusseln, mit denen sie ihr Nest polstern.
Die Rückführung der Madenhacker gewinnt an Schwung, wie Le Roux berichtet. In den Gegenden, wo sie neu angesiedelt werden, ermutigt man die Farmer, zumindest auf die giftigeren Pestizide zu verzichten und die Vögel die Sache erledigen zu lassen. Peter Oberem hat vor drei Jahren Vögel bekommen und stellt auf seiner Farm im Norden seitdem einen drastischen Rückgang des Zeckenbefalls fest. "Farmer aus dem Umkreis von 50 Kilometern haben angerufen und sich bedankt, dass wir die Vögel hergebracht haben", sagt er.
Oberem arbeitet auch für einen Pestizid-Hersteller, dessen Mittel für die Vögel ungefährlich sind. "Wir haben Flugblätter verteilt und erklärt, wie wichtig die Vögel für die Farmer sind. Wir haben erklärt, welche Mittel man nehmen kann, ohne die Vögel umzubringen. Die Farmer sind sehr, sehr zufrieden", sagt Oberem.
Der 18-jährige Sandile Naki pflegte, als er noch jünger war, durchs Dorf zu streifen und Madenhacker mit der Schleuder zu jagen. Heute hegt er sie. "Die Naturschützer haben uns gebeten, auf diese Vögel aufzupassen und zu melden, wenn wir ihre Gelege sehen", sagt Sandile. Auch Schüler einer Oberschule im Timbavati-Reservat helfen mit und bringen Klassenkameraden und Dorfgemeinschaften bei, die Madenhacker und ihre Nester in Frieden zu lassen, wie Le Roux berichtet. "Ich freue mich schon auf den Tag, wenn diese Vögel in freier Natur zurück sind, ohne dass wir sie so verteilen müssen", sagt er. "An dem Tag werde ich gut schlafen."
(dapd)
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