Aktuelle Nachrichten – Klima
14.05.2009
Dessau – Der Klimawandel bringt dem Naturschutz in Deutschland nicht nur Risiken, sondern auch Chancen. Denkbar sei ein ökologischer Waldumbau großer Fichten- und Kieferbestände, die aufgrund von Hitzeschäden, Windbruch und erhöhter Waldbrandgefahr keine optimalen Forstkulturen mehr darstellten, hieß es am Donnerstag auf einer Naturschutztagung in Dessau.
So würden Laubbäume das bei steigenden Temperaturen geringer werdende Wasserreservoir des Bodens dann mehr schonen als Nadelbäume. Auch die längere Bewirtschaftung von Wäldern hätte positive Auswirkungen auf den Klimaschutz, da die Bäume dann länger Kohlenstoff im Ökosystem behalten könnten, sagte Volker Scherfose vom Bundesamt für Naturschutz.
Einen ähnlichen Effekt erziele der Naturschutz mit dem Erhalt von Feuchtgebieten und Mooren. Als Beispiel einer Wiedervernässung nannte er das Peenetal in Mecklenburg-Vorpommern. Zu den Risiken des Klimawandels für deutsche Naturschutzgebiete gehört, dass einige heimische Tier- und Pflanzenarten hier einmal keinen Lebensraum mehr haben könnten, wie Katrin Vohland vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung erläuterte.
Der an fließende und sauerstoffreiche Gewässer angepassten heimischen Bachforelle zum Beispiel würde zu erwartende häufigere Niedrigwasser und geringerer Abfluss der Flüsse schaden. Auch einige alpine, auf sauren Boden angewiesene Arten könnten in hundert Jahren vielleicht nicht mehr vorkommen. Dramatische Änderungen im Artenspektrum seien in Deutschland jedoch nicht zu befürchten, sagte die Klimafolgen-Forscherin.
Mit etwa 9.500 Pflanzen- und 48.000 Tierarten gehört Deutschland nicht zu den artenreichsten Regionen der Welt. Eine internationale Verantwortung des Naturschutzes bestehe dennoch für jene Arten, die nur hier verbreitet sind, wie die Experten in Dessau betonten. Dieser Verantwortung müssten sich künftig verstärkt die ausgewiesenen Schutzgebiete stellen. Besonders in den 98 Naturparks, 14 Nationalparks und 16 Biospährenreservaten sollte Arten- und Biotopschutz zielgerichteter und spezifischer als bisher erfolgen.
Die Tagung „Nationale Naturlandschaften und Biodiversität“ in Dessau wurde von Europark Deutschland, dem Dachverband der National- und Naturparks sowie Biosphärenreservate veranstaltet. 2009 blickt der Verein auf 30 Jahre Biospährenreservate in Deutschland zurück. Als eines der ersten wurde von der UNESCO 1979 das Naturschutzgebiet Steckby-Lödderitzer Forst unweit von Dessau anerkannt, das heute zum Biospärenreservat „Flusslandschaft Elbe“ gehört. (AP)
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