Aktuelle Nachrichten – Unternehmen
23.11.2011
Foto: Michael Probst/AP Photo
Berlin – Die Bundesregierung sagt den Mineralölkonzernen den Kampf an: Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will den Multis verbieten, dass sie den Sprit ihren eigenen Tankstellen billiger verkaufen als freien Anbietern. Ein Gesetz nach österreichischem Vorbild, das Tankstellen untersagt, mehrmals täglich die Preise anzuheben, lehnt Rösler dagegen ab.
Hintergrund der Überlegungen sind die in den vergangenen Wochen stark gestiegenen Preise für Diesel: Ein Liter kostete zeitweilig 1,50 Euro und damit fast so viel wie Superbenzin. Derzeit liegt der durchschnittliche Dieselpreis laut ADAC bei 1,462 Euro. Nun fordern Politiker eine staatliche Regulierung.
Rösler sagte am Mittwoch dem Fernsehsender n-tv, es gebe bereits Eckpunkte für eine Gesetzesänderung. Wenn den Ölkonzernen vorgeschrieben werde, alle Tankstellen gleich zu behandeln, profitierten davon mittelständische Firmen. "Das stärkt den Wettbewerb."
Ein Gesetz, demzufolge Tankstellen nur einmal täglich die Preise erhöhen dürften, sieht Röslers Ministerium hingegen kritisch. Das würde mittelständische Unternehmen benachteiligen und somit den Wettbewerb schwächen. Außerdem ergebe sich damit ein "Anreiz, den Preis stärker zu erhöhen, als im Wettbewerb notwendig, um ihn dann in zahlreichen Schritten wieder fallenzulassen", sagte ein Sprecher.
Saarlands SPD-Landeschef Heiko Maas verteidigte hingegen den Vorschlag. In Österreich und Australien werde das Modell bereits erfolgreich umgesetzt.
Die CDU-Verbraucherschutzpolitikerin Mechthild Heil forderte weitergehende Maßnahmen. Der "Berliner Morgenpost" (Mittwochausgabe) sagte sie, die Ölkonzerne sollten ihre Preisberechnungen offenlegen müssen.
Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, sprach von einem "Oligopol" der fünf großen Konzerne. Aral/BP, Shell, Esso, Total und Jet betrieben gemeinsame Raffinerien und lieferten sich bei Bedarf gegenseitig Benzin. Auf dem Kraftstoffmarkt gebe es eine "Situation ohne Wettbewerb".
Der Mineralölwirtschaftsverband widersprach der Darstellung. Die Preisschwankungen an den Tankstellen seien "gerade ein Zeichen für den harten Wettbewerb", sagte Hauptgeschäftsführer Klaus Picard. Staatliche Einschränkungen sind nach Meinung des Verbands "am Ende immer von Nachteil für den Kunden".
Der europäische Automobilclub ACE forderte, die Ölkonzerne notfalls zu zerschlagen. "Produktion und Verkauf von Kraftstoff dürften nicht länger in der Hand weniger Großkonzerne liegen", sagte ein Sprecher.
(dapd)
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