Berlin – Zwei Drittel der Deutschen leiden unter Rückenschmerzen – noch vor zehn Jahren war es nur die Hälfte. Das geht aus einer Langzeitstudie hervor, die der Bundesverband der Betriebskrankenkassen am Mittwoch in Berlin vorstellte. Besonders stark stieg der Studie zufolge die Zahl der chronisch Erkrankten: Seit 1998 verdoppelte sie sich von 17 auf 30 Prozent. Ein Viertel aller Krankheitstage von Berufstätigen geht heute auf Rückenschmerzen zurück.
Bei der großen Mehrheit der Patienten, 81 Prozent, kommen die Schmerzen trotz ärztlicher Behandlung wieder, und das häufig schon nach einer Woche, sagte Wolfgang Schmeinck, Vorsitzender des BKK Bundesverbandes. Die meisten Rückenschmerz-Patienten sind männlich, berufstätig und gaben bei der Befragung an, eher gelegentlich als häufig unter Beschwerden zu leiden. Zugenommen hat laut der Studie die Zahl der Beschwerden durch Computerarbeit: Vor zehn Jahren klagten 40 Prozent der Patienten über Schmerzen durch die ungünstige Körperhaltung, heute sind es knapp 60 Prozent. Besonders betroffen sind dabei Frauen zwischen 14 und 39 Jahren.
Verordnet bekommen die Betroffenen heute am häufigsten Medikamente, meist Schmerzmittel, 1998: 47 Prozent, 2008: 64 Prozent. Zugenommen hat der Langzeitstudie zufolge zudem das Verschreiben von Krankengymnasti, 1998: 22 Prozent, 2008: 61 Prozent. Die Zahl der verordneten Massagen blieb in etwa gleich, 1998: 46 Prozent, 2008: 49 Prozent. Bei akuten Schmerzen riet Dr. Ulf Marnitz, Leiter des Berliner Rückenzentrums, am Mittwoch zu Wärme und einem Besuch beim Hausarzt, der die Beschwerden mit Schmerzmitteln und Salben lindern kann. Dauern die Schmerzen länger als vier Wochen an, sei eine Therapie ratsam. „Massagen, so wohltuend sie für den Moment auch sein mögen, bringen bei chronischen Rückenschmerzen gar nichts“, sagte Marnitz.
Immer mehr Betroffene verzichten allerdings auch komplett auf einen Arztbesuch. Waren es vor zehn Jahren noch 57 Prozent, so stufen heute nur noch 36 Prozent der Befragten ihre Beschwerden als stark genug ein, um einen Arzt aufzusuchen.
6.013 Personen nahmen an der Studie teil, die TNS Healthcare, vormals Emnid, im Frühjahr durchgeführt hat.
http://www.bkk.de/ (AP)
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