Hamburg - Um Kinder vor ihren rauchenden Eltern zu schützen, rufen Politiker und Mediziner nach gesetzlichen Maßnahmen. Für ein derartiges Rauchverbot unter anderem im Auto sprachen sich am Wochenende der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der CDU-Europaabgeordnete Karl-Heinz Florenz und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, aus. Nach Angaben von Ärzten sterben jedes Jahr allein 60 Säuglinge an den Folgen des Passivrauchens.
Lauterbach sagte der «Bild am Sonntag», es seien deutlich schärfere Regeln zum Nichtraucherschutz nötig. «Studien zeigen klar, wie schädlich Passivrauchen für die Gesundheit ist. Besonderen Schutz verdienen hier die Kinder», wird der SPD-Bundestagsabgeordnete zitiert. So sollte verboten werden, dass Eltern in Autos und anderen geschlossenen Räumen rauchen, wenn ihre Kinder dabei sind, verlangte Lauterbach. Ansonsten steige das Asthma- und Allergie-Risiko der Kinder. Zudem würden Kinder von Rauchern später oft selbst abhängig. Auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Bätzing, befürwortete ein Rauchverbot im Auto zum Schutz von Kindern und will der Zeitung zufolge eine gesetzliche Umsetzung prüfen.
Der CDU-Politiker Florenz nannte ein Rauchverbot in Autos mit Kindern an Bord dringend notwendig. «Die Kleinen müssen die Schadstoffe ja einatmen, ohne sich wehren zu können», sagte der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Europaparlament zur Begründung. Schließlich liege die Schadstoffkonzentration in einem Personenwagen, in dem geraucht wird, 30 mal höher als der Grenzwert bei der Feinstaubbelastung, über den in Brüssel gerade diskutiert werde.
Die Abteilungsleiterin für Krebsvorbeugung am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, Martina Pötschke-Langer, verwies in diesem Zusammenhang auf das Grundgesetz, das zum Schutz des geborenen und des ungeborenen Lebens verpflichte. «Dieser Aufgabe kommt der Gesetzgeber in Deutschland nur unzureichend nach.» Der Oberarzt und Tumorspezialist Eckart Laack vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf sagte der Zeitung zufolge: «60 Säuglinge sterben jedes Jahr in Deutschland durch Passivrauchen, insgesamt sterben jedes Jahr etwa 3.300 Nichtraucher an Erkrankungen, die durch Passivrauchen verursacht sind.»
Für einen stärkeren Schutz vor Passivrauchen hatten sich in jüngster Zeit bereits Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer und andere führende Politiker ausgesprochen. Zudem hat eine überparteiliche Gruppe von Bundestagsabgeordneten einen Antrag mit diesem Ziel vorgelegt, der unter anderem strikte Rauchverbote in Gaststätten und öffentlichen Räumen vorsieht. Spezielle Regelungen für Kinder hatten allerdings bisher in der öffentlichen Diskussion noch keine entscheidende Rolle gespielt.
(AP)