Lebensmittel - Aktuelle Nachrichten – Rufe nach Konsequenzen aus Verbrauchertäuschung – Mirjam Mohr
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Aktuelle Nachrichten – Lebensmittel

Alles Käse oder was? Rufe nach Konsequenzen aus Verbrauchertäuschung

Mirjam Mohr

12.07.2009

Große Verunsicherung unter Verbrauchern: Ist der Käse denn noch Käse? (berwis/pixelio.de)
Große Verunsicherung unter Verbrauchern: Ist der Käse denn noch Käse? (berwis/Pixelio)

Frankfurt/Main – Nach dem Auftauchen immer neuer Lebensmittel-Imitate fordern Politiker und Verbände schärfere Kennzeichnungsregeln und Konsequenzen für Betrüger. Der SPD-Politiker Ulrich Kelber sprach sich am Wochenende dafür aus, die Namen von Verantwortlichen zu veröffentlichen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) forderte „Reinheitsgebote für Lebensmittel“. Der Deutsche Bauernverband machte den Preisdruck im Lebensmittelhandel mitverantwortlich für den Betrug.

Nach der Aufdeckung von Käse- und Schinkenimitaten hatte die Verbraucherzentrale Hamburg am Freitag mit einer Liste weiterer Lebensmittelimitate gezeigt, dass eine solche Art der Verbrauchertäuschung offenbar weit verbreitet ist. Die Verwendung von Lebensmittelimitaten, die normalerweise nicht gesundheitsgefährdend sind, ist in Deutschland zwar nicht verboten, allerdings dürfen sie nicht als Original ausgegeben werden, was aber oft geschieht.

Verbraucherschützer kritisieren, dass Kunden selbst bei einer korrekten Auszeichnung von Imitaten häufig nicht klar erkennen können, was sie kaufen. Sie fordern, dass Imitate klar als solche bezeichnet werden und zudem die Ergebnisse von Kontrollen öffentlich gemacht und Verstöße konsequent geahndet werden müssen.

Auch NGG-Chef Franz-Josef Möllenberg erklärte in der „Passauer Neuen Presse“, wenn Imitate verwendet würden, müsse das klar gekennzeichnet werden. „Wir sind gegen jede Form des Manschens und Panschens.“ Der stellvertretende SPD-Fraktionschef im Bundestag Kelber erklärte, wer erwischt werde, müsse damit rechnen, dass sein Name genannt werde. Es sei ein „Skandal, Verbraucher zu täuschen und ihnen billige Ersatzstoffe unterzuschieben“.

Preisdruck als Ursache für Imitat-Herstellung

Der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Manfred Horst, hält das Kennzeichnungsrecht für ausreichend. „Die Regeln müssen nur praktiziert werden“, sagte er „Spiegel online“. Nicht immer sei eine falsche Auszeichnung aber Betrug, häufig geschehe dies einfach aus Unkenntnis. „Daneben gibt es sicher auch Dinge, die absolut inakzeptabel sind. Die müssen dann eben auch von den Behörden geahndet werden.“

Horst sieht aber auch beim Verbraucher eine Verantwortung: „Wenn man immer billiger essen will, dann kann man nicht erwarten, immer etwas ganz Besonderes zu bekommen.“ Die Preise gingen immer weiter runter, mancher Hersteller könne nur überleben, wenn er billigere Imitate anbiete.

Auch Bauernpräsident Gerd Sonnleitner sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, die ständigen Preissenkungen im Lebensmittelhandel führten auch zu „solchen Fehlentwicklungen“. Wer Fleisch oder Milchprodukte verlange, dürfe aber kein Ersatzprodukt erhalten. „Schummel-Käse oder Schnitzel ohne Fleisch“ seien „regelrecht Plagiate von qualitativ hervorragenden Lebensmitteln“, die die Bauern erzeugten.

Der verbraucherpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Hans-Michael Goldmann, sagte der AP, die Bundesregierung habe „ihre Hausaufgaben nicht gemacht“. Die Probleme seien seit langem bekannt, doch geschehen sei nichts. (AP)

 

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