Aktuelle Nachrichten – International
02.08.2007
Moskau – Mit einem riskanten Tauchmanöver in 4.000 Meter Tiefe unter dem Nordpol will Russland seinen Anspruch auf einen Großteil der Arktis untermauern. Zwei Mini-U-Boote begannen am Donnerstag nach Berichten der Nachrichtenagentur ITAR-Tass den gefährlichen Tauchgang, bei dem die Expedition eine Titankapsel mit der russischen Flagge auf dem Meeresgrund absetzen soll.
Dem symbolischen Hissen der Nationalfahne sollen Untersuchungen folgen, mit denen die Wissenschaftler die Moskauer These beweisen wollen, dass die Landmasse unter dem Meer eine Fortsetzung des eurasischen Kontinents und damit Teil des russischen Kontinentalschelfs ist. Der 1948 von den Sowjets entdeckte Lomonossow-Rücken erstreckt sich über rund 2.000 Kilometer durch das Polarmeer.
Expeditionsleiter Artur Tschilingarow meldete schon bald nach Beginn des Tauchmanövers seinen Kollegen an Bord des Forschungsschiffs „Akademik Fjodorow“, sein U-Boot habe den Meeresgrund erreicht. „Die Landung war sanft, der gelbliche Boden umgibt uns, es sind keine Meeresbewohner zu sehen“, zitierte ihn ITAR-Tass. Unmittelbar vor dem gefährlichen Tauchgang räumte Tschilingarow allerdings auch seine Unruhe ein. „Ich habe Angst und ich verstecke es nicht“, sagte der 68-jährige Polarforscher dem Fernsehsender NTW. Er vertraue aber dem Unterstützerteam an Bord der „Akademik Fjodorow“. An Bord des zweiten U-Boots waren laut ITAR-Tass auch ein Australier und ein Schwede.
Die U-Boot-Mannschaften müssen den Weg zurück an die Öffnung im 1,5 Meter dicken Eis finden, bevor die Sauerstoffvorräte zur Neige gehen. Der atombetriebene Eisbrecher „Rossija“ schlug in der Nacht ein rund 125 auf 10 Meter großes Loch für die beiden U-Boote, wie der Sender RTR berichtete. Die Taucher wurden am späten Nachmittag zurückerwartet.
„Erstmals in der Geschichte werden Menschen den Meeresboden unter dem Nordpol erreichen“, sagte der Sprecher des zuständigen Instituts für Arktis- und Antarktisforschung, Sergej Baljasnikow. „Es ist wie das Hissen der Flagge auf dem Mond.“
Mit dem ehrgeizigen Tauchgang und der Sammlung wissenschaftlicher Daten will Moskau seinen Anspruch auf fast 1,2 Millionen Quadratkilometer der Polarregion stützen. Bereits 2001 machte Moskau geltend, dass der Lomonossow-Rücken eine Fortsetzung des russischen Kontinentalschelfs sei. Die UN wiesen den Antrag wegen mangelnder Beweise zurück. In zwei Jahren will Russland erneut versuchen, seinen Anspruch durchzusetzen.
Das Gebiet ist vor allem aus wirtschaftlichen Gründen interessant – dort werden Milliarden Tonnen an Öl- und Gasvorkommen vermutet. Die Expedition wirft ein Schlaglicht auf Rivalitäten zwischen Russland, den USA, Kanada und weiteren Anrainerstaaten der Polarregion. Auch Dänemark hofft nachzuweisen, dass der Lomonossow-Rücken eine Fortsetzung Grönlands und damit seines Territoriums ist.
„Niemand weiß, was da unten ist“, sagte Wladimir Grusdew, der am Donnerstag gemeinsam mit Expeditionsleiter Tschilingarow und einem weiteren Kollegen an Bord des ersten U-Boots in die Tiefe tauchte, dem Sender Channel One. „Was ist, wenn wir dort Atlantis finden?“ In den kommenden Wochen wollen die Wissenschaftler ihre Forschungen von einem Camp aus fortsetzen. Die „Akademik Fjodorow“ soll bis Mitte September vor Ort bleiben. (AP)
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