Aktuelle Nachrichten – Europa
25.02.2010
Foto: AP Photo/Remy de la Mauviniere/Pool
Kigali (apn) 16 Jahre nach dem Völkermord in Ruanda hat der französische Staatschef Nicolas Sarkozy eine schwere Fehleinschätzung der damaligen Ereignisse eingeräumt. Die internationale Gemeinschaft und auch Frankreich müssten über die Fehler nachdenken, wegen derer sie „dieses schreckliche Verbrechen“ nicht vorhergesehen und beendet hätten, sagte Sarkozy bei einem Besuch in Ruanda am Donnerstag. Beide Staaten hatten ihre diplomatischen Beziehungen nach drei Jahren erst im November wieder aufgenommen.
Es habe „eine Form der Blindheit“ gegenüber dem Genozid 1994 in Ruanda gegeben, sagte Sarkozy auf einer Pressekonferenz. „Was hier geschehen ist, ist inakzeptabel.“ Zugleich versprach er, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen, auch wenn sie sich in Frankreich aufhalten sollten. Sie sollten „gefunden und bestraft werden“, kündigte Sarkozy an. Er ist der erste französische Staatspräsident seit 25 Jahren, der das afrikanische Land besucht.
Ruanda hatte die diplomatischen Beziehungen zu Frankreich im November 2006 aufgekündigt, nachdem ein französischer Richter Haftbefehle gegen acht Personen aus dem Umfeld von Präsident Paul Kagame erlassen hatte. Sie sollen in die Ermordung von dessen Amtsvorgänger Juvenal Habyarimana vom Volk der Hutu verwickelt gewesen sein. Nach dem mysteriösen Abschuss von Habyarimanas Flugzeug im April 1994 kam es in Ruanda zum Völkermord. Mindestens 500.000 Menschen – überwiegend vom Volk der Tutsi sowie einige moderate Hutu – wurden in den folgenden Wochen von radikalen Hutu getötet.
Paris und die Regierung in Kigali streiten seit Jahren über eine mögliche Rolle Frankreichs dabei. Die Regierung in Kigali und Überlebende haben Paris vorgeworfen, Milizen trainiert und ausgerüstet zu haben. Einer Organisationen von Überlebenden zufolge halten sich außerdem Verantwortliche des Genozids in Frankreich auf, gegen insgesamt 16 Personen wurde Anzeige erstattet. Ein Parlamentsausschuss sprach Frankreich 1998 von jeder Verantwortung frei. (AP)
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