Aktuelle Nachrichten – Europa
13.04.2010
Reykjavik (apn) Eine isländische Untersuchungskommission hat den früheren Spitzen aus Politik und Wirtschaft scharfe Vorwürfe wegen des Kollaps des Bankensystems auf der Insel gemacht. Der 2.300 Seiten umfassende Bericht bescheinigte vor allem dem früheren Ministerpräsidenten Geir Haarde und dem Ex-Zentralbankchef David Oddsson „krasse Pflichtverletzung“, weil sie die Überhitzung des Finanzsektors ohne angemessene Aufsicht zugelassen hätten.
Zu den sieben Hauptverantwortlichen zählte die Kommission unter Leitung des Obersten Richters Pall Hreinsson auch den früheren Finanzminister Arni Mathiessen und Oddssons Stellvertreter Eirikur Gundason und Ingimundur Fridriksson, den ehemaligen Bankenminister Bjorgvin Sigurdsson und den Chef der Finanzaufsicht Jonas Jonsson. Hreinsson sagte bei der Vorstellung des Berichts am Montag, ein Parlamentsausschuss solle nun darüber entscheiden, ob gegen die Sieben juristische Schritte eingeleitet werden.
Island war 2008 tief in den Strudel der Finanzkrise geraten. Die drei großen Banken des Landes hatten mit gigantischen Beträgen spekuliert, die die Wirtschaftsleistung des 320.000 Einwohner zählenden Staats um ein Vielfaches überstiegen. Doch die Finanzmarktkrise beendete abrupt den Boom auf der Insel. Die Währung verlor in kurzer Zeit die Hälfte ihres Wertes, Banken mussten verstaatlicht und Guthaben eingefroren werden, Inflation und Arbeitslosigkeit schnellten in die Höhe. (AP)
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