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Schauspielerin Käthe Reichel tot

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19.10.2012

Schauspielerin Kaethe Reichel gestorben Foto: dapd/Sebastian Willnow
Schauspielerin Kaethe Reichel gestorben

Foto: dapd/Sebastian Willnow

Berlin – Als Brecht-Interpretin ist sie zu einer DDR-Theaterlegende geworden: In der Nacht zum Freitag starb die Schauspielerin Käthe Reichel im Alter von 86 Jahren im brandenburgischen Buckow. Das teilte eine Sprecherin des Eulenspiegel-Verlages mit.

Mit Käthe Reichel verliere Berlin eine Darstellerin, "die sich im besten Brecht-Sinne nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Leben leidenschaftlich für Demokratie und Gerechtigkeit eingesetzt hat", würdigte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Künstlerin. Mit ihrem Spiel in unzähligen Rollen habe sie Kritiker und Publikum gleichermaßen begeistert. Berlin trauere um eine große Schauspielerin.

Reichel, am 3. März 1926 in Berlin als Waltraut Reichel geboren, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach der Schule erlernte sie zunächst den Beruf einer Textilkauffrau, fand dann aber schnell den Weg zum Theater, ohne eine Schauspielausbildung absolviert zu haben. Ihre ersten Theaterengagements hatte sie in Greiz, Gotha und Rostock. 1950 wurde sie von Bertolt Brecht entdeckt und ans Berliner Ensemble geholt, wo er sie zu eine seiner wichtigsten Darstellerinnen machte.

Sie spielte das Gretchen in Goethes "Urfaust", die Jeanne d'Arc in "Der Prozess der Jeanne d'Arc zu Rouen 1431" nach Anna Seghers und die Natella Abaschwili in "Der kaukasische Kreidekreis" von Bertolt Brecht, später unter Benno Besson die Grusche in Frankfurt am Main.

Ab 1961 war Reichel am Deutschen Theater in Berlin verpflichtet, wo sie unter der Regie von Benno Besson, Wolfgang Langhoff und Adolf Dresen spielte, unter anderem in "Minna von Barnhelm" von Ephraim Lessing, in Sean O'Caseys "Juno und der Pfau" und in Heiner Müllers Sophokles-Bearbeitung "Oedipus Tyrann". Im Laufe der Jahre folgten Theaterauftritte als freie Künstlerin in Wuppertal, Mannheim, Stuttgart und Hamburg in Stücken von Hebbel, Kleist, Horváth und Handke. Bertolt Brechts "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" führte sie ab 2000 als Ein-Personen-Stück auf. Außerdem ging sie mit Lesungen der Novelle "Lenz" von Georg Büchner und "Kassandra" von Christa Wolf auf Lesetour.

Seit den 50er Jahren war Käthe Reichel auch in Fernseh- und Kinorollen zu sehen, unter anderem in "Der kaukasische Kreidekreis" (1958), "Wie heiratet man einen König" (1969), "Die Legende von Paul und Paula" (1973), "Levins Mühle" (1980), "Die Verlobte" (1980), "Der Laden" (1997) und in einigen "Polizeiruf 110"-Folgen.

Käthe Reichel engagierte sich auch immer politisch. So protestierte sie gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann. Für ihre Rede für Freiheit und Demokratie während der großen Demonstration am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz wurde sie bejubelt. Immer wieder machte sie sich für den Frieden stark und attackierte jegliche Kriegshetze. Während des zweiten Golfkrieges rief sie zur Aktion "Mütter, versteckt eure Söhne" auf und sammelte Unterschriften für das "Komitee der Mütter Russlands". Im Jahre 2000 wurde Käthe Reichel mit dem Menschenrechtspreis der Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde geehrt.

2006 erschien ihr Erinnerungsbuch "Windbriefe an den Herrn b. b." (Faber & Faber), mit dem sie auch auf Lesereise ging. Im vergangenen Jahr legte sie mit "Dämmerstunde" (Verlag Neues Leben) einen Rückblick auf ihr Leben vor. Unter dem Motto "Leben ist Erzählen" berichtet Reichel aus ihrer Kindheit und gibt altersweise, unerschrocken, aber auch von vielem enttäuscht ihre Sicht auf die aktuelle Politik und Politiker wieder.

dapd

 

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