München – Schlangen haben zwar keine sichtbaren Ohren, können aber dennoch kleinste Vibrationen wahrnehmen und so ihre Beute orten. Wissenschaftler der TU München und der Washburn Universität im US-Staat Kansas konnten jetzt zeigen, dass die Tiere ein verstecktes Innenohr mit einer innenliegenden Hörschnecke nutzen, um Feinde und Opfer aufzuspüren. Legen Schlangen ihren Kopf auf eine Sandoberfläche, wird jede Bewegung in der Umgebung als Vibration über den Unterkiefer ins Innenohr übertragen.
„Jede Erschütterung auf einer sandigen Oberfläche verursacht Vibrationswellen, die sich von der Quelle aus auf der Oberfläche ausbreiten“, erklärten die Forscher. „So wie Wellen in einem Teich, nachdem ein Stein hineingeworfen wurde.“ Die Vibrationswahrnehmung von Schlangen ist nach Einschätzung der Forscher vergleichbar mit der Weiterleitung akustischer Signale durch die Hörknöchelchen im menschlichen Mittelohr. „Die Schlange hört also im wahrsten Sinne des Wortes die Oberflächenwellen.“
Wie bei menschlichen Ohren können die Tiere sogar die Richtung erkennen, aus der sich ein Feind oder Opfer nähert. Weil die zwei Hälften ihres Unterkiefers nicht starr miteinander verbunden sind, erreichen die Vibrationen, wenn sie etwa von rechts kommen, die rechte Kieferhälfte früher als die linke. Diese Differenz genügt, um selbst feinste Vibrationen in stereo wahrzunehmen und deren Richtung zu bestimmen.
http://www.t35.ph.tum.de (AP)
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