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Altersmedizin Schlechte Noten für medizinische Behandlung von Senioren

DAPD

14.12.2009

Die Behandlung älterer Menschen mit Medikamenten weist in Deutschland einer Studie der Ruhr-Universität Bochum zufolge besorgniserregende Mängel auf. AP Photo/Thomas Kienzle
Die Behandlung älterer Menschen mit Medikamenten weist in Deutschland einer Studie der Ruhr-Universität Bochum zufolge besorgniserregende Mängel auf. AP Photo/Thomas Kienzle

Bochum – Die Behandlung älterer Menschen mit Medikamenten weist in Deutschland einer Studie der Ruhr-Universität Bochum zufolge besorgniserregende Mängel auf. „Die Patienten werden mit wilden Mischungen von Wirkstoffen behandelt, die sich teils in ihrer Wirkung gegenseitig aufheben und teils Wechselwirkungen hervorrufen können, über die man kaum Kenntnisse hat“, fasste der Bochumer Altersmediziner Ulrich Thiem am Montag das Ergebnis der Untersuchung zusammen.

Eine Befragung von rund 2.500 Patienten über 70 Jahren ergab: Im Durchschnitt nahm jeder Befragte regelmäßig sechs verschiedene Medikamente. Je älter der Patient war, desto höher war die Zahl der Präparate. Bei einigen Patienten waren es mehr als zehn. Zu den am häufigsten verordneten Präparaten gehörten Blutdruckmedikamente, Blutfettsenker und Diabetesarzneien.

Die Behandlung sei gut gemeint, denn viele Senioren litten an mehreren Erkrankungen. Doch sie bringe eine Fülle von Problemen mit sich, betonten die Forscher. So wirken etwa Schmerzmittel, die gegen Arthrose verordnet werden, negativ auf die Nierenfunktion. Das steigert den womöglich ohnehin erhöhten Blutdruck, der parallel mit anderen Medikamenten behandelt wird.

Ein Umdenken bei der Behandlung von Senioren

Um die Gefahren des gleichzeitigen Konsums so vieler Medikamente zu verringern, plädierten die Bochumer Mediziner für ein Umdenken. Da es unmöglich sei, alle Erkrankungen gleichermaßen zu behandeln, müssten die Probleme vorrangig angegangen werden, die für den Patienten besonders wichtig seien. „Ein 80-jähriger Patient mit Bluthochdruck und Arthrose wünscht sich erfahrungsgemäß zuallererst, seinen Alltag weiterhin alleine bewältigen zu können. Dafür braucht er Schmerzmittel. Ob er Bluthochdruck hat, der auf mehrere Jahre hinaus sein Schlaganfallrisiko erhöht, ist ihm nicht so wichtig“, erklärte Thiem.

In der Medizin gehe es heute häufig um die Einschätzung langfristiger Risiken und deren Prävention, betonte der Arzt. Bei 30- oder 40-jährigen Patienten sei dies auch richtig. Ältere Leute wollten aber in erster Line die Beschwerden behandelt wissen, die sie im Alltag einschränken. Was in fünf oder zehn Jahren sei, sei ihnen weniger wichtig. „Da sagen viele: Wer weiß, ob ich das überhaupt noch erlebe“, betonte Thiem.

Negativliste für häufig verordnete Medikamente

Außerdem griffen die Forscher eine Idee aus Amerika auf und unterteilten 131 häufig verordnete Arzneien in drei Kategorien: Für Ältere unbedenklich, für Ältere nicht geeignet, und für Ältere nur unter Vorbehalt empfehlenswert. 82 Arzneistoffe wurden dabei als potenziell inadäquat für Senioren eingestuft, da ihre Wirkstoffe bei Älteren vermehrt zu unerwünschten Nebenwirkungen führen können.

So gebe es eine ganze Reihe von Mitteln gegen Blasenschwäche oder Darmprobleme, die bei älteren zu Gedächtnisschwierigkeiten führten, berichteten die Forscher. Bestimmte Kreislaufmittel erhöhten die Sturzgefahr und diverse Psychopharmaka führten in hohem Alter zu höherer Schlaganfallhäufigkeit. Die Forscher schlugen gleichzeitig Alternativen vor. Nur 26 Medikamenten bekamen auf der Liste bekamen uneingeschränkt grünes Licht für die Verschreibung an Senioren.

http://www.rub.de/rubin (AP)

 

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