Aktuelle Nachrichten – International
06.09.2005
New Orleans - Auf die Pannen beim Krisenmanagement der US-Regierung im Katastrophengebiet um New Orleans reagiert Präsident George W. Bush mit einer Untersuchung, die er persönlich leiten will. Die Bürokratie werde der Hilfe für die Menschen nicht im Weg stehen, sagte Bush nach einer Kabinettssitzung am Dienstag in Washington. Der Senatsausschuss für Regierungsangelegenheiten kündigte am Dienstag eigene Anhörungen an. Der demokratische Minderheitsführer im Senat, Harry Reid, schätzte die Kosten der Hilfs- und Wiederaufbaumaßnahmen für die Regierung auf 150 Milliarden Dollar und mehr.
Nach der Reparatur eines geborstenen Dammes in New Orleans begannen Pioniere des US-Heeres mit dem Abpumpen des Wassers aus der Stadt. Rund eine Woche nach dem verheerenden Hurrikan «Katrina» zeichnete sich damit erstmals ein Rückgang der Wassermassen ab. Nach einem Flug über die Stadt sagte Bürgermeister Ray Nagin am Dienstag, die zunächst zu 80 Prozent überflutete Stadt stehe noch zu 60 Prozent unter Wasser. Es dauere jedoch drei Wochen, bis das Wasser vollständig abgepumpt sei.
Mehrere weitere Wochen würden benötigt, um den giftigen Schlamm und die Trümmer beiseite zu räumen. Diejenigen, die sich der Evakuierung der Stadt widersetzten, warnte er: «Es ist nicht sicher hier. Es gibt giftigen Müll im Wasser und Leichen und Moskitos und Benzin. Feuer brennen, und wir haben kein fließendes Wasser.» Die Menschen müssten dazu bewegt werden, die Stadt zu verlassen. Berichte, wonach andernfalls kein Wasser mehr an die Bewohner ausgeteilt werde, wies Nagin zurück. Er schätzt, dass allein in New Orleans etwa 10.000 Menschen ums Leben kamen.
Doch ungeachtet eines zweiten Besuchs von Präsident Bush im Katastrophengebiet dauerte die Kritik am Krisenmanagement der Regierung an. Die größte Zeitung im US-Staat Louisiana, die «Times-Picayune», druckte einen offenen Brief an Bush, in dem der Präsident aufgefordert wird, alle Beamten des Katastrophenschutzes (FEMA) zu entlassen. Amerikanische Nothelfer kritisierten bereits Wochen vor dem Hurrikan, dass sie mehr auf den Einsatz bei Terroranschlägen als für Naturkatastrophen ausgebildet und ausgerüstet seien. Eine Behörde des Kongresses informierte die Regierung darüber im Juli.
Bush sagte in Washington bei der Ankündigung der Untersuchung, eine angemessene Reaktion müsse sichergestellt werden, «sollte es einen Angriff mit Massenvernichtungswaffen oder einen weiteren großen Sturm geben». Darüber hinaus entsendet Bush seinen Stellvertreter Dick Cheney am Donnerstag an die Golfküste. Von Seiten der Streitkräfte verlautete, die Zahl der eingesetzten Soldaten werde von 7.200 noch einmal auf 8.500 aufgestockt.
Das 60 Meter breite Loch im Damm an der 17. Straße von New Orleans konnte am Montagabend mit schweren Sandsäcken gefüllt werden, die von Hubschraubern abgeworfen wurden. Gleichzeitig wurde Wasser aus einem Kanal in den See Pontchartrain zurückgepumpt. Nach dem Dammbruch standen 80 Prozent der Stadt bis zu sechs Meter tief unter Wasser. Fortschritte gab es auch bei der Wiederherstellung der Stromversorgung. Nach Angaben Elektrizitätswerke waren allerdings immer noch mehr als 800.000 Haushalte ohne Strom.
Mindestens 155.000 Bewohner wurden aus dem Katastrophengebiet in Sicherheit gebracht, wie das Heimatschutzministerium mitteilte. Die meisten von ihnen wurden in 560 neu eingerichtete Sammelunterkünfte gebracht. Die Luftwaffe schloss am Montagabend den Abtransport alter und schwer kranker Menschen vom Flughafen in New Orleans ab. Insgesamt wurden fast 10.000 Menschen ausgeflogen. Die Zahl der in der Stadt verbliebenen Menschen schätzte der stellvertretende Polizeichef W.J. Riley auf weniger als 10.000. (AP)
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