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Sinnlose Ehrenrunde abschaffen Schleicher: „Schule 2.0“ statt Bildungsanstalt aus 19. Jahrhundert

DAPD

01.01.2010

Frankfurt/Main (APD) Der OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher hat an die Bundesländer appelliert, das Sitzenbleiben in den Schulen abzuschaffen. „Die 'Ehrenrunde' ist nicht nur teuer, sondern auch ineffizient“, sagte der Pisa-Koordinator im Interview der Nachrichtenagentur DAPD. Deutschland brauche die „Schule 2.0“ anstelle des derzeitigen Schulsystems, das im 19. Jahrhundert konzipiert worden sei.

Sitzenbleiben bringe dem Schüler keinen Leistungsgewinn, sondern verschiebe in der Regel die Probleme nur um ein Jahr und stigmatisiere die Betroffenen, sagte Schleicher. „Die 'Ehrenrunde' abzuschaffen, was in den meisten Bildungssystemen in den OECD Staaten ja bereits gemacht wurde, kann allerdings nur ein erster Schritt sein.“

Die entscheidende Herausforderung sei es, Schüler mit Lernschwierigkeiten so zu fördern, dass die Probleme gar nicht erst unüberwindbar würden. Dafür müsse die Unterrichtsplanung auf die individuellen Anforderungen der Schüler ausgerichtet werden.

„Über organisatorische Fragen hinaus, über die wir uns sicher noch lange streiten können, bleibt es aber am wichtigsten, sich Gedanken über die Schule 2.0 zu machen, die Kinder heute zukunftsfähig machen kann“, forderte Schleicher: „Eine Schule, die Schülern hilft, sich in einer sich immer schneller verändernden Welt zurechtzufinden; auf Berufe vorbereitet, die wir heute noch nicht kennen; Technologien zu nutzen, die erst morgen erfunden werden; strategische Herausforderungen zu bewältigen, von denen wir heute noch nicht wissen, dass es sie gibt.“

Die Grundschüler von heute würden wahrscheinlich zehn bis 14 Jobs haben, bevor sie 40 seien, sagte Schleicher. Dafür müssten die Arbeitsbedingungen für die Lehrer verbessert und die Schule zu einer Lernorganisation mit einem professionellen Management umgewandelt werden.

Lob für Bologna-Reform

Schleicher verteidigte zugleich die umstrittenen Hochschul-Reformen. „Grundsätzlich schafft die Bologna-Reform Anschlussfähigkeit und fördert Mobilität. Darüber hinaus schafft sie mehr Transparenz auch eine bessere Basis für mehr Wettbewerb unter den Bildungsanbietern – zumindest in der Theorie.“ Doch müsse sie auch entsprechend umgesetzt werden.

Der Leiter der OECD-Abteilung Bildungsindikatoren kündigte eine Pisa-Studie für die Hochschulen an. „Bereits im nächsten Jahr werden wir mit der Umsetzung einer Machbarkeitsstudie beginnen“, sagte Schleicher. (AP)

 

 

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