Ökologie – Schmallenberg-Virus gibt Seuchen-Experten Rätsel auf – Vera Fröhlich
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Tierkrankheit Schmallenberg-Virus gibt Seuchen-Experten Rätsel auf

Vera Fröhlich

01.02.2012

Der Erreger des Schmallenberg-Virus war im vergangenen Sommer in den Niederlanden entdeckt worden. Foto: Winfried Rothermel/AP Photo
Der Erreger des Schmallenberg-Virus war im vergangenen Sommer in den Niederlanden entdeckt worden.

Foto: Winfried Rothermel/AP Photo

Berlin – Ein neuartiges Virus in Deutschland, das Rinder, Schafe und Ziegen befällt, stellt die Experten noch vor ein Rätsel. Das für Menschen nach bisherigen Erkenntnissen ungefährliche Schmallenberg-Virus hat Frühgeburten und schwere Missbildungen bei Lämmern verursacht. Jetzt werden verstärkt Probleme bei Kälbern erwartet. Das Virus stamme aus einer Gruppe von Erregern, die bisher in Mitteleuropa nicht aufgetreten sei, erklärte Thomas Mettenleitner, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit, am Mittwoch.

Karin Schwabenbauer, im Bundeslandwirtschaftsministerium für Tiergesundheit zuständig, sagte: "Es ist seit langer Zeit das erste Mal, dass ein völlig unbekannter Erreger aufgetreten ist." Um den Veterinärbehörden einen umfassenden Überblick über das Krankheitsgeschehen des Schmallenberg-Virus zu verschaffen, will das Ministerium Ende März mit Zustimmung des Bundesrats eine Meldepflicht für diese Tierkrankheit einführen.

Schon jetzt haben die betroffenen Bundesländer die kommunalen Veterinärbehörden dazu aufgerufen, Verdachtsfälle auf freiwilliger Basis über das Tierseuchen-Nachrichten-System TNS zu melden. "Damit ist es den Behörden bereits jetzt möglich, täglich ein aktuelles Lagebild der Tierkrankheit zu erstellen", erklärte Ministeriumssprecher Holger Eichele.

In Deutschland wurde laut Friedrich-Löffler-Institut bis Ende Januar das Virus in Tieren aus 186 Betrieben nachgewiesen. Betroffen sind 7 Rinder-, 172 Schaf- und 7 Ziegenhaltungen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Brandenburg und Thüringen.

Mehr Probleme bei Kälbern ab März erwartet

Die Experten gehen davon aus, dass die Zahl der von der Tierkkrankheit betroffenen Kälber in den Monaten März und April deutlich steigen wird. Denn Schafe haben eine Tragezeit von 150 Tagen, Kühe von 270 bis 280 Tagen. Und das Virus wurde im vergangenen Sommer höchstwahrscheinlich von Insekten übertragen – von sogenannten Gnitzen oder Bartmücken und von Stechmücken.

Schwabenbauer sagte: "Die Tiererkrankung hat im letzten Jahr stattgefunden – die Auswirkungen des Virus sehen wir jetzt." Es gebe derzeit weder Maßnahmen gegen die Schmallenberg-Krankheit noch einen Impfstoff. Sperrmaßnahmen gegen Insekten seien nicht möglich. Spezielle Tipps für Landwirte hat die Tierärztin nicht: "Ich wüsste nicht, was man ihnen raten kann", sagte sie.

Mettenleitner sagte, es sei "höchst unwahrscheinlich", dass der Virus für den Menschen gefährlich ist. Die Entwicklung eines Impfstoffs dauere Monate oder Jahre.

Der Erreger der neuen Tierviruserkrankung war im vergangenen Sommer in den Niederlanden entdeckt und erstmalig im November vom Friedrich-Loeffler-Institut identifiziert worden. Das Virus gehört zur Simbu-Serogruppe der Orthobunyaviren. Der Erreger wird als Schmallenberg-Virus bezeichnet, weil der erste Virusnachweis bei Proben von Tieren aus Schmallenberg in Nordrhein-Westfalen gelang. (dapd)

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