Konsum – Schnäppchenparadies USA Rezession führt zu Preisrutsch auf weiter Front – Rachel Beck
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Jeden Tag Niedrigpreise Schnäppchenparadies USA Rezession führt zu Preisrutsch auf weiter Front

Rachel Beck

25.10.2009

Glückliche Zeiten für alle, die noch einen Job und Geld zum Ausgeben haben. Von Kleidung über Kaffee bis hin zur Haustiernahrung: Die Preise purzeln und purzeln. (AP Photo/Joe Giblin)
Glückliche Zeiten für alle, die noch einen Job und Geld zum Ausgeben haben. Von Kleidung über Kaffee bis hin zur Haustiernahrung: Die Preise purzeln und purzeln. (AP Photo/Joe Giblin)

New York – Für Verbraucher in den USA hat es nie zuvor bessere Zeiten gegeben: Amerika ist im Ausverkauf. Die schwere Rezession, die das Land in Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise erfasst und Millionen von Amerikanern in die Arbeitslosigkeit geschickt hat, verwandelt die USA in ein Paradies für Schnäppchenjäger. Glückliche Zeiten für alle, die noch einen Job und Geld zum Ausgeben haben.

Von Kleidung über Kaffee bis hin zur Haustiernahrung: Die Preise purzeln und purzeln. Sogar bei Artikeln, bei denen es normalerweise nie Preisnachlässe gibt, wie beispielsweise Verlobungsringe des Edel-Juweliers Tiffany, wird der Rotstift angesetzt. Auch die zwei größten Ausgabeposten in Privathaushalten, Häuser und Autos, werden von der Preislawine mitgerissen.

„Das ist die neue Normalität“, erklärt Donald Keptra, Präsident der Supermarktkette Dominick's, die Läden im Mittleren Westen der USA betreibt. Sein Unternehmen hat gerade die Preise für mehrere tausend Artikel um 30 Prozent gesenkt. „Zurück gehen wir nicht.“

Was sich derzeit an der Preisfront in den USA ereignet, hat sich seit längerem angebahnt. Vor vielen Jahren verkündete der Handelsriese Wal-Mart seine Kampagne „Jeden Tag Niedrigpreise“. Amazon definierte Ende der 90er Jahre die Schnäppchenjagd durch die Einführung des Online-Shoppings neu. Nach der Rezession von 2001 lockten die Autohersteller mit Null-Prozent-Finanzierungen die Konsumenten zum Geldausgeben. McDonald's „Dollar Meals“ (Essen für ein Dollar) machte Fast Food noch billiger.

Doch was sich derzeit in der sogenannten Großen Rezession abspielt, ist ohne Beispiel. Der Beinahe-Zusammenbruch des Finanzsystems hat den Preis von Immobilien und Aktien fast ins Bodenlose stürzen lassen, das Haushaltsvermögen der Amerikaner schmolz um 6,6 Billionen Dollar oder elf Prozent zusammen.

Einst Statussymbol, heute anstößig

Wer heute noch genügend Geld zum Ausgeben hat, tut dies nicht mehr so sorglos wie früher. Es gibt einen neuen gesellschaftlichen Druck, bei Einkäufen den Dollar zwei Mal umzudrehen. In den Shopping-Tempeln der USA war es einst ein Statussymbol, mit den Armen voller schicker Einkaufstüten, auf denen die Namen von Designer-Marken prangten, herumzuflanieren. Heute gilt dies als anstößig. „Es gibt fast so etwas wie eine neue Ausgabenmoral“, befindet Bill McComb, Chef des US-Modeunternehmens Liz Clairborne.

Kleine Einzelhändler wie Dave Ratner müssen sich dem Preiskampf ebenso stellen wie die Handelsriesen. Der Besitzer von vier Läden für Tiernahrung in Massachusetts hat sein Sortiment umgestellt. Statt Premium-Hundefutter und teurer Leckerlis verkauft er jetzt vor allem Billigmarken und gewährt große Rabatten. „Das macht meine Gewinnspanne kaputt,“ klagt Ratner. „Wenn man aber keine Sonderangebote offeriert und Werbeaktionen startet, hat man in der heuten Welt keine Chance.“

Große Schnäppchen gibt es nicht nur im Einzelhandel. Auch nach dem Ende der Abwrackprämie erhalten Neuwagenkäufer in den USA satte Rabatte. Für Hotelübernachtungen muss der Reisende im Schnitt 20 Prozent weniger ausgeben als noch vor einem Jahr – der größte Preisrutsch seit Beginn der Erhebungen von Smith Travel Research.

Häuser billiger als ein Neuwagen

Auch der Immobilienmarkt wird von einer Preislawine überrollt. Seit 2006, dem Höhepunkt der Immobilienblase, ist der Preis für Einfamilienhäuser im Schnitt um 30 Prozent eingebrochen. In einigen Städten sind Immobilien gerade noch die Hälfte wert. In Teilen von Detroit, dem Herz der kriselnden amerikanischen Autoindustrie, sind Häuser billiger als ein Neuwagen.

Leute wie der Werbemanager Bruce Halkin gehören zu den Nutznießern der Krise. In Kürze wird er den Kaufvertrag für ein Anwesen unterzeichnen, das an einem Golfkurs in Boca Raton in Florida liegt. 335.000 Dollar wird er für das geräumige Haus mit drei Schlafzimmern bezahlen. Den Preis von 365.000 Dollar, den die Verkäufer ursprünglich verlangten, hat er um acht Prozent heruntergehandelt. Die jetzigen Besitzer hatten das Anwesen 2006 für 410.000 Dollar gekauft und nach noch einmal 75.000 Dollar in die Renovierung gesteckt.

Halkins Schnäppchenjagd ist damit aber nicht zu Ende. Vor kurzem war er bei Macy's einkaufen. Zwei Poloshorts von Ralph Lauren, ein Polohemd und einen Hut brachte er für gerade einmal 50 Dollar nach Hause. Ausgezeichnet waren die Waren für 200. „Ich habe gelernt zu kaufen, wenn ich günstige Gelegenheiten sehe, und nicht notwendigerweise, wenn ich etwas brauche“, sagt Halkin.

Die Preisspirale nach unten birgt freilich viele Risiken. Je mehr die Konsumenten mit weiter sinkenden Preisen rechnen, desto stärker halten sie ihr Geld für künftige Schnäppchen zusammen und pumpen es nicht in den Wirtschaftskreislauf. Die Unternehmen sehen sich gezwungen, ihre Preise weiter zu senken. Dies wiederum hält sie davon ab, neue Mitarbeiter einzustellen und ihren Angestellten höhere Gehälter zu zahlen. Einige Volkswirtschaftler warnen bereits vor einer Deflation, wie sie Japan seit zwei Jahrzehnten im Griff hat. (AP)

 

 

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