Aktuelle Nachrichten – Reise
21.12.2010
Foto: Uwe Lein/dapd Photo
Frankfurt/Main – Wie in Deutschland, ist auch in den südlichen Nachbarländern derzeit alles weiß. Doch während die Deutschen stöhnen, herrscht in Österreich und in der Schweiz überwiegend Freude über die Schneemassen. In den Skigebieten laufen die Lifte und Bergbahnen auf Hochtouren, die Hotels sind weitgehend voll. Die Buchungslage in diesem Jahr sei bisher exzellent, sagt Erik Riegler von der nationalen Tourismusorganisation Österreich Werbung. "Alle Openings konnten planmäßig stattfinden."
Nicht immer fiel die Zwischenbilanz vor Weihnachten zuletzt so positiv aus. Als "Opening" wird in den Alpen die Eröffnung der Skisaison in einem Touristenort bezeichnet. Gerade in den tiefer gelegenen Voralpengebieten mussten diese in den vergangenen Jahren nur allzu häufig zeitlich nach hinten verschoben werden. Der Klimawandel schlug sich für viele Hoteliers damit schmerzlich in den Portemonnaies nieder.
Viele haben inzwischen reagiert, und werben zunehmend um Sommergäste. Für die Wintermonate sei das Angebot "verbreitert" worden, sagt Riegler. Die Zahl der Touristen habe sich insgesamt nicht wesentlich verringert, allerdings habe sich das Geschehen ein wenig von den Pisten auf andere Bereiche verlagert. Gerade Gäste aus Deutschland würden zunehmend zum Schneewandern oder zum winterlichen Wellnessurlaub nach Österreich kommen.
In der Schweiz, wo viele der großen Skigebiete deutlich höher liegen, ist Schneemangel in den vergangenen Jahren kein so großes Problem gewesen. Was den Eidgenossen zu schaffen machte, war vielmehr das Geld. In der Finanzkrise blieben viele Gäste in den Luxushotels aus. Was aktuell noch viel schwerer wiegt, ist der starke Franken. Der Verband Schweiz Tourismus rechnet vor allem aus dem Euroraum deswegen mit deutlich weniger Gästen – die Zahl der Übernachtungen könnte um bis zu fünf Prozent zurückgehen, lautet die Prognose.
Dass wenigstens das Winterwetter mitspielt, darüber sei man in der Schweiz "extrem dankbar", versichert Daniela Bär. Der Pressesprecherin des Tourismusverbandes zufolge haben die Seilbahnbetreiber des Landes in diesem Jahr Rekordsummen in die Anlagen und Pisten investiert. Damit hoffen die Schweizer, nicht nur technisch auf dem neusten Stand zu bleiben, sondern auch gezielt auf neue Trends im Bereich des Wintersports einzugehen.
"Die einen bevorzugen eben wilde Buckelpisten, die anderen mögen es eher beschaulich", sagt Bär. Während in früheren Jahren für eine wachsende Snowboard-Szene neue Abfahrten eingerichtet worden seien, werde aktuell auf einen ganz anderen Trend reagiert: "Slow Slopes" – Pisten für Bummler. Mit klaren Tempolimits richtet sich dieses Angebot nicht in erster Linie an Anfänger, sondern vor allem an Genießer. "Das sind entschleunigte Skigebiete für ein entspanntes Skivergnügen", sagt Bär.
Ein wichtiges Thema in beiden Alpenländern ist aber immer auch die Sicherheit auf den Pisten. "Wo immer es geht, versuchen wir, die Leute auf die FIS-Regeln aufmerksam zu machen", sagt der Präsident des Österreichischen Skischulverbandes, Richard Walter. Die vom Internationalen Skiverband im Jahr 1967 beschlossenen Maßgaben würden nicht nur von den Lehrern vermittelt, sondern seien auch an fast allen Liftanlagen ausgehängt. Zudem würden die meisten Skiverleiher für Kinder grundsätzlich auch Helme zur Verfügung stellen.
Eine allgemeine Helmpflicht hält Walter trotzdem nicht für notwendig. "Ich denke, dass die gegenwärtigen Sicherheitsvorkehrungen schon ausreichend sind", sagt der Verbandspräsident. Die schlimmsten Unfälle würden ohnehin meist abseits der präparierten Abfahrten passieren – wenn Skiläufer sich selbst überschätzen, wenn sich Touristen aus den Städten ohne viel Erfahrung ins freie Gelände vorwagen. "Wer sich mit den Bergen nicht auskennt, hat abseits der Pisten nichts zu suchen", sagt Walter.
Was den Erfolg der laufenden Saison angeht, teilt Walter ganz die optimistischen Prognosen der Tourismusverbände. Auch die Schneemassen in weiten Teilen Deutschlands stimmen den Österreicher positiv. "Wenn die Leute so viel Schnee sehen, dann sind sie motiviert und bekommen Lust auf Wintersport". Und wo könnten sie den schließlich besser praktizieren, als in den Bergen der südlichen Nachbarländer.
(dapd)
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