Aktuelle Nachrichten – Deutschland
29.01.2010
Foto: apnPhoto/Joerg Sarbach
Foto: apn Photo/Joerg Sarbach
Frankfurt/Main (apn) Mit heftigen Schneefällen vor allem im Nordosten ist am Freitag das Tief „Keziban“ über Deutschland hinweggezogen und hat vielerorts ein Verkehrschaos verursacht. Von Donnerstagabend bis Freitagnachmittag gab es häufig Glätteunfälle, die aber meist glimpflich ausgingen; ein Fahranfänger wurde bei einem Zusammenstoß getötet. Der Deutsche Wetterdienst warnte vor starken Schneeverwehungen.
Im hessischen Hilders kam ein 18-jähriger Autofahrer ums Leben, als er gegen 06.00 Uhr auf einer Steigungsstrecke ins Schleudern kam und mit einem Linienbus zusammenstieß. In Wilhelmshütte (Hessen) rutschte ein Autofahrer an einem unbeschrankten Bahnübergang auf die Gleise und wurde von einer Regionalbahn erfasst. Er kam leicht verletzt davon.
Auf der A1 und A45 in Nordrhein-Westfalen staute sich der Verkehr am Donnerstagabend laut Polizei zeitweise bis zu 15 Kilometer. In Sachsen sorgten Neuschnee, überfrierende Nässe und teils stürmischer Wind auf den Straßen vielerorts für Behinderungen. Es kam zu zahlreichen Unfällen.
Ein neunjähriger Junge wurde am Freitagmittag in Geesthacht südlich von Hamburg lebensgefährlich verletzt, als er am Straßenrand auf dem glatten Fußweg ausrutschte und vor ein Fahrzeug geriet. Mit Verdacht auf ein schweres Schädelhirntrauma, Hals- und Wirbelsäulenverletzungen wurde er mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen.
In der Region um Flensburg führte der seit den Morgenstunden andauernde Schneefall zu starken Verkehrsbehinderungen. Teilweise wurden bis zu 30 Zentimeter Neuschnee gemessen. Die Autobahn 7 südlich von Flensburg war aufgrund der Schneemassen stundenlang in beiden Richtungen nur einspurig befahrbar, obwohl die Streudienste pausenlos im Einsatz waren. Auf mehreren Landstraßen versperrten liegengebliebene Lkw die Strecken und verursachten kilometerlange Staus.
Im Hamburger Hafen kollidierten zwei 80 Meter lange Binnenschiffe mit drei kleineren Sportbooten, nachdem sich am Donnerstagabend Eisschollen zwischen die Frachter und die Kaimauern geschoben und so die Leinen zum Reißen gebracht hatten. Darauf trieben die Schiffe führungslos im Hafenbecken und stießen mit den anliegenden Sportbooten zusammen.
Nachdem der Schiffsverkehr bereits auf der Elbe südlich von Hamburg bis Wittenberge wegen starken Eisgangs eingestellt wurde, sperrte die Hafenbehörde (HPA) am Freitagnachmittag nun auch einen Teil des Hamburger Hafens. Drei festgemachte Schiffe sollten außerdem aus dem Bereich der Norderelbe gezogen werden, um die Gefahr von Eisblockaden zu verringern. Seit etwa drei Wochen sind im Hafen mehrere Eisbrecher im Dauereinsatz. Sie zerkleinern das Eis und sollen es in Bewegung halten, so dass die Schollen bei Ebbe abfließen können. Nach Angaben der HPA ist die Wasserfläche im Hamburger Hafen derzeit zu 100 Prozent Treibeis bedeckt. Die Eisschollen sind bis zu 30 Zentimeter dick.
Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt lief der Flugverkehr weitgehend planmäßig, es seien nur in der Vorplanung bereits 43 Flüge annulliert worden. Signifikante Verspätungen habe es zunächst nicht gegeben.
Auch nach Abzug dieses Schneetiefs sind weiterhin Frost und Schnee angesagt. Laut DWD können die Temperaturen örtlich auf minus 15 Grad sinken. Laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe wurden inzwischen 15 Kältetote gezählt.
Der Klimaforscher Mojib Latif sieht keinen Widerspruch zwischen der Kältewelle und einer vom Menschen verursachten Klimaerwärmung. Wer angesichts der Minusgrade die Erderwärmung bestreite, zeige nur, dass er nichts von der Dynamik des Klimas verstehe, sagte der Meteorologe der Universität Kiel am Freitag im Deutschlandradio Kultur. Um den Einfluss des Menschen auf das Wetter festzustellen, müssten sehr lange Zeiträume beobachtet werden. (AP)
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