Nachrichten Deutschland – Schüler wollen gar nicht länger schlafen – Jens Twiehaus
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Schulbeginn weiterhin um 8 Uhr Schüler wollen gar nicht länger schlafen

Jens Twiehaus

25.03.2009

Berlin – Morgens eine Stunde länger schlafen – dieses Angebot haben die 850 Schüler am Berliner John-Lennon-Gymnasium abgelehnt. Ihr Schulleiter ließ sie am Mittwoch abstimmen, ob sie erst um 09.00 statt um 08.00 Uhr in die Schule müssen. Doch nur 39 Prozent haben am Mittwoch für die Initiative gestimmt, 58 Prozent waren dagegen, sagte Schulsprecher und Initiator Simon Baucks. Mit dem Vorschlag sorgte er europaweit für Aufsehen.

Schulleiter Jochen Pfeifer sagte nach der Abstimmung, er habe E-Mails und Medienanfragen aus ganz Europa erhalten. Vom Tisch sei die Initiative aber nach dem Votum der Schüler noch nicht, nur die Radikalvariante 09.00 Uhr sei raus. Die Schulkonferenz, bestehend aus Eltern, Lehrern und Schülern sollte noch am Abend die verbindliche Entscheidung treffen. Sie sei nicht gebunden an das Ergebnis der Schüler-Abstimmung. Unter den Lehrern habe es keine Umfrage gegeben.

Schulsprecher vermutet konservative Haltung der Schüler

Schulsprecher Baucks fand es schade, dass die Mehrheit der Schüler nicht vom späteren Beginn überzeugt werden konnte. Die Klassensprecher seien vorher „grandios dafür“ gewesen. Vermutlich hätten viele geglaubt, durch die Verschiebung Probleme mit ihren Nachmittagsaktivitäten zu bekommen.

Baucks vermutete auch, dass viele das Wackeln an der 08.00 Uhr-Regel aus einer konservativen Haltung heraus für unsinnig gehalten hätten. Auch wissenschaftliche Erkenntnisse würden gegen zu frühen Unterricht sprechen, erklärte der 18-Jährige Schüler.

Schlafforscher Alexander Blau vom Berliner Universitätsklinikum Charité fände einen späteren Schulbeginn grundsätzlich gut. Schüler hätten eine andere innere Uhr als Erwachsene. „Dafür können sie nichts, das hat auch nichts mit Faulheit, sondern mit Hormonen zu tun“, sagt Blau. Hochleistungs-Denksport sei am frühen Morgen für Schüler nicht angebracht.

Im menschlichen Körper signalisiere das Hormon Melatonin eine Bereitschaft zum Schlaf. Licht ist der wichtigste Reiz gegen die Ausschüttung dieses „Hormons der Nacht“, erklärt Blau. Wenn es Nacht ist, werde Melatonin ausgeschüttet. Dabei steigt die Einschlaf-Neigung und leidet die Konzentrationsfähigkeit.

Schlafmangel kann bei Kinder auch körperliche Folgen haben

Schlafmangel kann sich aber nicht nur schlecht auf die Leistung der Schüler auswirken. „Kinder wachsen vor allem im Schlaf – insofern kann es auch körperliche Folgen haben“, meint Blau.

Derartige Forderungen von Wissenschaftlern seien ihm lange bekannt, berichtete der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger. Er forderte grundsätzlich Spielraum beim Unterrichtsbeginn für Schulen in allen Bundesländern. Aus Sicht der Lehrer spräche zunächst nichts gegen einen späteren Start in den Tag. „Da droht kein ideologischer Krieg, es ist nur die Frage, wie man es praktisch löst“, meinte Meidinger.

Probleme könnte es für berufstätige Eltern geben, auch sei die Transport-Frage ungeklärt. Zudem wären Grundschulen und Realschulen gezwungen, eine Mittagsbetreuung anzubieten.

http://www.jlgym-berlin.de/ (AP)

 

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