Aktuelle Nachrichten Europa – Schweigemarsch zum Jahrestag der Pariser Vorstadtunruhen – Jean-Marie Godard
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Schweigemarsch zum Jahrestag der Pariser Vorstadtunruhen

Jean-Marie Godard

27.10.2006

Gedenkmarsch in Clichy-sous-Bois, Paris. (AP Photo/Christian Hartmann)
Gedenkmarsch in Clichy-sous-Bois, Paris. (AP Photo/Christian Hartmann)

Clichy-sous-Bois - Mit einem Schweigemarsch haben die Einwohner der Pariser Vorstadt Clichy-sous-Bois am Freitag an die beiden Jugendlichen erinnert, die vor einem Jahr auf der Flucht vor der Polizei einen tödlichen Stromschlag erlitten. Hinter einem Transparent mit der Aufschrift «Gestorben für nichts» zogen mehrere hundert Menschen, darunter viele Jugendliche unterschiedlicher Hautfarbe, vom Rathausplatz durch die Straßen des Ortes. Zum Gedenken an die beiden Toten wurde in der Nähe des Rathauses eine Stele enthüllt.

Die Polizei hielt sich im Hintergrund, obwohl zusätzliche Kräfte im Einsatz waren. Angeführt wurde der Schweigemarsch von Hinterbliebenen der beiden getöteten Jugendlichen, Zyed Benna und Bouna Traoré. «Sie sind in den Sozialsiedlungen zum Symbol geworden», erklärte eine Kusine Traorés. «Die Leute sind in großer Zahl gekommen, weil sie ihre Solidarität ausdrücken wollten.» Sie glaube nicht, dass es zu neuer Gewalt kommen werde: «Das wird die Probleme nicht lösen.» Auch der sozialistische Bürgermeister von Clichy-sous-Bois, Claude Dillain, appellierte an die Jugendlichen in den Vorstädten, Ruhe zu bewahren.

In einiger Entfernung von dem Transformatorenhäuschen, in dem Benna und Traoré zu Tode kamen, hielten die Teilnehmer des Schweigemarsches inne. Die Angehörigen der beiden Getöteten legten am Gitter des Gebäudes Blumen nieder, Gebete wurden auf Arabisch und Französisch gesprochen.

Der Tod der beiden Jugendlichen am 27. Oktober 2005 löste drei Wochen andauernde Vorstadtunruhen bei Paris aus. Die Polizei bereitete sich mit einem massiven Aufgebot auf den Jahrestag vor. Im Großraum der französischen Hauptstadt wurden mehr als 500 zusätzliche Polizisten in Bereitschaft versetzt, wie der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft UNSA, Marc Gautron, am Donnerstagabend mitteilte.

«Es ist besser, zu sehr als zu wenig vorbereitet zu sein», sagte Gautron. «Wir wollen so viele Personen wie möglich verhaften, wenn ein Bus oder eine Person angegriffen wird.» Innenminister Nicolas Sarkozy kündigte verstärkten Polizeischutz für die Linienbusse an, nachdem jugendliche Bewohner von Vorstädten in den vergangenen Tagen drei Busse überfallen und in Brand gesetzt hatten.

Sarkozy beriet am Donnerstagabend mit den Leitern der Nahverkehrsgesellschaften über den Schutz der Busse. Auch in der Nacht zum Freitag wurden nach Angaben der Polizei im ganzen Land wieder rund 100 Autos in Brand gesteckt, die Hälfte davon in der Region um Paris. Auf dem Höhepunkt der Unruhen im vergangenen Jahr brannten nachts mehr als 1.400 Autos.

Der sozialistische Politiker Laurent Fabius kritisierte den Umgang der Regierung mit den Problemen in den Vorstädten. «Vor einem Jahr wurden Bouna und Zyed zu Asche verkohlt», sagte Fabius in Erinnerung an die beiden Jungen. «Nichts hat sich seitdem geändert.»

(AP)

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