Aktuelle Nachrichten – Europa
10.09.2008
Zürich – Die Schweiz wird als Steuerstandort für Firmen in Europa immer attraktiver. Der durchschnittliche Gewinnsteuersatz für Firmen in der Schweiz liegt derzeit bei 19,2 Prozent, verglichen mit 20,6 Prozent im vergangenen Jahr. Im EU-Raum gingen die Gewinnsteuersätze um ein Prozentpunkt auf 23,2 Prozent zurück.
Ein Vergleich der Gewinnsteuersätze für Unternehmen in 106 Ländern zeigt, dass die Spitzenpositionen zunehmend von südosteuropäischen Staaten eingenommen werden, wie die am Mittwoch veröffentlichte Studie des Beratungsunternehmens KPMG zeigt. Der attraktivste Steuerstandort für Firmen ist Montenegro, wo Kapitalgesellschaften nur neun Prozent Gewinnsteuer bezahlen. Es folgen weitere südosteuropäische Staaten wie Bulgarien, Zypern, Serbien, Albanien und Bosnien-Herzegowina mit je zehn Prozent. Die Schweiz folgt in diesem Ranking mit 19,2 Prozent an 15. Stelle hinter Polen und der Slowakei sowie vor Kroatien und der Türkei.
Erstmals seit 1994 hat laut KPMG keines der 106 Länder den Gewinnsteuersatz angehoben. Lag der Durchschnittssatz aller untersuchten Länder letztes Jahr bei 26,9 Prozent, beträgt er inzwischen noch 25,9 Prozent. Die niedrigsten Gewinnsteuersätze finden Unternehmen nach wie vor im EU-Raum. Dort gingen sie innert Jahresfrist von 24,2 auf 23,2 Prozent zurück. Im Vergleich dazu verzeichnen Unternehmen in den Ländern des Asien-Pazifikraums mit durchschnittlich 28,4 Prozent die höchsten Gewinnsteuersätze, obwohl auch dort die Sätze um 0,8 Prozentpunkte gesenkt worden sind.
Ein nächster Blick auf die Situation in der Schweiz zeigt den Angaben zufolge, dass die Bandbreite der Kantone innert Jahresfrist von 13,1 bis 29,1 Prozent auf 12,7 bis 24,2 Prozent gesenkt worden ist. Dementsprechend ist in den beiden führenden Kantonen Obwalden und Appenzell Ausserrhoden mit je 12,7 Prozent der Anschluss an den westeuropäischen Primus Irland mit 12,5 Prozent nahezu gelungen, wie KPMG feststellt. Die mit Abstand deutlichsten Senkungen bei der Unternehmensgewinnsteuer haben dieses Jahr die Kantone Graubünden mit minus 10,2 Prozentpunkten, Schaffhausen mit minus 6,8 Prozentpunkten, Appenzell Ausserrhoden mit minus 5,3 Prozentpunkten und Basel-Landschaft mit minus 5,0 Prozentpunkten vorgenommen. Graubünden konnte damit vom ehemals letzten Platz auf Rang 12 im interkantonalen Ranking vorrücken. Das Schlusslicht nehmen jetzt die Kantone Genf mit 24,2 Prozent, Basel-Stadt mit 24,0 und Waadt mit 23,5 Prozent ein.
Bemerkenswert ist laut KPMG der Verlagerungstrends von der Besteuerung der Unternehmensgewinne hin zur Besteuerung des Konsums. Staaten gingen immer mehr dazu hinüber, nicht mehr die Besteuerung der Unternehmensgewinne, sondern die Besteuerung von Umsätzen und somit von Warenlieferungen und Dienstleistungen in den Mittelpunkt ihrer Haushaltplanungen zu stellen. „Die Zeche zahlt am Ende der Konsument in den einzelnen Ländern“, sagte er. Eines der wenigen Länder, das diesem Trend nach wie vor widerstehe, sei die Schweiz. (AP)
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