Aktuelle Nachrichten Europa – Schwere Krawalle nach Protest gegen Polizeigewalt in London – Raphael G. Satter
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Aktuelle Nachrichten – Europa

Plünderungen und Brandstiftung Schwere Krawalle nach Protest gegen Polizeigewalt in London

Raphael G. Satter

07.08.2011

Zerstörungen durch Brandstiftung in Tottenham London.  Foto: AP Photo/Akira Suemori
Zerstörungen durch Brandstiftung in Tottenham London.

Foto: AP Photo/Akira Suemori

London – Bei schweren Krawallen im Londoner Stadtteil Tottenham sind in der Nacht zum Sonntag nach Polizeiangaben 26 Beamte verletzt worden. 46 Randalierer wurden festgenommen. Anlass der Ausschreitungen war der Tod eines 29-Jährigen bei einem Polizeieinsatz in der vergangenen Woche unter noch ungeklärten Umständen. Eine zunächst friedliche Demonstration artete in Unruhen aus, als bis zu 500 wütende Anwohner sich vor dem Polizeirevier versammelten und es zu stürmen versuchten.

Randalierer steckten Gebäude, einen Doppeldeckerbus und mehrere Streifenwagen in Brand und verwüsteten ein Einkaufszentrum. Schaufensterscheiben wurden eingeschlagen und Geschäfte geplündert. Scotland Yard-Sprecher Stephen Watson bezeichnete die Vorfälle als besorgniserregend und erklärte, die öffentliche Sicherheit habe höchste Priorität. Die Polizei sei sich im Klaren über die "gestiegenen Spannungen (...), die verständlich sind nach dem tragischen Tod".

Ein ehemaliger leitender Polizeibeamter bei Scotland Yard, John O'Connor, fühlte sich an die tödlichen Unruhen in Tottenham 1985 erinnert und verwies auf die Olympischen Sommerspiele in London in einem Jahr. "Das ist nur ein kurzer Blick in den Abgrund", sagte er dem Fernsehsender Sky News zu den nächtlichen Ausschreitungen. "Jemand hat die Uhr zurückgedreht und man kann sehen, was unter der Oberfläche steckt. Und wo die Olympischen Spiele bevorstehen, heißt das nichts Gutes für London."

Tödliche Ausschreitungen im Jahr 1985

Tottenham liegt im Norden der britischen Hauptstadt und ist als sozialer Brennpunkt bekannt. Immer wieder schlagen dort Spannungen, bei denen zum Teil auch Rassismus im Spiel ist, in Gewalt um. Die schlimmsten Ausschreitungen brachen 1985 aus, nachdem eine Frau während einer Razzia der Polizei in ihrem Haus an einem Schlaganfall starb. Ein Polizist, der eine Gruppe Feuerwehrmänner schützen wollte, wurde damals von einem wütenden Mob zu Tode geprügelt. Etwa 60 weitere Beamte mussten mit zum Teil schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden.

Etwas mehr als zehn Kilometer von der Londoner Innenstadt entfernt, zählt Tottenham zu den ärmsten Gegenden Großbritanniens. Fast die Hälfte aller Kinder lebt hier Untersuchungen zufolge in Armut. Der Anteil der Ausländer zählt zu den höchsten im ganzen Land. (dapd)

 

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