Nachrichten Deutschland – Sechs Denkmäler für Georg Elser – Ulrich Renz
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Hitler-Attentäter Sechs Denkmäler für Georg Elser

Ulrich Renz

02.11.2009

(gemeinfrei/Klaus-Dieter Keller)
(gemeinfrei/Klaus-Dieter Keller)

Königsbronn – In rund 35 deutschen Städten und Gemeinden sind inzwischen Straßen nach dem Widerstandskämpfer Johann Georg Elser benannt. In sechs Orten Deutschlands stehen oder entstehen Denkmäler, die an den Schreiner von der Schwäbischen Alb erinnern. Vor 70 Jahren, am 8. November 1939, scheiterte er nur knapp mit dem Versuch, Adolf Hitler in München in die Luft zu sprengen. 1945 wurde er nach jahrelanger Haft im Konzentrationslager Dachau ermordet.

Anders als zu früheren Jahrestagen des Attentats im Münchner „Bürgerbräukeller“ wird diesmal mit zahlreichen Veranstaltungen dieses historischen Ereignisses gedacht, denn die Würdigung Elsers ist nach Jahrzehnten der Missachtung und des Verdrängens umfassend. Nun gilt endgültig als gesichert, dass der Handwerker aus Königsbronn, allein und aus eigenem Gewissen, so sehr wie Jahre später nur noch Claus Schenk Graf von Stauffenberg dem Ziel nahe kam, den Diktator auszuschalten und damit „noch größeres Blutvergießen zu verhindern“, wie er selbst nach seiner Verhaftung sagte.

In Stuttgart, wo Ende Oktober ein Symposium unter dem Motto „Ich habe es getan“ stattfand, und in Berlin werden die Leiter der Berliner Gedenkstätte Deutscher Widerstand, die Professoren Peter Steinbach und Johannes Tuchel, Festvorträge bei der Eröffnung von Ausstellungen halten, die Elser gewidmet sind. In Baden-Württembergs Hauptstadt spricht Steinbach am 7. November über das Thema „Dem Ziel denkbar nahegekommen“, in der Bundeshauptstadt steht die Wanderausstellung ab dem 10. November unter dem Wort „Ich habe den Krieg verhindern wollen“.

Deutsche Sonderbriefmarke zum 100. Geburtstag von Georg Elser aus dem Jahr 2003 mit Konterfei und Zitat Elsers "Ich hab den Krieg verhindern wollen". (gemeinfrei/Bwag Wikipedia)
Deutsche Sonderbriefmarke zum 100. Geburtstag von Georg Elser aus dem Jahr 2003 mit Konterfei und Zitat Elsers "Ich hab den Krieg verhindern wollen". (gemeinfrei/Bwag Wikipedia)

In Elsers Heimatort Königsbronn im Kreis Heidenheim ist im November ebenfalls eine Gedenkveranstaltung geplant. In München wird am Jahrestag der Georg-Elser-Preis für Zivilcourage überreicht. Er wird alle zwei Jahre von den Elser-Initiativen im Lande vergeben, diesmal an Beate Klarsfeld, die mit ihrem Mann Serge unermüdlich nach NS-Verbrechern fahndet.

Bis Ende des Jahres sollen Denkmäler in fünf Städten an Georg Elser erinnern, darunter in Berlin, wo in der „Straße der Erinnerung“ im Alt-Moabiter Spreebogen auch schon eine Büste des Widerstandskämpfers steht, in München und in Konstanz, wo seine Flucht in die Schweiz scheiterte. In Freiburg existiert seit 2002 ein Denkmal, das erste überhaupt wurde 1972 in Heidenheim-Schnaitheim eingeweiht. Und im kommenden Jahr wird am Königsbronner Bahnhof eine große Statue den Handwerker bei der Abreise zu seinem Akt des Widerstands zeigen.

Attentat war von falschen Legenden und Gerüchten umgeben

Die Serie der Ehrungen für den Handwerker von der Alb markiert den grundlegenden Wandel, der sich seit Jahren in der Bewertung und Einschätzung von Elser bemerkbar macht. Jahrzehnte war er geächtet, war seine Tat von falschen Legenden und Gerüchten umgeben. Elser, Jahrgang 1903, hatte in über 30 Nächten eine Bombe in eine Säule im Saal des „Bürgerbräukellers“ eingebaut, in dem Hitler jedes Jahr vor „alten Kämpfern“ zur Erinnerung an seinen Putschversuch von 1923 sprach.

Der Sprengkörper explodierte auch zur genau vorbestimmten Zeit, doch Hitler hatte völlig überraschend 13 Minuten zuvor das Lokal verlassen. Acht Menschen, darunter eine Kellnerin, starben, mehr als 60 wurden verletzt. Dass der „Führer“ früher ging, hatte einen einfachen Grund: Er wollte rasch wieder in Berlin sein, um weitere Vorbereitungen für den Feldzug gegen Frankreich zu treffen. Da er wegen Nebels nicht fliegen konnte, musste er seinen Sonderzug erreichen.

Elser wurde noch vor der Explosion in München unmittelbar an der Schweizer Grenze in Konstanz festgenommen und legte Tage später vor der Kriminalpolizei in München ein Geständnis ab. Danach wurde er noch von der Gestapo in Berlin vernommen, das Protokoll darüber wurde in den 60er Jahren entdeckt und 1970 veröffentlicht.

Bis dahin galt Elser als umstritten. Zum einen wirkte die Propaganda der Nationalsozialisten weit über das Jahr 1945 hinaus, die den Attentäter als Werkzeug des britischen Geheimdienstes denunziert hatten. Zum anderen hielt sich die Überzeugung von Gegnern des Regimes, die Nazis selbst hätten den Anschlag inszeniert.

Nach der Veröffentlichung des Protokolls setzte in einem langwierigen Prozess die Rehabilitierung Elsers ein, der inzwischen in Büchern und Filmen, in Vorträgen und Ausstellungen, auch im Ausland, als einer der großen Kämpfer gegen das NS-Regime gewürdigt wird, ein Mann, der die Nationalsozialisten von Anfang an hasste und eine tiefe Abneigung gegen den Krieg hatte. (AP)

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