Vatikan-Stadt - In Rom und der ganzen Welt richten sich die Blicke auf den Vatikan: Der schwer kranke Papst Johannes Paul II. hat Medienberichten zufolge das Bewusstsein verloren. Nach Angaben enger Vertrauter liegt er im Sterben. Doch wie wird der Tod festgestellt und was passiert danach? Gebannt wird die Welt jeden Vorgang zwischen dem Ende eines Pontifikates und dem "Habemus Papam" verfolgen, mit dem ein neuer Papst verkündet wird. Dazwischen liegt die Sedisvakanz, die Zeit, in der der Apostolische Stuhl verwaist ist.
"SCHLÄFST DU?" - DER PAPST IST TOT
Um den Tod eines Papstes festzustellen, war früher ein kleiner Hammer aus Elfenbein nötig. Damit klopfte der Kardinal-Camerlengo, der Kardinalskämmerer der römisch-katholischen Kirche, drei Mal an die Stirn des Papstes und fragte ihn auf Latein, ob er schlafe. Johannes Paul II. schaffte das jahrhundertealte Ritual ab. Nun stellt der Camerlengo im Beisein des Päpstlichen Zeremonienmeisters, der Prälaten und des Sekretärs der Apostolischen Kammer den Tod des Papstes offiziell fest. Der Sekretär stellt die Todesurkunde aus. Der Camerlengo versiegelt das Arbeitszimmer sowie die Privatgemächer des Papstes, vernichtet den päpstlichen Fischerring und das Päpstliche Siegel. Eine Autopsie ist nicht vorgesehen.
Der Kardinalvikar von Rom, Kardinal Camillo Ruini, unterrichtet dann die Römer vom Tod des Papstes. Der Dekan des Kardinalskollegiums, Kardinal Joseph Ratzinger, informiert derweil die Botschafter im Vatikan und die Staats- und Regierungschefs. Doch unabhängig von dieser formalen Prozedur dürfte die Nachricht vom Tod des Papstes vorher bereits über diverse Medienkanäle durchsickern.
NEUN TAGE TRAUER
Der Papst soll neun Tage betrauert werden. Sein Leichnam wird in den Petersdom überführt und dort für die Gläubigen aufgebahrt. Die Bestattung soll nach Wunsch von Johannes Paul II. zwischen dem vierten und dem sechsten Tag stattfinden. Die vergangenen Päpste sind in der Krypta unter dem Petersdom begraben. Eine Treppe an einem Pfeiler nahe der Kuppel des Doms führt in die Grotten hinab.
Während der Stuhl Petri verwaist ist, leitet das Kardinalskollegium die Geschicke der römisch-katholischen Kirche. Sie dürfen allerdings nur die alltäglichen Geschäfte der Kirche führen. Mögliche Versuche, während der Sedisvakanz nachträglich Korrekturen am Kurs des verstorbenen Papstes vorzunehmen oder sonstige Entscheidungen zu treffen, die nur dem Papst obliegen, erklärte Johannes Paul II. von vornherein für nichtig und ungültig.
MACHTKÄMPFE UND DER HEILIGE GEIST - DAS KONKLAVE
Die Kardinäle haben mindestens 15 Tage Zeit, um aus der ganzen Welt zur Papstwahl nach Rom zu strömen. Spätestens 20 Tage nach dem Tod des Papstes jedoch müssen sich alle wahlberechtigten Kardinäle ins so genannte Konklave begeben, um einen neuen Papst aus ihrer Mitte zu wählen. Über den neuen Pontifex dürfen nur die Kardinäle bestimmen, die das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Fernbleiben dürfen sie nur aus schwer wiegendem Grund, der von dem Kardinalskollegium anerkannt werden muss. In feierlicher Chorkleidung ziehen die höchstens 120 Papstwähler singend in das Konklave ein.
Der Name - vom Lateinischen "cum clave" für "mit dem Schlüssel" - ist Programm: Die Kardinäle werden im Vatikan eingeschlossen. Sie dürfen weder Briefe schreiben noch erhalten, nicht telefonieren oder auf andere Art mit Personen kommunizieren, die mit der Wahl nichts zu tun haben. Sie wohnen - nachdem es bei dem vorletzten Konklave Beschwerden über die schlechte Unterbringung und eine in den Zimmern herrschende "Hitze wie im Backofen" gegeben haben soll, nun in einem Gästehaus im Vatikan. Die Wahl selbst findet in der Sixtinischen Kapelle statt und ist streng geheim. Die Räumlichkeiten sind - so wollte es Johannes Paul II. - vor Beginn des Konklave auf technische Geräte zur Aufzeichnung zu untersuchen.
Zwar ist der Ablauf des Konklave bis hin zu den Eidformeln, der Anzahl der pro Tag zulässigen Wahlgänge und der Form der Wahlzettel strengstens geregelt. Über alles andere jedoch müssen die Kardinäle Geheimhaltung schwören. Ob die Vorgänge unter den Fresken Michelangelos dann von Machtkämpfen oder vom Heiligen Geist bestimmt werden, ist Glaubenssache. Den Kardinälen ist es jedenfalls bei Androhung der Exkommunikation verboten, Abkommen oder Verträge zu schließen. Für den Fall, dass doch welche geschlossen werden, sind sie von vornhinein ungültig.
Die einzige Verbindung der Außenwelt zum Konklave ist in dieser Zeit ein kleiner Schornstein über der Kapelle. Steigt daraus schwarzer Rauch auf, erreichte keiner der Kandidaten die notwendige Mehrheit. Erst wenn einer der Kardinäle zwei Drittel der Stimmen plus eine weitere Stimme erreicht, ist der neue Papst gewählt, aus dem Schornstein steigt weißer Rauch auf. Dann eilen die Römer auf den Petersplatz, um dabei zu sein, wenn der erste der Kardinaldiakone dem wartenden Volk mit dem "Habemus Papam - Wir haben einen Papst" - den neuen Pontifex präsentiert.(Reuters)