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Aktuelle Nachrichten – Gesundheit

Seelische Krankheiten sind keine Schande

DAPD

22.11.2006

Berlin – Mit einem „Aktionsbündnis für Seelische Gesundheit“ wollen Mediziner die Stigmatisierung psychischer Krankheiten abbauen. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) gründete das Bündnis am Mittwoch in Berlin unter der Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

Depressionen, Angst- und Alkoholerkrankungen, Schizophrenien und manisch-depressive Erkrankungen zählen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit zu den häufigsten Erkrankungen. Anlässlich des diesjährigen Kongresses der DGPPN betonte ihr Präsident Fritz Hohagen am Mittwoch in Berlin: „Psychische Erkrankungen sind Volkserkrankungen.“ Es gebe es immer bessere Behandlungsmöglichkeiten, aber trotzdem müssten viele Erkrankte noch immer mit Vorurteilen, Ausgrenzung und Diskriminierung leben.

„Es gibt zum Beispiel keinen Bereich in der Medizin, in dem Eltern so häufig Vorwürfe gemacht werden, dass sie schuld sind an der Erkrankung ihrer Kinder“, erklärte Hohagen. Die meisten Menschen wüssten wenig über psychische Erkrankungen, deren Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten. Psychische Erkrankungen seien nach wie vor Tabuthemen.

Vor diesem Hintergrund rief DGPPN das Aktionsbündnis ins Leben. Es will Organisationen und Institutionen vernetzen und regionale Maßnahmen gegen Stigmatisierung und Ausgrenzung verstärken, um vor allem in der Öffentlichkeit die Einstellung gegenüber psychisch Kranken zu verändern. Der parlamentarische Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Rolf Schwanitz, betonte, dass von Anfang an auch Vertreter von Betroffenen und Angehörigen einbezogen werden sollten. „Psychisch kranke Menschen haben ein Recht auf ein selbst bestimmtes Leben und gesellschaftliche Teilhabe“, begründete Schwanitz das Engagement von Ministerin Ulla Schmidt.

Finanziert wird das Aktionsbündnis bislang aus Mitteln der DGPPN, die sich aber auf die Suche nach prominenten Unterstützern und Geldgebern machen will. „Wir werden mit dem Hut rumgehen müssen“, sagte der Vorsitzender des Aktionsbündnisses, Wolfgang Gaebel.

Bessere Vernetzung bei der Behandlung

Der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN), Frank Bergmann, forderte, Ärzte, Therapeuten, Sozialarbeiter und Pflegedienste sollten bei der Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen besser zusammenarbeiten. Das Krankheitsbild sei häufig sehr komplex. Die Krankenkassen hätten hier bisher zu wenig getan. „Bislang genehmigen die Kassen vor allem eher einfache Konzepte für rein körperliche Behandlungen“, kritisierte der niedergelassene Nervenarzt und Psychiater. Durch die vom BVDN vorgeschlagene integrative Versorgung könnten die Patienten nicht nur besser, sondern auch kostengünstiger behandelt werden, weil stationäre Klinikaufenthalte häufig vermieden werden könnten, sagte Bergmann.

http://www.seelischegesundheit.net

http://www.dgppn-kongress.de

http://www.psychiater-im-netz.de

(AP)

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