Aktuelle Nachrichten – Panorama
23.02.2010
Foto: Wetterdienst/AP Photo
Frankfurt/Main (apn) Seit 50 Jahren heißt es immer am Ende der 20-Uhr-“Tagesschau“: „Aus Frankfurt nun die Wettervorhersage für morgen...“ Am 1. März 1960 übernahm der Hessische Rundfunk diese Aufgabe im Senderverbund der ARD. Damals gab es nur ein Fernsehprogramm; das ZDF kam erst 1963 hinzu. In der Dokumentation „Die Wettermacher“ zeigt das Erste nächsten Sonntag die Entwicklung vom Trickfilm mit Klebebuchstaben bis zu den Grafikcomputern von heute.
„Wir sind heute deutlich treffsicherer als vor 50 Jahren“, sagte die Leiterin der hr-Wetterredaktion, Silke Hansen, am Dienstag in Frankfurt. Von Anfang an wirkte der Wetterbericht der „Tagesschau“ wie eine amtliche Verlautbarung. Der Begriff „Wetterkarte“ stammt aus dem „Amtsblatt des Wetteramts Frankfurt in Offenbach am Main“. Das Image wirkt bis heute nach. So verlassen sich Bäckereien auf die Prognose: „Bei regnerischem Wetter werden mehr Sahnetorten gebacken, bei Sonne mehr Kirschstreusel“, sagte Hansen. Das habe eine Konditorin ihr mal erzählt.
In den 50er Jahren gab es noch eine Schiefertafel, auf der ein Meteorologe Hochs und Tiefs und Symbole für Regen und Sonne malte. Der Hessische Rundfunk setzte auf die Tricktechnik: Mitarbeiter legten Klebebuchstaben und -Pfeile sowie Schablonen für Sonne, Regen und Schneefall auf eine durchsichtige Folie. Aus unzähligen einzelnen Bildern entstand so der Trickfilm. Das Ganze dauerte drei Stunden. Gegen 19.00 Uhr wurde der Beitrag zum NDR nach Hamburg überspielt.
Die Texte wurden in den Anfangsjahren unverändert vom Deutschen Wetterdienst übernommen. Einer der früheren Sprecher, Hans-Joachim Scherbening, sagte, seine Kollegen und er hätten oft Tränen gelacht über Ausdrücke im „Meteorologen-Deutsch“. Begriffe, die lange gang und gäbe waren, sind heute ausgemustert. Redaktionsleiterin Hansen nannte als Beispiele „strichweise Regen“, „Störungsausläufer“ und „Störungen“ oder auch „Niederschlag“.
Die Genauigkeit der Vorhersage sei von 85 auf 99 Prozent verbessert worden. „Es passt immer, was wir melden. Nur manchmal kommt es zeitlich anders“, sagte Sprecher Joachim Pütz. Er hat einmal wegen eines „zu flapsigen“ Ausdrucks einen Rüffel bekommen: „Aus Regenwolken hatte ich himmlische Wasserwerfer gemacht.“
Eine einzige Panne habe es in den 50 Jahren für die Zuschauer sichtbar gegeben: Vor vier bis fünf Wochen war statt des Wetterberichts ein schwarzes Bild zu sehen. „Es war der Super-GAU“, sagte Hansen. Dabei gebe es zwei Back-up-Systeme.
Die Wetterredaktion mit 34 Beschäftigten, darunter auch Meteorologen, erstellt die Vorhersagen für alle „Tagesschau“-Ausgaben, außerdem für das „Mittagsmagazin“ und das „Nachtmagazin“. Zu den Kollegen von Jörg Kachelmanns Firma meteomedia, die etwa um 19.50 Uhr und nach den „Tagesthemen“ auf Sendung sind, haben die Frankfurter nach eigenen Angaben keinerlei Kontakt. Dass Kachelmann Sendezeiten der hr-Redaktion übernehmen könnte, sieht Hansen nicht: „Eher das Gegenteil“, sagte sie.
Das hr-Fernsehen begeht das Jubiläum mit einer langen Nacht vom 28. Februar auf den 1. März. Darin ist unter anderem der 90-minütige Film „Ein Wettersatellit hebt ab“ zu sehen. (AP)
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