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27.06.2012
Foto: Axel Schmitt/dapd Photo
Berlin – Es war ein ganz seltener Moment: König Harald von Norwegen sprach vor kurzem öffentlich über seine Gefühle für seine Frau Königin Sonja. Ohne sie wäre sein Leben ganz anders verlaufen, sagte er, und Königin Sonja wischte sich Tränen aus den Augen. Das war bei der gemeinsamen Geburtstagsfeier Ende Mai, obwohl König Harald schon am 21. Februar 75 geworden ist und Sonja erst am 4. Juli 75 wird. Seit 53 Jahren sind sie nun zusammen, und im Unterschied zum schwedischen und dänischen Königshaus ist bei ihnen noch nie etwas von einer Ehekrise bekannt geworden.
Mehr noch, das norwegische Königspaar ist geradezu eine Verkörperung des Begriffs Zusammenhalt: König Harald und Königin Sonja mussten neun Jahre warten, bis Haralds Vater, König Olav, ihrer Heirat zustimmte. In den 60er-Jahren galten noch die strengen Standesregeln, die eine Eheschließung des Thronfolgers mit einer Bürgerlichen ausschlossen.
Sonja wurde am 4. Juli 1937 als Tochter des gut situierten Osloer Kaufmanns Karl Haraldsen und seiner Frau Dagny geboren. Nach der Realschulprüfung 1954 absolvierte sie an der Berufsschule eine Ausbildung zur Schneiderin, besuchte eine höhere Mädchenschule in Lausanne (Schweiz) und machte das Abitur. Sie studierte Sprachen (Französisch und Englisch) und Kunstgeschichte an der Universität Oslo.
Mit dem damaligen Kronprinzen Harald teilt sie die Begeisterung fürs Skifahren. 1959 ereilte Amors Pfeil das sportliche Paar, das seine Liebe eine Zeit lang unbemerkt von der Öffentlichkeit genießen konnte. Doch als die brünette Osloerin immer öfter an der Seite des Thronfolgers auftauchte, beherrschten Spekulationen über eine Hochzeit jahrelang die Schlagzeilen der bunten Blätter.
Allmählich legte sich der Unmut am Hof über die nicht standesgemäße Verbindung. Die Regierung äußerte in Bezug auf die Staatsverfassung keine Bedenken gegen eine Heirat des Thronfolgers mit der Bürgerlichen. Im März 1968 gab König Olav – er war seit 1954 verwitwet – seine Einwilligung nach Konsultationen mit dem Präsidium des Stortings, den Fraktionsvorsitzenden der Nationalversammlung und der Regierung.
Am 29. August 1968 fand die Trauung in der Domkirche zu Oslo statt. Das neue Kronprinzenpaar wurde im ganzen Land begeistert gefeiert. Tochter Märtha Louise wurde am 22. September 1971 geboren und Kronprinz Haakon am 20. Juli 1973.
Sonja engagierte sich besonders für soziale Verbesserungen. So trug sie 1972 zur Einrichtung eines Fonds zur Förderung behinderter Kinder bei, besuchte Menschen, die in Schwierigkeiten geraten waren, und setzte sich für Flüchtlinge in aller Welt ein. 1982 erhielt sie die Nansen-Medaille des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge für ihre Verdienste. Von 1987 bis 1990 war sie Vizepräsidentin des Norwegischen Roten Kreuzes und für die internationale Arbeit zuständig. 2010 besuchte sie das Camp somalischer Flüchtlinge in Dadaab (Kenia).
König Olav erkrankte im Frühjahr 1990 und starb am 17. Januar 1991. Vier Tage später legte er Harald V., der dritte König seit der Unabhängigkeit des Landes von Schweden 1905, den Eid auf die Verfassung ab. Nach 53 Jahren bekam Norwegen wieder eine Königin. Das Königspaar wurde am 23. Juni 1991 im Nidarosdom zu Trondheim entsprechend der Tradition gesegnet.
Die Königin interessiert sich besonders für Kunst und Kultur. Im Jahr 2011 hat sie einen Kunstpreis gestiftet. Sie ist unter anderem Schirmherrin der Nationaloper und des Balletts, des Philharmonischen Orchesters von Oslo sowie von Festivals. Sie ist ausgebildete Skilehrerin und begeisterte Zuschauerin von Ski-Weltmeisterschaften.
Bei ihren regelmäßigen Reisen hat sie immer einen Fotoapparat dabei. Mit ihren Bildern hat sie im Ausland schon für Norwegen als Reiseziel geworben. Ins Visier nimmt sie natürlich auch oft die eigene Familie, vor allem die Enkel.
Das erste Kind des Paares, Prinzessin Märtha Louise, kam am 22. September 1971 zur Welt. Am 20. Juli 1973 wurde der Thronfolger Haakon Magnus geboren. Beide Kinder machten wie die Eltern Schlagzeilen mit nicht standesgemäßen Verbindungen: Märtha Louise verzichtete auf ihren Titel "Königliche Hoheit", um den Skandalschriftsteller Ari Behn heiraten zu können. Das Paar hat drei Töchter. Thronfolger Haakon lernte 1999 die Aushilfskellnerin Mette-Marit Tjessem-Höiby kennen, die Verbindungen zum Drogenmilieu hatte und alleinerziehende Mutter eines Sohns war. Die 2004 geborene Tochter Ingrid Alexandra wird eines Tages nach Haakon den Thron besteigen.
(dapd)
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