Sport News - Aktuelle Sport Nachrichten – Seit fünf Jahren ist „Jogi“ Löw Bundestrainer – Gregor Derichs und Stefan Tabeling
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Eine Erfolgsgeschichte Seit fünf Jahren ist „Jogi“ Löw Bundestrainer

Gregor Derichs und Stefan Tabeling

15.08.2011

Löw führte die deutsche Elf zu 48 Siegen bei elf Unentschieden und nur zehn Niederlagen, 2008 zur Vize-Europameisterschaft und 2010 zum dritten WM-Platz. Foto: Daniel Kopatsch/dapd Photo
Löw führte die deutsche Elf zu 48 Siegen bei elf Unentschieden und nur zehn Niederlagen, 2008 zur Vize-Europameisterschaft und 2010 zum dritten WM-Platz.

Foto: Daniel Kopatsch/dapd Photo

Düsseldorf/Freiburg – Seit fünf Jahren ist Joachim Löw der oberste Fußball-Lehrer der Republik. Am 16. August 2006 trat der 52-Jährige mit dem Länderspiel in Gelsenkirchen gegen Schweden die Nachfolge von Jürgen Klinsmann als Bundestrainer an und avancierte seitdem in 69 Spielen zum erfolgreichsten Chef der Nationalmannschaft in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Löw führte die deutsche Elf zu 48 Siegen bei elf Unentschieden und nur zehn Niederlagen, 2008 zur Vize-Europameisterschaft und 2010 zum dritten WM-Platz.

Den Durchschnitt von 2,25 Punkten pro Partie hat keiner der neun Vorgänger seit Otto Nerz erreicht. Als "perfekte Partnerschaft", bezeichnet DFB-Präsident Theo Zwanziger die Zusammenarbeit, die allerdings nicht immer störungsfrei war, weil der badische "Mr. Cool" keineswegs so soft, ist wie er manchmal wirkt. Dem kleinen Dienstjubiläum gewinnt der gebürtige Schwarzwälder nicht einmal ein müdes Lächeln ab. Die Frage, ob es etwas Besonderes für ihn ist, amüsiert ihn eher. Bei einem, der noch nicht einmal aus seinem 50. Geburtstag viel Aufhebens macht, ist das verständlich.

Bei der Klausur, zur der Löw die Teamleitung der Nationalmannschaft zum Beginn dieser Woche einberufen hat, geht es vor allem um die Zukunft. Die Europameisterschaft 2012 mit den noch ausstehenden drei Qualifikationsspielen und attraktiven Testbegegnungen wird detailliert geplant.

Um Löws Vertrag bis 2014 gab es Streit

Für das Ziel, wie der Welt- und Europameister Spanien nach den Niederlagen bei den letzten WM- und EM-Endrunden im nächsten Jahr zu entthronen ist, wird ein Maßnahmenkatalog entworfen. Schon im August 2006 erklärte Löw, sein Anspruch sei es, den dreimaligen Welt- und dreimaligen Europameister Deutschland zu weiteren Titeln zu führen. Dies wäre aber ein langfristiges Projekt, betonte er, obwohl sein Vertrag jeweils nur in einem Zwei-Jahres-Rhythmus verlängert worden war. Noch vor einem Jahr stand seine Weiterbeschäftigung in Frage, weil Löw wegen Dissonanzen bei den Verhandlungen des schließlich bis 2014 verlängerten Kontrakts schwer verstimmt war.

"Ich werde das Konzept, das wir erarbeitet haben, mit Konsequenz, Strenge und Hartnäckigkeit weiterführen", sagte der Freiburger, als er vor fünf Jahren vorgestellt wurde. Bereit, den Job zu übernehmen, war er erst, als Klinsmann erklärt hatte, nach nur zwei Jahren aufzuhören. Unter ihm hatte sich Löw als Assistenztrainer profiliert. Dass es danach oft hieß, er habe schon vorher die wichtige Arbeit mit dem Team geleistet, hat Klinsmann danach länger geärgert. Sportliche Ratschläge holte sich Löw bei seinem früheren Chef nie. Er gilt selbst als sehr guter Taktiker mit einem anspruchsvollen Konzept sowie guter Trainingsarbeit und zudem als langfristig planender Stratege, wobei ihm der Schweizer Urs Siegenthaler eine größere Hilfe ist als sein Assistent Hansi Flick.

In fünf Jahren testete Löw 46 Debütanten

Löw, der sich in der Schweiz ausbilden ließ, ehe er im Jahr 2000 einen Kurzlehrgang zum Fußball-Lehrer im DFB absolvierte, stieg innerhalb von 14 Jahren vom Jugendtrainer im deutsch-schweizerischen Grenzbereich zum Bundestrainer auf. In dem Amt gab er sich so experimentierfreudig wie Klinsmann, dessen Verdienste um zwischen 2004 bis 2006 vollzogene Reformen er betont. Beim 3:0 gegen Schweden am 16. August ließ er Malik Fathi (heute Mainz) und Manuel Friedrich (heute Leverkusen) zu ihren Debüts kommen. Es folgte die sehr hohe Zahl von 44 weiteren Neulingen, die Löw auf ihre Eignung testete.

Im DFB-Umfeld wird Löw wegen seiner klaren Art gelobt. Die manchmal laut werdende Behauptungen, er wäre zu weich gegenüber den Ich-AGs der Profis, weisen seine Mitarbeiter zurück. Dabei gibt sich Löw meist freundlich und charmant, an seinen Entscheidungen lässt er aber keine Zweifel aufkommen. "Er ruht in sich selbst. Er löst alle Situationen mit Ruhe, Witz und Gelassenheit", sagt DFB-Mediendirektor Harald Stenger, der vorher mit Klinsmann und Teamchef Rudi Völler arbeitete.

Umstrittene Personalentscheidungen

Sehr emotional reagieren kann Löw jedoch auch. Bei der EM gegen Österreich handelte er sich einen Platzverweis ein und musste sich das Viertelfinale gegen Portugal aus der VIP-Lounge ansehen. Einige seiner personellen Entscheidungen waren umstritten, zuletzt im Fall von Michael Ballack, der Löw auch den Vorwurf machte, in der Frage seines Karriereabschlusses überhaupt nicht klar und eindeutig gewesen zu sein. Die Sache mit Torsten Frings war fast ebenso kompliziert, bei Kevin Kuranyi täuschte Löw eine Comeback-Möglichkeit nach einer Fahnenflucht des früheren Schalkers zur Halbzeit des Russland-Spiels nur an.

Mit DFB-Sportdirektor Matthias Sammer stritt er sich so lange um Kompetenzen, bis Zwanziger erklärte, der oberste Chef sei natürlich der Bundestrainer. Beim DFB weiß man, dass der nicht ganz pflegeleichte Löw zweifellos ein Glücksgriff für den Verband ist. In der Reihe prominenter Vorgänger wie Herberger, Schön, Beckenbauer und Vogts, die das DFB-Team zu Titeln führten, macht er eine gute Figur.

(dapd)

 

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