Aktuelle Nachrichten – International
06.07.2008
Kabul – In Nordafghanistan ist ein Fahrzeug deutscher Polizeiausbilder am Sonntag Ziel eines Anschlags geworden. Unter den insgesamt sieben Verletzten waren drei Ausbilder und ihr afghanischer Dolmetscher, wie eine Sprecherin der EU-Polizeimission in Afghanistan, Andrea Angeli, erklärte.
Die deutschen Ausbilder waren nach Angaben der Sprecherin in einem gepanzerten Fahrzeug im Norden der Provinz Kundus unterwegs, als ganz in der Nähe ein Auto explodierte. Ein Sprecher des Gouverneurs von Kundus sagte, auch drei vorbeigehende Schulmädchen hätten Verletzungen erlitten.
Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums in Berlin sagte der AP, bei dem Anschlag auf das EUPOL-Fahrzeug fünf Kilometer südöstlich von Kundus seien nur zwei Polizeiausbilder leicht verletzt worden. Sie seien vor Ort versorgt worden und würden vermutlich in das Bundeswehrlazarett in Kundus gebracht. Es sei noch nicht klar, ob es sich um eine Sprengfalle oder einen Selbstmordanschlag gehandelt habe.
Die US-Streitkräfte meldeten unterdessen Luftangriffe auf zwei Fahrzeuge in Ostafghanistan, in denen Aufständische unterwegs gewesen seien. Der Gouverneur von Nuristan, Tamin Nuristani, sagte, bei den Angriffen im Bezirk Waigal seien am Freitag 15 Zivilpersonen getötet und sieben verletzt worden, darunter eine Frau und ein Kind. Das Verteidigungsministerium erklärte am Sonntag, bis zu 20 Aufständische seien bei dem Luftangriff verletzt oder getötet worden. Ein Sprecher der US-geführten Koalition erklärte, es seien ausschließlich Aufständische getroffen worden. Präsident Hamid Karsai ordnete eine Untersuchung an.
Bei einem möglichen zweiten Zwischenfall wurden nach Angaben eines Bezirkspolitikers in der Provinz Nangarhar bei einem Bombenangriff bis zu 35 Menschen getötet, die am Sonntag auf dem Weg zu einer Hochzeit waren. Er berief sich auf Berichte von Dorfbewohnern. Die US-geführte Koalition erklärte, bei einem Angriff in Nangarhar seien mehrere Aufständische getötet worden. Berichte über Zivilpersonen unter den Opfern lägen nicht vor.
In der Provinz Helmand wurden nach Polizeiangaben zehn Taliban-Kämpfer getötet, als eine Bombe vorzeitig explodierte. In Südafghanistan ermordeten Aufständische einen Abgeordneten. Ein Ratsmitglied der Provinz Kandahar, Bismullih Afghanmul, erklärte, der Parlamentarier Habibullah Dschan sei am Freitagabend im Bezirk Schari von Bewaffneten getötet worden. Dschan war in dem seit zwei Jahren zwischen kanadischen Soldaten und den Taliban umkämpften Gebiet Militärkommandeur, bevor er ins Parlament einzog.
Bericht: Entführer deutscher Geiseln in Afghanistan getötet
Der mutmaßliche Entführer von zwei Deutschen in Afghanistan ist einem Bericht zufolge bei einem Einsatz der US-Streitkräfte getötet worden. Der Mann soll nach Erkenntnissen deutscher und afghanischer Behörden im Juli vergangenen Jahres die beiden Ingenieure Rudolf Blechschmidt und Rüdiger Diedrich entführt haben. „Spiegel Online“ berichtete am Samstag, die Taliban hätten den Tod von Nissam Udin alias Mullah Nissam bestätigt. Er sei zusammen mit zwei Freunden am Freitag bei einem Luftangriff getötet worden, hieß es.
Die deutsche Botschaft in Kabul und das Auswärtige Amt in Berlin konnten den Tod des Entführers laut dem Bericht zunächst nicht bestätigen. Diederich wurde bei der Geiselnahme in der Provinz Wardak getötet, Blechschmidt kam im Herbst nach fast drei Monaten Gefangenschaft frei. (AP)
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