Nachrichten Deutschland – Sicherung des Atommülls in Asse wird zum Wettlauf mit der Zeit – Verena Schmitt-Roschmann
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126.000 Fässer Strahlenmüll Sicherung des Atommülls in Asse wird zum Wettlauf mit der Zeit

Verena Schmitt-Roschmann

02.09.2008

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel zeigt auf einer Pressekonferenz in Berlin am Dienstag, 2. September 2008 während der Vorstellung eines Statusbericht zum Forschungsbergwerk Schachtanlage Asse in Niedersachsen, einen Zeitungsartikel. In dem Forschungsbergwerk wurden Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für die Endlagerung radioaktiver Abfälle in Salzstöcken durchgeführt und bis Ende der 70er Jahre auch radioaktiver Abfall eingelagert. (AP Photo/Markus Schreiber)
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel zeigt auf einer Pressekonferenz in Berlin am Dienstag, 2. September 2008 während der Vorstellung eines Statusbericht zum Forschungsbergwerk Schachtanlage Asse in Niedersachsen, einen Zeitungsartikel. In dem Forschungsbergwerk wurden Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für die Endlagerung radioaktiver Abfälle in Salzstöcken durchgeführt und bis Ende der 70er Jahre auch radioaktiver Abfall eingelagert. (AP Photo/Markus Schreiber)

Berlin – Angesichts dramatischer Missstände im Atomlager Asse droht nun ein Wettlauf mit der Zeit, um den strahlenden Müll doch noch zu sichern. Dies betonte das Forschungsministerium am Dienstag in Berlin. Derzeit ist aus Sicht von Umweltminister Sigmar Gabriel die Sicherheit der 126.000 Fässer Strahlenmüll in dem ehemaligen Bergwerk – darunter auch geringe Mengen Plutonium und Kernbrennstoffe – jedenfalls nicht garantiert.

„Sie können sagen, dass die Sicherheit nirgends nachgewiesen ist“, sagte Gabriel. Asse sei „die problematischste kerntechnische Anlage, die wir in Europa finden“. Er bezeichnete die Missstände als „GAU“ für die Debatte um ein offizielles Endlager für hochradioaktiven Müll.

„Unglaublicher Vorgang“

Gabriel bezog sich auf einen neuen Statusbericht zum Zustand der des einsturzgefährdeten einstigen Salzbergwerks bei Wolfenbüttel in Niedersachsen. Dort waren zwischen 1967 und 1978 zu Forschungszwecken 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Atomabfällen eingelagert worden. Seit Jahrzehnten strömt Wasser in das Bergwerk, wo sich inzwischen verstrahlte Laugen sammeln.

Gabriel bestätigte, dass sich in der Asse auch rund neun Kilogramm Plutonium befinden sowie Material, das offiziell als „Kernbrennstoff“ klassifiziert ist. Einige Atomfässer wurden Gabriel zufolge bereits bei der Einlagerung beschädigt, einige sind inzwischen durchgerostet.

Der Bericht habe die Befürchtungen über den Zustand der Asse bestätigt, sagte Gabriel. Er habe schwerwiegende Mängel beim Betreiber – dem Helmholtz-Zentrum München – und bei der Aufsicht – dem Landesamt für Bergbau in Niedersachsen – aufgedeckt.

Zeit ist knapp

Der vom Forschungsministerium beschriebene Zeitdruck entsteht dadurch, dass Experten einen Einsturz des Bergwerks ab 2014 befürchten. Möglicherweise könne die Sicherheit durch Baumaßnahmen noch fünf bis zehn Jahre länger gewährleistet werden, sagte Forschungs-Staatssekretär Frieder Meyer-Krahmer. In jedem Fall sei die Frist für eine Lösung äußerst knapp.

Als Lösungsoptionen zur Debatte stehen eine gezielte Flutung des gesamten Atomlagers, ein Zuschütten oder auch die Rückholung des Mülls oder eines Teils davon. Dies könnte aber bis zu drei Milliarden Euro kosten und bis zu 25 Jahre dauern.

Betreiberwechsel erwogen

Am Donnerstag wollen Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) und Gabriel zunächst beraten, ob das Helmholtz-Zentrum Betreiber bleibt oder stattdessen das Bundesamt für Strahlenschutz die Asse übernimmt. Auch Schavan schließt laut „Handelsblatt“ eine solche Übernahme nicht mehr aus. Damit ginge die Verantwortung für das Forschungsbergwerk aus ihrem Ministerium auf das Umweltministerium über.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) zeigte sich in Hannover ebenfalls offen für einen Betreiberwechsel. Auch der Sprecher des Helmholtz-Zentrums, Heinz-Jörg Haury, sagte: „Wir sind gar nicht böse drum, wenn das da einen anderen Betreiber bekommt.“

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast stellte nach ARD-Angaben Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen die Verantwortlichen des Atomlagers Asse. Wissenschaftler hätten dort „jahrelang gemeingefährliche Straftaten begangen“, sagte sie dem ARD-Hauptstadtstudio. Zudem forderten die Grünen die Minister auf, dem Betreiber angesichts seiner „erschreckenden Fehler“ sofort die Verantwortung zu entziehen. Auch die FDP ist dafür. Die Linke sprach von „unfassbaren Zuständen“ in der Asse. Greenpeace zog den Schluss: „Die Lagerung von Atommüll in Salzstöcken ist gescheitert.“

http://www.bmu.bund.de/ (AP)

 

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