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Siemens-Aufsichtsratschef Pierer will „kompromisslos aufräumen“

DAPD

24.11.2006

Verwaltungsgebäude in München (AP Photo/Uwe Lein)
Verwaltungsgebäude in München (AP Photo/Uwe Lein)

München – Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer sieht das Unternehmen durch die Korruptionsaffäre in seinen Grundlagen gefährdet und hat deshalb eine kompromisslose Aufklärung der Vorwürfe angekündigt. Zusammen mit Vorstandschef Klaus Kleinfeld schrieb Pierer am Freitag in einem Brief an die Mitarbeiter: „Kein Mitarbeiter, kein Manager kann sich darauf berufen, er habe nicht gewusst, was in unserem Hause in Sachen Verhaltensethik erwartet wird.“

Die Münchner Justiz hat sechs Siemens-Angestellte wegen des Verdachts der Untreue verhaftet und prüft, ob schwarze Kassen mit 200 Millionen Euro für Schmiergeldzahlungen eingerichtet wurden. „In einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft München ist in diesem Zusammenhang sogar von 'Bandenbildung' die Rede. Wir halten es nicht für übertrieben, wenn wir feststellen, dass es hier um die Fundamente unseres auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Unternehmens geht“, erklärten Pierer und Kleinfeld. Jetzt müsse ein Ruck durch das Unternehmen gehen und es wieder nach vorne bringen: „Dazu müssen wir kompromisslos aufräumen“, kündigte die Siemens-Spitze an.

Die Glaubwürdigkeit von Siemens' gesellschaftlicher Verantwortung sei bedroht. „Da kann es keine Kompromisse geben“, betonten Pierer und Kleinfeld. Sie wollten jede Art von Aufklärung unterstützen und „alles daran setzen, dass die Dinge in Ordnung kommen“. Die schlimmen Nachrichten über immer neue Einzelheiten aus den Ermittlungen richteten großen Schaden an.

Liechtenstein ermittelt wegen Bestechung bei Telekom-Geschäften

Nach ersten Ermittlungen sollen hohe Siemens-Mitarbeiter der Telekommunikations-Sparte Com 200 Millionen Euro Konzerngelder veruntreut haben, um damit schwarze Kassen im Ausland zu füllen. Staatsanwälte in München sowie in Österreich, Italien und der Schweiz prüfen, ob aus diesen Töpfen Schmiergeld für Aufträge in Griechenland, Nigeria und anderen Ländern gezahlt wurde.

Die Liechtensteiner Justiz teilte auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP am Freitag mit, sie ermittle seit Ende November 2004 gegen zwei ehemalige Siemens-Mitarbeiter und zwei weitere Personen wegen Verdachts der Untreue, Geldwäsche und Bestechung. „Beim Vorwurf der Bestechung, geht es um Zahlungen im Zusammenhang mit Geschäften der Siemens AG im Bereich Telekommunikation in Asien, Afrika und Europa“, erklärte der Leitende Staatsanwalt Robert Wallner.

Siemens habe erklärt, nicht geschädigt zu sein, und die Einstellung des Strafverfahrens gegen die vier Verdächtigen verlangt. Nach heutigem Erkenntnisstand seien in diesem Zusammenhang 7,6 Millionen Euro über Konten in Liechtenstein transferiert worden.

Die „Süddeutsche Zeitung“ (Samstagausgabe) berichtete unterdessen, dass auch die Konzernspitze über die mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen informiert gewesen sein soll. Dies gehe auf eine Aussage eines langjährigen Mitarbeiters zurück, der in Untersuchungshaft sitzt. Demnach kannte ein früheres Vorstandsmitglied die schwarzen Kassen und die weltweiten Korruptionspraktiken des Konzerns.

Der laut dem Bericht auf diese Weise Beschuldigte wechselte vor wenigen Monaten an die Spitze eines anderen Unternehmens. Laut „Süddeutscher Zeitung“ wollte er keine Stellungnahme zu den Vorwürfen abgeben.

(AP)

 

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