Nachrichten Deutschland – Skandal um Bau-Pfusch wird immer größer – Hendrik Klein
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Kölner U-Bahn Skandal um Bau-Pfusch wird immer größer

Hendrik Klein

12.02.2010

Köln (apn) Der Skandal um Pfuschereien beim Kölner U-Bahn-Bau nimmt immer größere Dimensionen an. Weil an einigen Haltestellen in der Innenstadt wichtige Stahlbügel zur Stabilisierung der Grubenwände fehlen, prüft die Staatsanwaltschaft nun die Aufnahme vom Ermittlungen wegen Baugefährdung.

Bauarbeiter sollen die Stahlstücke gestohlen und an Schrotthändler verkauft haben. Laut Stadt besteht dennoch keine Gefahr, dass Gruben kollabieren und angrenzende Häuser ähnlich wie beim Einsturz des Stadtarchivs vor knapp einem Jahr mit in die Tiefe reißen könnten.

Die Menschen könnten sich sicher fühlen, erklärte Stadtdirektor Guido Kahlen am Freitag. Dies hätten aktuelle Berechnungen und Prüfungen von Gutachtern ergeben. Auch die Rosenmontagszüge könnten ohne Beeinträchtigung stattfinden.

Einen Bericht des „Spiegels“, wonach die Stadt Ende Januar kurzzeitig eine großräumige Räumung der Innenstadt erwogen haben soll, wies der Stadtdirektor von sich. Als bekanntgeworden sei, dass an der Haltestelle am Waidmarkt Eisenstangen nicht wie vorgesehen verbaut worden seien, habe man lediglich überlegt, den Fuß- und Radweg an der Baugrube zu sperren. Auch diese Pläne seien aber schnell wieder verworfen worden, weil ein Gutachter die Standfestigkeit der Baustelle nicht als gefährdet ansah.

Mehr Mängel als bislang bekannt

Am Donnerstag war bekanntgeworden, dass die Mängel beim Bau der Kölner U-Bahn nicht allein den Waidmarkt betreffen, wo das Stadtarchiv am 3. März vergangenen Jahres eingestürzt war. An der Haltestelle Heumarkt sind nach Angaben der Stadt zum Teil nur 17 Prozent der eigentlich vorgesehenen Stahlbügel in den Schlitzwänden der Baugrube eingegossen worden. Auch bei der U-Bahn-Baustelle am Rathaus gehe man aufgrund der Ermittlungserkenntnisse der Staatsanwaltschaft von einer ähnlichen Situation aus, hieß es in einer Mitteilung der Stadt. Die Bügel dienen als Verstärkung in den Schlitzwänden, die die Baugrube sichern.

Die Staatsanwaltschaft Köln hatte Ende Januar gegen zwei Bauverantwortliche des Kölner U-Bahn-Baus ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugs und Unterschlagung eingeleitet. Sie sollen auf Weisung eines Poliers Eisenbügel gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft haben, statt sie in die Außenwände des Bahn-Schachts nahe des Historischen Stadtarchivs einzubauen.

Als Ursache für den Einsturz des Gebäudes am 3. März vergangenen Jahres gilt dieser Pfusch am Bau nach Angaben der Ermittler aber nicht. Unabhängig davon würden nun jedoch Ermittlungen wegen einer möglichen Baugefährdung durch die Mängel geprüft, sagte ein Sprecher.

Qualitätskontrolle versagt

Der technische Geschäftsführer der in einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE) verbundenen U-Bahn-Baufirmen, Jochen Keyfberg, erklärte, es sei noch völlig unklar, warum die fehlenden Stahlbögen bei der Qualitätskontrolle durch den Bauleiter der ARGE und der Bauüberwachung nicht aufgefallen seien. „Wir sind noch mitten in der Aufklärung“, betonte er. Auch würden weitere Berechnungen durchgeführt, um die Auswirkungen von Hochwasser und dem damit einhergehenden steigenden Grundwasserpegel auf die Baustellen abzuklären. Vorsorglich würden in die Baugrube am Heumarkt nun zusätzliche Stahlversteifungen angebracht.

Bei dem Einsturz des Stadtarchivs starben zwei Menschen; zahllose wertvolle Unterlagen, Briefe und Fotos wurden verschüttet. Die Stadt bezifferte den Gesamtschaden auf mindestens eine halbe Milliarde Euro. Die Restaurierungsarbeiten dürften nach Einschätzung noch bis zu 50 Jahre dauern. (AP)

 

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