China News - Gesellschaft – Skandal um verseuchte Babymilch in China wochenlang vertuscht – Joe McDonald
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Chemikalie in Säuglingsnahrung Skandal um verseuchte Babymilch in China wochenlang vertuscht

Joe McDonald

14.09.2008

Fünfzehn Monate alt ist Tian Yaowen aus der Provinz Henan und leidet an Nierensteinen als Folge von verseuchtem Milchpulver. (AP Photo)
Fünfzehn Monate alt ist Tian Yaowen aus der Provinz Henan und leidet an Nierensteinen als Folge von verseuchtem Milchpulver. (AP Photo)

Peking – Trotz der Erkrankung hunderter Säuglinge hat der größte chinesische Babymilch-Produzent wochenlang einen Skandal um verseuchtes Milchpulver vertuscht. Wie am Wochenende bekannt wurde, wusste die Konzernführung spätestens seit Anfang August über die Verunreinigung Bescheid. Doch erst am Donnerstag wurde das Produkt zurückgerufen. Das Gesundheitsministerium unterstellte dem Hersteller Sanlu betrügerische Absicht.

Dem Milchpulver sei die Chemikalie Melamin möglicherweise absichtlich beigemischt worden, um einen höheren Proteingehalt vorzutäuschen, sagte Gesundheitsminister Gao Qiang am Samstag. Mindestens 432 Säuglinge erkrankten deswegen an Nierensteinen. Ein Baby starb dem Vernehmen nach.

Gao sagte, der Staat werde die Kosten für die Behandlung der betroffenen Kinder übernehmen. Die Hauptverantwortung für den Skandal trage die Sanlu-Gruppe. Es seien 19 Personen festgenommen worden, 78 weitere würden befragt, um herauszufinden, wie das Melamin ins Milchpulver gelangt sei. Die Chemikalie enthält Stickstoff, dessen Gehalt bei Proteintests gemessen wird. Die Beimischung von Melamin in Lebensmitteln sei nach chinesischem Recht verboten, betonte Gao.

Ermittlungen sollen nun ergeben, wer für die Vertuschung des Skandals verantwortlich ist. Die Behörden wurden nach eigenen Angaben erst am Montag informiert, obwohl interne Untersuchungen des Herstellers offenbar bereits Anfang August nachgewiesen hatten, dass das Milchpulver mit Melamin verunreinigt war. Einem Zeitungsbericht zufolge gingen erste Beschwerden von Verbrauchern sogar schon im März ein. Seit Mitte Juli wurde nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua dann mehrfach über Nierenprobleme bei Babys berichtet, ohne dass die Behörden etwas unternommen hätten.

Die neuseeländische Molkereigenossenschaft Fonterra, die 43 Prozent der Anteile an der Sanlu-Gruppe hält, erklärte am Sonntag, sie habe das Unternehmen bereits vor sechs Wochen zu einem Rückruf gedrängt. Das Direktorium sei am 2. August über die Verunreinigung des Milchpulvers informiert worden. Seit diesem Tag habe Fonterra gefordert, den Verkauf des Produkts zu stoppen.

Auch Taiwan betroffen

Auch in Taiwan wurden inzwischen tausende Packungen der betroffenen Babynahrung aus den Regalen genommen. Sanlu lieferte nach Behördenangaben im Juni 25.000 Kilogramm Milchpulver nach Taiwan. Sichergestellt wurden zunächst nur knapp 10.000 Kilogramm. Abgesehen davon sei das verseuchte Produkt nicht ins Ausland exportiert worden, sagte Gesundheitsminister Gao.

Immer wieder haben Lebensmittelskandale in China in letzter Zeit für Schlagzeilen gesorgt. Die jüngste Affäre ist ein herber Rückschlag für die Bemühungen der Behörden um strengere Qualitätskontrolle und mehr Produktsicherheit. (AP)

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