Bangkok/Berlin – Die Veröffentlichung des dritten Teils des UN-Klimaberichts hat die Politik unter massiven Handlungsdruck gesetzt. Der am Freitag in Bangkok verabschiedete Berichts stellt fest, dass die Klimakatastrophe mit sofortigem Umlenken und relativ geringem finanziellen Aufwand noch abgemildert werden kann. „Wir können das Thema anpacken, ohne die Weltwirtschaft zu zerstören“, sagte der Leiter des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, in Berlin. Die Bundesregierung sieht den Bericht als Aufbruchsignal, die Erderwärmung schnell zu stoppen.
Nach zähem Ringen einigten sich die Delegierten der Konferenz des Weltklimarats (IPCC) am frühen Freitagmorgen (Ortszeit) auf den abschließenden Wortlaut des Berichts. Darin heißt es, dass genügend Geld und Technologie vorhanden seien, um die schlimmsten Auswirkungen der Erderwärmung noch zu verhindern. Bis 2015 muss sich der Ausstoß von Treibhausgasen bei 445 ppm stabilisieren, damit die globale Erwärmung nicht über den gefährlichen Wert von zwei Grad steigt. Ein Anstieg um zwei Grad könnte allerdings immer noch dazu führen, dass im Jahr 2050 bis zu zwei Milliarden Menschen von Wasserknappheit bedroht sind.
Die Minimalziele zum Klimaschutz können dem UN-Klimabericht zufolge bis 2030 mit weniger als drei Prozent des globalen Sozialprodukts erreicht werden. Laut dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung haben mehrere internationale Studien nachgewiesen, dass sogar weniger als 1 Prozent des globales Bruttosozialprodukts nötig wäre. Wenn allerdings nichts getan wird, könnten laut einem früheren Bericht die jährlichen Kosten des Klimawandels zwischen fünf und 20 Prozent des globalen Sozialprodukts liegen.
Der 2.000 Wissenschaftler, die den dritten Teil des UN-Klimareports erstellten, plädieren unter anderem für den raschen Einsatz von Biokraftstoffen und erneuerbaren Energien, spritsparende Autos, eine stärkere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und eine größere Energieeffizienz. Zum Streitpunkt Atomenergie heißt es, diese könne von einem Anteil an der Stromversorgung von 16 Prozent im Jahr 2005 auf 18 Prozent 2030 steigen. De Boer erklärte, in jedem der verschiedenen Szenarien zum Erreichen der Klimaschutzziele spiele die Atomenergie eine Rolle. Allerdings verweist der Bericht auch auf die Probleme bei Sicherheit und Entsorgung.
Der deutsche Leiter des UN-Umweltprogramms UNEP, Achim Steiner, bezeichnete den Klimabericht in Berlin als „weiteren wichtigen Meilenstein“. EU-Umweltkommissar Stavros Dimas erklärte in Brüssel, der Bericht zeige auf, dass die Möglichkeiten für ein Umsteuern da seien. „Daher gibt es keine Entschuldigung für Warten.“
Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte es entscheidend, in vier Wochen beim G8-Gipfel in Heiligendamm zu Fortschritten zu kommen und dann auch zum Jahresende beim UN-Klimagipfel auf Bali. Umweltminister Sigmar Gabriel sagte: „Wir haben keine Zeit zu verlieren.“
Die deutschen Umweltverbände drängten ebenfalls zu schnellem Handeln. „Die Zeit der Lippenbekenntnisse ist vorüber“, erklärte der WWF Deutschland. Greenpeace betonte, jeder könne aus dem Bericht ersehen, dass die nötige Reduzierung der Treibhausgase technologisch machbar und finanzierbar sei.
Die Unionspolitikerin Katherina Reiche betonte, die ambitionierten Klimaziele in Deutschland und Europa müssten mit Leben erfüllt werden. FDP-Umweltpolitiker Michael Kauch unterstrich, wie wichtig Energieeffizienz und erneuerbare Energien seien. Für den Übergang müsse zudem die Laufzeit deutscher Atomkraftwerke verlängert werden. Die Grünen forderten unter anderem einen Aktionsplan zur Energieeffizienz und ein Gesetz zur Förderung von Ökowärme. (AP)
Deutschland soll Musterland für den Klimaschutz werden
(03.05.2007)
Klimaschutz schont auch den Geldbeutel
(03.05.2007)
Greenpeace prangert Abholzung der Wälder in Indonesien an
(03.05.2007)
Merkel und Barroso eröffnen EU-Meereskonferenz
(02.05.2007)