Aktuelle Nachrichten – Europa
17.10.2011
Foto: AP Photo/Yoan Valat
Paris – François Hollande gegen Nicolas Sarkozy: Auf dieses Szenario können sich die französischen Wähler bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr einstellen, nachdem die Sozialisten ihren Exparteichef Hollande zum Herausforderer des konservativen Staatschefs kürten. Nach Auszählung von mehr als 2,3 Millionen der rund 2,7 Millionen Stimmen setzte sich Hollande in der Stichwahl vom Sonntag mit 56 Prozent gegen die Parteivorsitzenden Martine Aubry durch.
Er registriere, welche Sorgen um die Zukunft die Menschen umtrieben, erklärte Hollande in der Nacht zum Montag. Dazu zählten die Unruhen in der Finanzwelt, die Exzesse der Globalisierung, Unzulänglichkeiten Europas und Angriffe auf die Umwelt, sagte er. In seinem Programm zielt Hollande auf stärkere Ausgaben für die Bildung, Anreize für Unternehmen, junge Menschen einzustellen und eine Reduzierung des Staatsdefizits. Außenpolitisch bleibt das Programm vage, schlägt aber einen "Pakt" mit Deutschland vor, das europäische Projekt voranzutreiben.
Bereits im ersten Wahlgang lag Hollande vor Aubry. Zuletzt hatte er Unterstützungserklärungen von den übrigen vier im ersten Wahldurchgang gescheiterten Kandidaten erhalten. Aubry räumte noch am Sonntagabend ihre Niederlage ein. "Ich gratuliere François Hollande, der klar vorn liegt, wärmstens."
Hollande rief die französische Linke auf, sich bei den Präsidentenwahlen im April hinter ihm zu vereinen. Der Sieg in den Vorwahlen gebe ihm Kraft und Legitimität für die erwartete Konfrontation, sagte der 57-Jährige.
Die innerparteiliche Vorwahl in diesem Jahr – die erste derartige - sollte helfen, Uneinigkeiten der letzten Jahre beizulegen, und den Sozialisten einen Sarkozy-Herausforderer mit starkem Rückhalt zu garantieren. Sie hoffen auf den ersten Sieg der Sozialisten seit 1988.
Im ersten Wahldurchgang waren mehr als 2,6 Millionen Stimmen abgegeben worden. Neben Parteimitgliedern sind auch Sympathisanten unter gewissen Vorbedingungen wahlberechtigt.
Die derzeitige Parteivorsitzende Aubry ist vor allem für das von ihr vorangetriebene Gesetz für die 35-Stunden-Woche in den 1990ern bekannt. Ihr Vorgänger Hollande ist der ehemalige Lebensgefährte der vorigen Präsidentschaftskandidatin der Sozialisten, Ségolène Royal, und gilt als Verfechter einer stärken Integration mit Europa. Hollande wird als Moderater gesehen, während Aubry wiederholt ihre Hoffnung nach einer "starken Linken" ausgedrückt hatte, um Sarkozy herauszufordern.
Jüngste Umfragen geben einem sozialistischen Kandidaten gute Chancen, die Wahl im Frühling zu gewinnen. Die Werte von Amtsinhaber Sarkozy hielten sich zuletzt rund um die 30 Prozent. Offiziell hat Sarkozy seine Kandidatur bisher nicht angekündigt, es wird aber erwartet, dass er sich für eine weitere Amtszeit bewerben wird.
Zu Jahresanfang hatten die Sozialisten noch auf den Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, als ihren Kandidaten gesetzt. Im Mai wurde dieser aber der versuchten Vergewaltigung eines New Yorker Zimmermädchens bezichtigt. Die Vorwürfe wurden zwar inzwischen fallen gelassen, die Ambitionen auf eine Präsidentschaftskandidatur blieben jedoch auch auf der Strecke. (dapd)
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