Aktuelle Nachrichten – Auto + Verkehr
08.04.2010
Foto: Ferdinand Ostrop/AP Photo
Berlin (apn) Finanzspekulanten verdienen am Benzinpreis kräftig mit. Nach einer am Donnerstag von der Grünen-Bundestagsfraktion veröffentlichten Studie verteuern sie jeden Liter Benzin oder Diesel um rund 14 Cent pro Liter. Eine Tankfüllung von 50 Liter kostet demnach sieben Euro zu viel. Jeder Autofahrer müsse bei einer durchschnittlichen Fahrleistung 136 Euro im Jahr extra zahlen. Die Grünen monierten einen „immensen Schaden“ durch Spekulationen.
Laut der Studie des Hamburger Experten Steffen Bukold vom Institut EnergyComment beträgt die „Spekulationsprämie“ bei dem aktuellen Rohölpreis von 80 Dollar pro Barrel etwa 30 Dollar oder 35 Prozent. „Die Rohölpreise und damit die Benzin- und Dieselpreise werden dadurch im Schnitt um 0,14 Euro je Liter nach oben verzerrt“, heißt es. Mehrkosten von fünf Milliarden pro Jahr ergeben sich damit für alle Privathaushalte mit Pkw in Deutschland. Weltweit errechnet die Studie Mehrkosten für den Straßenverkehr von 733 Millionen Euro pro Tag und 267 Milliarden Euro im Jahr.
Bei einer weltweit anziehenden Konjunktur hält die Studie „schon bald neue Rekordpreise über 150 Dollar pro Fass und Benzinpreise von über 2,0 Euro/Liter“ für wahrscheinlich. Zur Begründung verweist Bukold auf die knapper werdenden Erdölreserven und die weltweit steigende Nachfrage bei einer hohen Liquidität der Finanzmärkte.
Bukold unterscheidet zwischen zwei Spekulationstypen auf dem Ölmarkt: Hedgefonds sind demnach für ein bis zwei Monate andauernde Wellen verantwortlich. Ihnen schreibt er beim derzeitigen Rohölpreis einen Anteil von acht bis zwölf Dollar zu. Langfristige Spekulationswellen würden demnach von großen Investmentfonds, Banken und ebenfalls von Hedgefonds ausgelöst. Sie sind laut der Studie für einen Preisaufschlag von 17 bis 23 Dollar verantwortlich.
Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Bärbel Höhn appellierte an die Verbraucher, mit sparsameren Autos, Elektromobilität und weniger Ölheizungen für eine Halbierung des Ölverbrauchs innerhalb der nächsten 15 Jahre zu sorgen. Direkte Abhilfe sei allerdings nicht einfach, weil die Hebel zur Eindämmung der Spekulation bei den amerikanischen und britischen Regierungen lägen, die sich aber zierten, ihre Finanzplätze zu reformieren, erklärte Höhn. An die Bundesregierung appellierte sie, in der Europäischen Union Druck für mehr Transparenz und eine Einschränkung bei den Spekulationsmöglichkeiten auszuüben.
http://www.gruene-bundestag.de (AP)
Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.
Schlagworte
EU will Ölkonzernen genauer auf die Finger schauen
(05.04.2010)
Öl- und Benzinpreise klettern weiter
(02.04.2010)
Diskussion über Steigerung der Spritpreise vor Ostern verschärft sich
(01.04.2010)