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Nach Enkes Tod Sportsoziologe fordert Umdenken der Gesellschaft

DAPD

14.11.2009

Berlin – Der verstorbene Fußball-Torwart Robert Enke wäre nach Überzeugung des Sportsoziologen Gunter Pilz von gegnerischen Fußballern und von Fans geschmäht worden, wenn er sich zu seiner Depression bekannt hätte. „Wenn ich mir vorstelle, ein Enke hätte sich geoutet, dass er solche Probleme hat, dann wäre das vielleicht nicht nur von seinen Gegnern gnadenlos ausgenutzt worden, sondern noch viel brutaler und gnadenloser von den Fans, die jetzt weinend durch die Straßen ziehen“, sagte der Honorarprofessor am Institut für Sportwissenschaft der Universität Hannover am Samstag im Deutschlandradio Kultur.

Der seit Jahren an Depressionen leidende Torhüter hatte sich am Dienstagabend unweit von Empede bei Neustadt am Rübenberge auf einer Bahnstrecke das Leben genommen. Pilz sagte, über Krankheit und Schwäche offen zu reden, sei im Leistungssport ebenso undenkbar, wie sich als Homosexueller zu bekennen. Im Sport und auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen hätten die Menschen ihre „Beißhemmung“ gegenüber Schwächeren verloren.

Ein Problem der heutigen Gesellschaft sei, „dass wir nicht nur diese Beißmentalität haben und auf Schwächen rumtrampeln“, sondern dies auch dann nicht mehr ausreichend wahrgenommen und korrigiert werde, wenn jemand betroffen sei und wirklich darunter leide, kritisierte der Wissenschaftler. Die Leistungsgesellschaft sei längst in eine Erfolgsgesellschaft pervertiert, in der die Leistung des Einzelnen als Wert nichts mehr bedeute und einer „vulgären Verbissenheit des Siegenmüssens“ Platz gemacht habe. Die Menschen sollten Enkes Tod zum Anlass nehmen, darüber nachzudenken, ob sie diese Art von Gesellschaft wollten. (AP)

 

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