Wirtschaftsnachrichten - Aktuelle Nachrichten Wirtschaft – Staatsanwaltschaft verhaftet zwei Siemens-Spitzenmanager – Michael Pohl
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Aktuelle Nachrichten – Wirtschaft

Staatsanwaltschaft verhaftet zwei Siemens-Spitzenmanager

Michael Pohl

16.11.2006

München - Die Korruptionsaffäre bei Siemens schlägt immer größere Wellen: Wie am Donnerstag bekannt wurde, verhaftete die Münchner Staatsanwaltschaft ein amtierendes und ein ehemaliges Vorstandsmitglied verschiedener Konzernsparten. Auch gegen drei weitere Konzernmitarbeiter erging Haftbefehl. Die Mitarbeiter stehen unter Verdacht, Jahre lang Firmengelder in Höhe von insgesamt 20 Millionen Euro abgezweigt zu haben, um damit möglicherweise Schmiergeldtöpfe für Auslandsgeschäfte zu füllen.

Nachdem die Münchner Staatsanwaltschaft am Donnerstag zunächst die Verhaftung eines inzwischen aus dem Unternehmen ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedes der Kommunikationstechnik-Sparte Siemens Com bestätigt hatte, wurde bekannt, dass sich auch ein amtierender Sparten-Vorstand des Unternehmens in Haft befindet. Entsprechende Berichte des «Handelsblatt» und der «Süddeutschen Zeitung» (Freitagausgaben) wurden der Nachrichtenagentur AP in mit den Ermittlungen vertrauten Kreisen bestätigt.

Dem «SZ»-Bericht zufolge schied einer der beiden Spitzenmanager 2005 aus dem Konzern aus, der andere wechselte von Com in den Vorstand einer anderen Konzernsparte. Ein Siemens-Sprecher wollte die Berichte nicht kommentieren.

Der Münchner Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld hatte zuvor mitgeteilt, dass sich die Zahl der beschuldigten Siemens-Mitarbeiter von sechs auf zehn erhöht habe. Auch gegen zwei Nicht-Mitarbeiter des Konzerns aus dem privaten Umfeld der Verdächtigen werde ermittelt, erklärte die Staatsanwaltschaft. Gegen die Beschuldigten bestehe der Verdacht der Untreue zum Nachteil von Siemens.

Die Beschuldigten stünden unter Verdacht, seit 2002 über Tarnfirmen und Auslandskonten in der Schweiz und Liechtenstein Konzerngelder in Höhe von rund 20 Millionen Euro abgezweigt zu haben. «Ob und in welchem Umfang diese Gelder zu Schmiergeldzahlungen verwendet wurden, wird noch zu prüfen sein», erklärte der Oberstaatsanwalt. Auslöser der Ermittlungen war seinen Angaben zufolge eine anonyme Anzeige sowie Hinweise von den Ermittlungsbehörden aus der Schweiz und Italien.

Nach der Großrazzia am Mittwoch habe sich der Tatverdacht gegen die Siemens-Mitarbeiter erhärtet. «Drei der Beschuldigten haben bereits umfassende Angaben gemacht», erklärte Schmidt-Sommerfeld. Angaben zu weiteren Einzelheiten lehnte er jedoch aus ermittlungstaktischen Gründen ab.

Laut «Süddeutscher» steht im Zentrum der Ermittlungen der Verdacht, dass der Konzern in großem Stil schwarze Kassen gebildet habe, um Schmiergelder in Millionenhöhe für Auslandsaufträge einzusetzen. Der Zeitung zufolge prüft die Staatsanwaltschaft zahlreiche Siemens-Projekte: Unter anderem eins bei den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen sowie Telekommunikationsvorhaben in Ägypten, Saudi-Arabien, Kuwait, Indonesien und Vietnam. Aufgefallen seien den Fahndern auch zahlreiche weitere Projekte.

Siemens: Keine Vorstände befragt

Die Zeitung schrieb weiter, es gelte als sicher, dass die Verdächtigen nicht aus eigenen Antrieb, sondern auf Anweisung aus dem Konzern gehandelt hätten. Ein Siemens-Sprecher betonte jedoch, dass bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft «keine Konzernvorstände befragt wurden». Die in dem Bericht genannten Vorwürfe wollte der Sprecher nicht kommentieren: «Es ist noch zu früh, um sich über Details zu äußern und Vermutungen anzustellen.» Der Sprecher betonte, dass sich Siemens als möglicher Geschädigter sehe und die Ermittlungen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft voll unterstütze.

(AP)

 

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