Aktuelle Nachrichten – Europa
22.11.2007
Bern – Den Schweizer Bauern geht es besser als auch schon: Steigende Weltmarktpreise haben ihre Konkurrenzfähigkeit im internationalen Markt gestärkt. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) sieht die Schweizer Agrarreform bestätigt. Jetzt müssten die Bauern ihre Chance packen.
Im laufenden Jahr sind die Weltmarktpreise für verschiedene landwirtschaftliche Rohstoffe markant angestiegen, wie dem am Donnerstag veröffentlichten Agrarbericht 2007 zu entnehmen ist. So verdoppelten sich die Preise für Weizen, und die Milchpulverpreise stiegen von 2,8 auf 5,8 Franken pro Kilogramm. Die Inlandpreise haben sich wegen des Grenzschutzes hingegen nur wenig verändert, wie BLW-Vizedirektor Jacques Chavaz vor den Medien in Bern sagte. Waren die Produzentenpreise bei wichtigen Ackerbauprodukten im vergangenen Jahr noch zwei bis drei Mal so hoch wie in der EU, so verringerte sich diese Differenz in den vergangene Monaten auf den Faktor eins bis eineinhalb.
Viele Faktoren sprechen laut BLW dafür, dass die Produzentenpreise mittel- und längerfristig weiter ansteigen. Dazu gehören auf der Nachfrageseite das Bevölkerungswachstum, die Zunahme des Fleischkonsums in Schwellenländern sowie die Verwendung von Rohstoffen für die Energieproduktion und auf der Angebotsseite die begrenzten Agrarflächen, die abnehmenden Ertragszuwächse, die Risiken der Klimaveränderung, die begrenzte Wasserverfügbarkeit und der Verlust von Agrarflächen durch Versalzung und Versteppung sowie durch Überbauung.
BLW-Direktor Manfred Bötsch sieht in der Entwicklung eine Bestätigung für die Schweizer Agrarreform. Die Schweizer Bauern müssten ihre wachsenden Chancen im Export nun nutzen. Er warnt im Vorwort des Agrarberichts jedoch auch vor Fehlinvestitionen in einer Phase der Euphorie. Auch künftig brauche es differenzierte staatliche Rahmenbedingungen, um die Ernährungssicherheit gewährleisten zu können. Positiv wird die Entwicklung beim Schweizerischen Bauernverband (SBV) gewertet. Die Versorgungssicherheit gewinne wieder an Bedeutung, sagte Verbandspräsident Hansjörg Walter in der Sendung „Rendez-vous“ von Radio DRS. Die Kleinbauern-Vereinigung verwies in einer Mitteilung auf die Gefahr, dass die Preisanstiege zur Überintensivierung der Landwirtschaft verleiten könnten.
Bötsch betonte zudem die Verantwortung der Landwirtschaft in der Klimaproblematik vor allem bei den Emissionen von Methan und Lachgas. Zwar habe die Landwirtschaft ihren Ausstoss seit 1991 um über zehn Prozent gesenkt, immer noch verursache sie aber drei Viertel aller schweizerischen Emissionen dieser Gase. Gewisse technische Optimierungen sind laut Bötsch noch möglich. Der BLW-Direktor sagte weiter, eine Klimaerwärmung von bis zu zwei bis drei Grad würde sich bei entsprechenden Anpassungen voraussichtlich positiv auf die Schweizer Nahrungsmittelproduktion auswirken. Bei einer Klimaerwärmung über drei Grad würden die Nachteile klar überwiegen. (AP)
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