Aktuelle Nachrichten – Sport
22.06.2012
Foto: Jens Koehler/dapd Photo
Heringsdorf – Heftiger Medienschelte zum Trotz zieht das ZDF für seine Programmgestaltung am EM-Fußball-Strand auf der Insel Usedom eine positive Zwischenbilanz. Die Vorrundenspiele der Fußball-Europameisterschaft hätten in der ZDF-Arena und auf der Fanmeile der Usedomer Kaiserbäder mehr als 83.000 Zuschauer verfolgt, teilte das Fernsehteam des ZDF am Freitag in Heringsdorf mit.
Die 880 Strandstühle und 60 Strandkörbe seien nicht nur bei allen Deutschland-Spielen, sondern auch bei Begegnungen wie Frankreich - England, Tschechien – Polen und Spanien – Italien ausverkauft gewesen. Inzwischen sei der ZDF-Fußball-Strand auch bei den bevorstehenden Partien der Viertelfinals und Halbfinals sowie im Finale komplett ausgebucht.
Neben den Übertragungen mit Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein und Kommentator Oliver Kahn seien auch die anderen Fernsehformate ein Erfolg gewesen, sagte eine Sprecherin der Usedomer Tourismusgesellschaft. So hätten am vergangenen Sonntag 2,6 Millionen Fernsehzuschauer den vom Usedomer Strand ausgestrahlten "Fernsehgarten" mit Andrea Kiewel verfolgt. Ein weiterer Höhepunkt werde für Samstag (23. Juni) erwartet, wenn die Fernsehköche Johann Lafer und Horst Lichter die Meereskulisse für ihre Live-Sendung "Lafer! Lichter! Lecker!" nutzen würden.
In den vergangenen Tagen hatte es Kritik einiger Medien sowohl an der Wahl des Studio-Ortes als auch an den ZDF-Fußballsendungen aus Heringsdorf gegeben. Bemängelt wurde vor allem, dass das ZDF im Unterschied zu früheren Fußballmeisterschaften in Frankreich, Österreich, der Schweiz und in Südafrika dieses Mal sein Kommentatoren-Studio nicht in einem der Austragungsländer der EM - Polen und Ukraine – errichtet hat.
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte dem Sender zum Beispiel ein "Ablenkungsmanöver von den dramatischen politischen Vorgängen" in Europa unterstellt. Dem Kommentatoren-Duo wurden "einschläfernde Dialoge" und eine "peinliche" EM-Berichterstattung vorgeworfen. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" sprach von einem "bizarren Veranstaltungsort" auf "einer künstlichen Insellage im Meer vor halb leeren Liegestühlen mit älteren Leuten". Die "Süddeutsche Zeitung" kommentierte, das ZDF zeige Bilder mit "einer großen Distanz zum emotionalen Ereignis", die politische Spannungen und Konflikte wie den Hooliganismus aussparten.
ZDF-Intendant Thomas Bellut hatte die Wahl Usedoms für die Fußball-EM-Bühne vor ein paar Tagen auf dem Medienforum.NRW in Köln verteidigt. Messbar sei diese Ablehnung bei unserem Publikum nicht, sagte er. Der ehemalige Nationaltorhüter Kahn bezeichnete die Diskussionen in der "Bild-Zeitung" als "äußerst fragwürdig". Aus keinem anderen Ministudio in einem Stadion hätte man mehr Stimmung transportieren können als vom Usedomer Strand. Müller-Hohenstein sagte der Zeitung zufolge, man habe die Nähe zu einem Austragungsland der Fußball-EM gesucht und direkt an der polnischen Grenze perfekte Bedingungen gefunden, sodass sich auch viele andere ZDF-Sendungen in besonderem Ambiente präsentieren ließen.
(dapd)
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