Kassel – Ein Kunstwerk der Documenta in Kassel ist im Abfall gelandet. Die chilenische Aktionskünstlerin Lotty Rosenfeld, offizielle Teilnehmerin der Ausstellung, hatte Fahrbahnmarkierungen mit weißem Klebestreifen in Kreuze verwandelt und damit „zum Aufspüren unterschwelliger Formen von Macht und Kontrolle“ beitragen wollen. Kassels Stadtreinigung jedoch erkannte in den Kreuzen lediglich eine Verkehrsgefährdung und entfernte die Klebebänder.
Im Hessischen Rundfunk zeigte sich die 1943 geborene Chilenin enttäuscht über diese Reaktion: „Ich habe schon gedacht, dass die Kreuze 14 Tage halten.“ Rosenfeld beteuerte, mit ihrer Aktion, die sie bereits Ende 1979 auf einer Ausfallstraße von Santiago de Chile als Protest gegen das Pinochet-Regime praktizierte und die auf einem in Kassel gezeigten Video dokumentiert ist, wolle sie niemandem „wehtun“.
Hans-Jürgen Schweinsberg, Pressesprecher der Stadt Kassel, äußerte sich AP gegenüber gelassen zu dem Vorfall: „Immerhin hat Frau Rosenfeld ja damit eine Reaktion erreicht, die ihrer Aktion auch die gewünschte Beachtung vermittelt.“
Im Documenta-Katalog wird die Arbeit der Aktionskünstlerin, die schon am Berliner Checkpoint Charlie Kreuze aufgestellt hatte, um damit „deutsch-deutsche Kreuzungen zu symbolisieren“, so beschrieben: „Im Verlauf ihres Werks wird Rosenfeld konsequent an Grenzübergänge und Orte der Macht gehen und deren Ordnung durchkreuzen. Diese gibt es auch in Kassel.“
Die Documenta wird am Samstag eröffnet. (AP)
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