Aktuelle Nachrichten – Unternehmen
11.08.2008
Frankfurt/Main – Die Streiks bei der Lufthansa haben die Airline im vergangenen Monat sowohl bei der klassischen Passage als auch im Frachtgeschäft deutlich getroffen. Ob der Tarifkonflikt mit dem Bodenpersonal endgültig beigelegt wird, entscheidet sich am Mittwoch, wenn das Ergebnis der am (morgigen) Dienstag auslaufenden ver.di-Urabstimmung bekanntgegeben wird. Zum weiter schwelenden Streit mit den Flugkapitänen der Konzerntochter Cityline äußerten sich am Montag weder Unternehmen noch Pilotenvereinigung Cockpit.
Lufthansa Cargo beförderte im Juli 142.000 Tonnen Fracht und damit 7,5 Prozent weniger als im Vergleichsmonat 2007, wie die Fluggesellschaft mitteilte. Die Zahl der Flüge ging sogar um 17,9 Prozent zurück. Der Frachtnutzlastfaktor sank um 4,9 Prozentpunkte auf 62,9 Prozent. Das Unternehmen machte dafür sowohl die Streiks als auch die schwächelnde US-Konjunktur verantwortlich.
Im Geschäftsbereich Passage, der „klassischen Lufthansa“, ging die Fluggastzahl dem Unternehmen zufolge wegen der Streiks um 1,4 Prozent auf 5,171 Millionen zurück, obwohl die Zahl der Flüge um 1,1 Prozent anstieg. Der Sitzladefaktor sank entsprechend um 1,3 Prozentpunkte auf 82,2 Prozent.
Im gesamten Lufthansa-Konzern, zu dem unter anderem auch die Schweizer Swiss gehört, nahm die Zahl der Fluggäste um 0,8 Prozent auf 6,428 Millionen zu. Der Sitzladefaktor sank um 0,9 Prozentpunkte auf 82,9 Prozent. Das Frachtaufkommen im Konzern ging um 5,1 Prozent auf 162.000 Tonnen zurück, der Fracht-Nutzladefaktor um 4,3 Prozentpunkte auf 60,6 Prozent.
Die seit knapp einer Woche laufende Urabstimmung bei den ver.di-Mitgliedern des Lufthansa-Bodenpersonals läuft am (morgigen) Dienstag um Mitternacht aus, wie ver.di-Sprecher Harald Reutter sagte. Zur Beteiligung sagte er nichts. Ver.di hatte am 1. August nach einem fünftägigen Streik des Bodenpersonals für rund 34.000 Beschäftigte eine Steigerung der Bezüge in zwei Stufen um insgesamt 7,4 Prozent ausgehandelt. Damit das Verhandlungsergebnis angenommen wird, müssen laut ver.di mindestens 25 Prozent der ver.di-Mitglieder, die stimmberechtigt und stimmfähig, also weder krank noch im Urlaub sind, dafür votieren.
Der Flugverkehr der Lufthansa war auch zehn Tage nach Ende des Streiks immer noch beeinträchtigt, wenn auch deutlich weniger als in der vergangenen Woche. Bis einschließlich Freitag sollen nach dem Sonderflugplan knapp 20 Flüge pro Tag entsprechend rund ein Prozent des normalen Flugaufkommens ausfallen.
Zum Stand des Tarifkonflikts mit der Pilotenvereinigung Cockpit wollte sich das Unternehmen nicht äußern. Nach einem 36-stündigen Pilotenstreik, bei dem 500 von 570 Cityline-Flügen ausgefallen waren, schien eine Einigung am Freitag in weiter Ferne. Bereits im Juli hatte es mehrere Streiks der Piloten von Cityline und Eurowings gegeben.
Ver.di-Chef Frank Bsirske, der auch stellvertretender Aufsichtsvorsitzender der Lufthansa ist, kehrte derweil aus seinem Südsee-Urlaub zurück und kündigte in der „Bild“-Zeitung an, nie mehr einen Freiflug des Unternehmens nutzen zu wollen. Nach Angaben seines Sprechers Reutter kam Bsirske am Sonntag nach Deutschland zurück und tritt am (morgigen) Dienstag nach fünf Wochen Urlaub wieder die Arbeit an. (AP)