Aktuelle Nachrichten – Kultur
30.05.2007
Pjöngjang – Eine Delegation des Bundestags hat am Mittwoch bei der nordkoreanischen Regierung gegen die Entfernung deutscher Zeitungen und Zeitschriften aus einem Lesesaal des Goethe-Instituts in Pjöngjang protestiert. „Es gibt überhaupt keinen Grund, an dem Angebot irgendeine Reduzierung vorzunehmen“, sagte Delegationsleiter Hartmut Koschyk CSU zur Begründung. Für den Fall einer Beschränkung auf naturwissenschaftliche und technische Literatur kündigte er ernsthaften Konsequenzen an.
Der Lesesaal war 2004 in Anwesenheit der Präsidentin des Goethe-Instituts, Jutta Limbach, eröffnet worden. „Das ist das Renommierprojekt unserer Kulturbeziehungen“, sagt Koschyk. Bis zu 8.000 Druckerzeugnisse sollen in der Bibliothek zur Verfügung gestellt werden. Inzwischen sind es nach Angaben der deutschen Botschaft bereits 4.000. Darunter waren lange Zeit auch die Nachrichtenmagazine „Spiegel und „Focus“, die „Süddeutsche Zeitung“, „Geo“ und die „Brigitte“.
Als Grund für das Entfernen der Zeitungen geben die Nordkoreaner einen japanischen Zeitungsbericht an, nach dem im Lesesaal oppositionelle Schriften verbreitet werden. Dies sei ein Verstoß gegen die Vereinbarung über die Einrichtung des Lesesaals, nach der die Gefühle und die moralischen Werte der Nordkoreaner nicht verletzt werden dürften.
In der vergangenen Woche hatte sich die Kulturabteilung des Auswärtigen Amts eingeschaltet und Gespräche mit der nordkoreanischen Botschaft in Berlin geführt. Die Bundestagsdelegation sprach das Thema gegenüber Vertretern der Obersten Volksversammlung und im Außenministerium an. Offenbar mit Erfolg: Vizeaußenminister Kung Sok Ung sagte den Bundestagsabgeordneten zu, sich für eine Klärung einzusetzen.
Die siebenköpfige Bundestagsdelegation war am Dienstag zu einem viertägigen Besuch in Nordkorea eingetroffen. Neben den politischen Gesprächen in Pjöngjang wird die Delegation auch ein Wasserversorgungsprojekt der Deutschen Welthungerhilfe und am morgigen Donnerstag die Sonderwirtschaftszone Kaesong besuchen. In der 66 Quadratkilometer großen Industrieregion, die vor viereinhalb Jahren gegründet wurde, haben sich bisher 22 südkoreanische Unternehmen niedergelassen, die dort 12.400 Nordkoreaner für extrem niedrige Löhne beschäftigen.
Von Pjöngjang werden die Abgeordneten direkt in die südkoreanische Hauptstadt Seoul weiter fliegen. Das ist ein Novum: Bisher konnten Delegationen aus Deutschland von Pjöngjang aus nur über Peking in die südkoreanische Hauptstadt gelangen. (AP)
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