Forschung - Aktuelle Nachrichten und Erkenntnisse – Streit über Zukunft der Stammzellforschung – DAPD
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Aktuelle Nachrichten – Forschung

Streit über Zukunft der Stammzellforschung

DAPD

14.02.2008

Geklonte Embryonen im achtzelligen Stadium.  Foto: AP Photo/Seoul National University
Geklonte Embryonen im achtzelligen Stadium.

Foto: AP Photo/Seoul National University

Berlin – Im Streit über die Zukunft der Forschung an embryonalen Stammzellen geht eine tiefe Kluft durch alle Fraktionen des Bundestags. Dies wurde am Donnerstag in einer Grundsatzdebatte über das Stammzellgesetz deutlich. Das Parlament soll Mitte März entscheiden, ob mehr embryonale Stammzellen für Wissenschaftler nach Deutschland importiert werden sollen – mit der Hoffnung, Möglichkeiten zur Heilung schwerer Krankheiten wie Multiple Sklerose oder Parkinson zu finden.

Der SPD-Politiker René Röspel warb für eine entsprechende Gesetzesänderung. Dafür soll der darin enthaltene Stichtag „einmalig“ verschoben werden: Dürfen bislang nur Stammzelllinien aus der Zeit vor dem 1. Januar 2002 nach Deutschland eingeführt werden, so soll künftig der 1. Mai 2007 gelten. Damit hätten deutsche Forscher Zugriff auf deutlich mehr Forschungsmaterial.

„Das würde für viele Jahre reichen“, sagte Röspel. Die einmalige Verschiebung des Stichtags würde den Kompromiss des Stammzellgesetzes von 2002 aufrecht erhalten. Dort sei zwischen dem Schutz des Lebens und der Forschungsfreiheit abgewogen worden. Der Antrag auf einmalige Verschiebung des Stichtags hat bislang im Bundestag die meisten Unterstützer aus allen Fraktionen. Die Abgeordneten dürfen sich dabei völlig frei entscheiden.

Für die zweitgrößte Gruppe von Parlamentariern warb die Grünen-Forschungspolitikerin Priska Hinz für eine Beibehaltung des Stichtags. Grundlagenforschung bleibe in Deutschland auch mit den noch vorhandenen alten Stammzelllinien aus der Zeit vor 2002 möglich. Eine einmalige Verschiebung des Stichtags hingegen würde zu einer „Rutschbahn“ hin zu weiterer Öffnung.

Dabei hätten die Ergebnisse der Forschung an embryonalen Stammzellen die Hoffnungen bislang nicht erfüllt. „Der Wunsch, dass man mit der embryonalen Stammzellforschung schwere Krankheiten heilen kann, bleibt ein Wunsch.“ Diese Position vertrat auch die CDU-Abgeordnete Julia Klöckner.

„Es ist nicht irgendeine Zellmasse“

Die FDP-Abgeordnete Ulrike Flach, die zusammen mit 100 Abgeordneten für eine Aufhebung des Stichtags plädiert, stimmte dem zu. Noch gebe es nicht die erhofften Therapiemöglichkeiten. Doch müssten auch deutsche Forscher die Chance erhalten, weiter danach zu suchen. „Wir bekennen uns eindeutig zur Ethik des Heilens“, sagte sie. „Geben Sie diesem Land die Chance etwas zu tun auf diesem Forschungsgebiet.“ Die CDU-Politikerin Katherina Reiche pflichtete bei und betonte, würden die Importauflagen nicht gelockert, liefe dies auf ein Forschungsverbot in Deutschland hinaus. Denn Wissenschaftler beklagen, dass die alten Zelllinien aus der Zeit vor 2002 unbrauchbar seien.

Ihr CDU-Kollege Hubert Hüppe forderte hingegen einen völligen Importstopp für embryonale Stammzellen. Er argumentierte, dass auch die Embryonen, die für die Gewinnung der Zelllinien getötet werden, eine Menschenwürde hätten. In dem Stadium, wo sie zerstört würden, sei zum Beispiel bereits das Geschlecht der Embryonen festlegt. „Man kann nicht sagen, es ist irgendeine Zellmasse, Müll, der übrig bleibt, deshalb habe ich ein Problem damit, dass dieses menschliche Leben getötet wird“, sagte Hüppe. Der FDP-Abgeordnete Konrad Schily argumentierte ganz ähnlich. (AP)

 

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