Aktuelle Nachrichten – Europa
22.06.2012
Foto: Andrew Medichini/AP Photo
Rom – Nach Wegen aus der europäischen Schuldenkrise hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag mit ihren Kollegen aus Italien, Spanien und Frankreich auf einem Vierergipfel in Rom gesucht. Bei dem Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti, dem französischen Präsidenten François Hollande und dem spanischen Regierungschef Mariano Rajoy sollten die politischen Weichen gestellt werden für das Treffen aller 27 Staats- und Regierungschefs der EU Ende kommender Woche in Brüssel.
Kanzlerin Merkel dürfte bei den Gesprächen am Freitag vermutlich mit Montis Vorschlag konfrontiert werden, Anleihenkäufe durch die Europäische Zentralbank zu ermöglichen und diese durch den Euro-Rettungsfonds ESM abzusichern. Der italienische Regierungschef Monti hatte die Idee bereits zu Wochenbeginn ins Spiel gebracht, war damit bei Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble allerdings auf Ablehnung gestoßen.
Weitere Themen des Treffens in Rom dürften die Einführung einer Finanztransaktionssteuer und einer zentralen Bankenaufsicht für Kreditinstitute im Euro-Raum sein.
In einem in fünf europäischen Zeitungen veröffentlichten Interview warnte Monti vor noch härteren Attacken auf die Eurozone, sollte der Gipfel in einer Woche keine überzeugenden Maßnahmen gegen die Schuldenkrise beschließen. "Es gäbe immer heftigere Spekulationsangriffe auf einzelne Länder – besonders auf die schwachen", zitierte die "Süddeutschen Zeitung" den italienischen Ministerpräsidenten am Freitag.
Auch Italien, das nicht mehr schwach sei, aber noch einen hohen Schuldenberg mitschleppe, gerate weiter unter Beschuss. Und die hohen Zinsen würden "auch bei den Unternehmen durchschlagen".
Unterdessen forderte der Internationale Währungsfonds (IWF) die Eurozone eindringlich zu direkter Bankenhilfe aus dem Euro-Rettungsfonds auf und erhöhte damit den Druck auf Deutschland. Das Geld müsse "ohne Umweg über die Staaten" an die Banken gegeben werden, damit die verheerende Verbindung zwischen Bankenproblemen und öffentlichen Schulden aufgebrochen werden könne, sagte IWF-Direktorin Christine Lagarde in der Nacht zum Freitag nach einem Eurogruppentreffen in Luxemburg.
Berlin stellt sich bislang energisch gegen die Forderung, die insbesondere auch von Spanien erhoben wird. "Wir hoffen, dass sich die Weisheit durchsetzt und die besten Lösungen angeschaut und am Ende für gut befunden werden", so die IWF-Chefin mit Blick auf den deutschen Widerstand. Eindringlich warnte sie: "Das Überleben der Eurozone steht infrage."
Nach der Veröffentlichung der jüngsten Berichte über den Rekapitalisierungsbedarf des spanischen Bankensektors stiegen die Zinsen auf langfristige Staatsanleihen am Freitag erneut. Die Zinsen auf Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren erhöhten sich im Morgenhandel in Spanien um zehn Basispunkte auf 6,64 Prozent.
Offenbar sind die Anleger weiterhin besorgt um die finanzielle Stabilität Spaniens und befürchten, dass Madrid doch noch ein Rettungspaket für seinen Staatshaushalt benötigt. Am Donnerstag legten zwei unabhängige Rechnungsprüfer eine Untersuchung vor, nach der die Banken in Spanien Notkredite von bis zu 62 Milliarden Euro benötigen.
(dapd)
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