Aktuelle Nachrichten – Gesellschaft
23.06.2010
Frankfurt/Main (apn) Die neuesten Ergebnisse des bundesweiten Leistungstests an Schulen lassen die Gemüter in den Bundesländern hochkochen. Nur die Bayern und Baden-Württemberger behalten einen kühlen Kopf, denn dort wurden erneut die besten Ergebnisse erzielt. Die einen suchen nun Gründe für die Stärke Süddeutschlands im Vergleich zum bildungsschwachen Norden. Die anderen wiederum kritisieren die Erhebung als unvollständig und einseitig.
In den vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) durchgeführten Leistungstests schnitten süddeutsche Neuntklässler aller Schulformen in Deutsch, Englisch und Französisch teilweise weitaus besser ab als ihre norddeutschen Mitschüler. Schlusslicht ist Bremen, aber auch Hamburg, Berlin und Brandenburg liegen hinten.
„In Bremen haben – und das gilt für andere Ballungsgebiete und Stadtstaaten auch – bis zu 40 Prozent der 15-Jährigen eine Migrationsgeschichte“, sagt Bildungsforscher Klaus Klemm. Auch gebe es in den Ländern, die am schlechtesten abschnitten, besonders viele Schüler aus sozial schwachen Familien. Dies seien zwei Gründe, die die schwachen Leistungen der norddeutschen Länder erklärten, aber bei weitem nicht die einzigen, fügt Klemm hinzu.
„Man tut sich keinen Gefallen damit, nur mit der Migrationsquote oder der sozialen Herkunft zu argumentieren“, bestätigt der wissenschaftliche Leiter der Studie und derzeitige Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN), Olaf Köller. Die Bildungssituation in Deutschland sei komplex und lasse sich nicht auf einzelne wenige Erklärungsansätze herunterbrechen. „Der Unterricht ist aber die entscheidende Stellgröße für erfolgreiches Lernen“, versichert der IPN-Direktor, der das IQB bis 2009 leitete.
Die unterschiedlichen Ergebnisse in den Bundesländern haben auch Klemm zufolge nicht nur mit den Leistungen der Schüler zu tun, sondern vor allem mit den verschiedenen Unterrichts- und Lehrformen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer bringt diesen Gesichtspunkt so auf den Punkt: „Kinder in Bremen und Hamburg können nicht dümmer zur Welt gekommen sein als Schüler an Isar, Lech und Main. Die Testergebnisse untermauern die eindeutige Überlegenheit eines intelligent vernetzten Schulsystems“.
Die einzelnen Schulsysteme müssten also analysiert werden. „Wir erfahren aus der Studie aber überhaupt nichts über die Arbeit aus den Schulen selbst“, sagt Klemm. Es sei daher an der Zeit, die Unterrichtssysteme der Länder zu untersuchen, um diese dann gegebenenfalls zu verbessern. Gleichzeitig räumt er aber ein, dass der Aufwand für solche Studien erheblich wäre, da Tausende Forscher an Schulen geschickt werden müssten, um ein vollständiges Bild zu liefern.
Der Leiter der aktuellen Studie hingegen verteidigt das Projekt. „Die Studie ist eine Output-Messung, bei der untersucht wurde, was die Länder im Bereich Bildung erreicht haben und was bei den Schülern angekommen ist“, sagt Köller. Er sei sich dessen bewusst, dass der Bericht sich kaum mit den Ursachen befasse. „Es ist Aufgabe der Länder, daraus Schlüsse zu ziehen“, erklärt er.
Nach Köllers Auffassung unterscheidet sich Süddeutschland in mehreren Punkten von den restlichen Bundesländern: „Bayern und Baden-Württemberg haben ihre Ziele an Schulen höher angesetzt, was Lehr- und Unterrichtspläne betrifft“. So werde dort beispielsweise mit den anspruchsvollsten Schulbüchern unterrichtet, die beruflichen Ausbildungswege würden kontinuierlich gestärkt und Reformen behutsam angegangen.
Ziel müsse es daher sein, diese Herangehensweise auch im Rest der Republik anzuwenden. Im Zuge der Bildungsstandards wird Köller zufolge bereits daran gearbeitet, die bislang bildungsschwachen Länder auf das hohe Süd-Niveau zu bringen und so die Leistungsunterschiede zwischen den Regionen zu verringern. (AP)
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