Aktuelle Nachrichten – International
31.07.2011
Beirut – Bei einer landesweiten Offensive der syrischen Regierungstruppen sind nach Informationen von Menschenrechtlern und Bewohnern am Sonntag mindestens 45 Menschen getötet worden. Allein in der Stadt Hama kamen demnach 23 Menschen ums Leben, berichtete ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur AP telefonisch. Scharfe Kritik am Vorgehen der syrischen Regierung äußerte der britische Außenminister William Hague, der in London eine Einstellung der Angriffe forderte.
"Es ist ein Massaker, sie wollen Hama vor dem Ramadan brechen", berichtete der Augenzeuge, der sich aus Angst vor Verfolgung nur Ahmed nannte. Die Krankenhäuser seien überlastet und benötigten Blutspenden.
Der Ramadan beginnt in Syrien am Montag. Im Vorfeld geht die Regierung nun verschärft gegen die Proteste vor, die seit Monaten den Sturz von Präsident Baschar Assad fordern, da eine Zunahme der Demonstrationen während des Fastenmonats zu erwarten ist.
Weitere Angriffe wurden aus dem Süden des Landes und aus den Vororten von Damaskus gemeldet. In der Stadt Deir el Sur töteten Soldaten mindestens sieben Menschen, sagten Aktivisten. Die Angaben konnten zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden, da Syrien den meisten ausländischen Medien den Zugang verwehrt und Journalisten in einigen Teilen des Landes an der Arbeit hindert.
In dem Dorf al Hirak in der südlichen Provinz Daraa erschossen die Truppen des Regimes vier Menschen, berichteten Bewohner. Die Soldaten hätten am Morgen das Feuer auf Menschen eröffnet, die sich zum Kauf von Brot auf die Straße gewagt hätten. Mehr als 40 Menschen seien verletzt und 170 festgenommen worden, sagte ein Bewohner.
Der Sprecher des Netzwerkes Local Coordination Committees, das die Übergriffe der syrischen Sicherheitskräfte auf Regimegegner dokumentiert, sagte am Sonntag, der Gruppe lägen die Namen von 23 Zivilisten vor, die bei dem Angriff auf Hama getötet wurden. Ein weiterer Anstieg der Opferzahlen sei zu befürchten, erklärte Omar Idilbi.
Panzer seien im Morgengrauen in die zentralsyrische Protesthochburg Hama gerollt, teilte die in London ansässige Organisation Observatory for Human Rights mit.
"Sie schießen wahllos mit ihren Maschinengewehren und es gibt viele Opfer", sagte ein Bewohner der Stadt Hama der AP am Telefon. Die Hauptstraßen in die Stadt waren bereits vor einem Monat abgeriegelt worden. Als am frühen Sonntagmorgen Panzer einrückten, skandierten Bewohner "Gott ist groß" und warfen mit Brandsätzen, Steinen und Stöcken auf die Fahrzeuge.
Der britische Außenminister William Hague sagte, die Angriffe auf Zivilisten am Vortag des Fastenmonats seien "umso schockierender" und scheinbar Teil eines "koordinierten Versuchs, die Syrer davon abzuhalten" zu demonstrieren. "Präsident Baschar Assad liegt falsch, wenn er glaubt, dass Unterdrückung und militärische Macht die Krise in seinem Land beenden. Er sollte diesen Angriff auf sein eigenes Volk jetzt stoppen", sagte Hague in London.
Seit Beginn der Proteste gegen Assad vor mehr als vier Monaten sind Menschenrechtlern zufolge bereits etwa 1.600 Menschen von Soldaten des syrischen Regimes getötet worden.
(dapd)
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