Aktuelle Nachrichten – Deutschland
01.04.2012
Foto: Markus Hibbeler/dapd
Emden – Schnelle Aufklärung nach einer überraschenden Wende und Erleichterung bei der Polizei: Gut eine Woche nach dem Mord an der elfjährigen Lena in Emden ist der Fall für die Ermittler gelöst. Der in Untersuchungshaft sitzende 18-Jährige habe die Tötung gestanden, sagte der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes in Emden, Martin Lammers, am Sonntag. Zudem haben die Ermittler "klare, handfeste Beweise", wie Oberstaatsanwalt Bernard Südbeck sagte. Der 18-Jährige soll ferner für eine versuchte Vergewaltigung einer Joggerin im November 2011 verantwortlich sein.
"Es handelt sich um einen gefährlichen Täter, der vor nichts zurück schreckt", sagte Südbeck. Bei dem Mord an Lena und dem versuchten Sexualdelikt an der Joggerin gebe es Parallelen. Nun werde geprüft, ob er für weitere Straftaten verantwortlich ist. Nachdem der Beschuldigte am Samstag festgenommen worden war, hatte ein Haftrichter am Sonntag Haftbefehl wegen dringenden Mordverdachts zur Verdeckung eines Sexualdeliktes gegen den Mann erlassen. Zum Motiv machten die Ermittler zunächst keine Angaben.
Lena war am 24. März in einem Parkhaus in Emden tot aufgefunden worden. Sie wurde der Polizei zufolge Opfer einer Sexualstraftat. Nachdem weitere Hinweise aus der Bevölkerung bei den Ermittlern eingegangen waren, hatte sich der Verdacht gegen den 18-Jährigen am Samstag der Polizei zufolge konkretisiert. Dies sei durch die Untersuchungen des Landeskriminalamtes bezüglich der am Tatort gesicherten DNA-Spuren untermauert worden. Nach den Angaben von zwei Zeuginnen habe eine Phantomskizze erstellt werden können.
Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) gratulierte den Ermittlern zum Fahndungserfolg. "Nach dem Tötungsdelikt vor einer Woche standen die Ermittler unter einem enormen Druck. Sie haben davon unbeeindruckt den mutmaßlichen Täter in kurzer Zeit ermittelt und sind dabei hoch professionell und kompetent vorgegangen", sagte der Minister und kritisierte zugleich den Kriminologen Christian Pfeiffer, der mit "einer falschen Ferndiagnose über das Vorgehen der Polizei" die Arbeit der Mordkommission erschwert habe.
Am frühen Samstag war der 18-Jährige in seiner Wohnung in Emden festgenommen worden, in der er allein lebte, wie Südbeck sagte. Dort seien auch beweisrelevante Gegenstände sicher gestellt worden, sagte der Leiter der 40-köpfigen Mordkommission "Parkhaus", Werner Brandt. Während einer Vernehmung habe der Beschuldigte ein Teilgeständnis abgelegt. Allerdings beruft sich der 18-Jährige, der zuletzt an einer Maßnahme zur Berufsfindung teilnahm, auf Erinnerungslücken.
Der in Untersuchungshaft Sitzende soll laut "Bild am Sonntag" für die Polizei kein Unbekannter sein. Der junge Mann solle im Herbst 2010 wegen Sachbeschädigungen in dem Parkhaus zusammen mit anderen Jugendlichen auffällig geworden sein, berichtete die Zeitung. Dazu machten die Ermittler am Sonntag keine Angaben. Aber der 18-Jährige soll das Gebäude für die Klettersportart Parcouring genutzt haben. "Er kannte den Tatort wie seine Westentasche" sagte Südbeck. Brandt zufolge ist Lena vermutlich freiwillig mit ihrem späteren Mörder in das Parkhaus gegangen. Sie hätten sich vorher aber nicht gekannt.
Nach der Freilassung eines unschuldig der Tat bezichtigten Jugendlichen sind sich die Ermittler sicher, den mutmaßlichen Täter zu haben. Die neuerliche Festnahme beruhe nicht nur auf Indizien, sondern auch auf "klaren, handfesten Beweisen", sagte Südbeck. Ein am Dienstag festgenommener Jugendlicher war am Freitag wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Er ist laut Polizei und Staatsanwaltschaft unschuldig. Südbeck zufolge sei die erste Festnahme in der Rückschau bedauerlich. Der junge Mann habe nun nach seiner Freilassung Anspruch auf Entschädigung.
Nach den Hetzaufrufen im Internet befindet sich der unschuldige Jugendliche in polizeilicher Obhut. Politiker, Wissenschaftler und Strafrechtler hatten kritisiert, dass Polizei und Staatsanwaltschaft voreilig und zu offensiv an die Öffentlichkeit gegangen seien. Der Anwalt des zu Unrecht Verhafteten, Ralf Giese, sagte der "Bild am Sonntag": "Die ganze Familie ist völlig durch den Wind. Allein die Verhaftung war für ihn schon eine schwere psychische Belastung, die ihm sehr zu schaffen macht." (dapd)
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