Aktuelle Nachrichten – Fitness
11.11.2011
Foto: Nancy McDonnell / The Epoch Times
Die Epoch Times berichtete bereits über ein Trainingscamp in den chinesischen Kampfkünsten in Dresden. Wir sprachen mit dem Organisator Thomas Richter über das Camp, das von ShiFu (Meister) Li Suiyin aus China geleitet wurde. Li Suiyin lehrt in verschiedenen Kampfkunststilen hauptsächlich in China. Seit mehreren Jahren hat er auch Schüler in Deutschland und kommt regelmäßig hierher, um sie zu unterrichten.
Andreas Opfermann vom Chinesisch-Deutschen-Zentrum e.V. sprach mit Meister Li über Tai Chi und andere Formen des chinesischen Kungfu. Übersetzt wurde von Hongfeng Yang, Bearbeitung Nancy McDonnell.
Andreas Opfermann: Herr Li, Sie haben hier in Dresden eine Woche lang ein Seminar in den chinesischen Kampfkünsten gegeben. Was ist ihre Motivation und was ist das Besondere an Tai Chi, Bagua und Bajiquan?
ShiFu Li Suiyin: Das sind Schulen des chinesischen Kungfu. Ich habe diese Formen von meinem Meister gelernt. Früher wurden die Kampfkünste nicht öffentlich verbreitet, aber inzwischen haben wir gemerkt, wenn wir diese Kunst nicht verbreiten, wird sie irgendwann aussterben. Nur wenn das Kungfu verbreitet wird, kann man sagen, Kungfu gehört dem ganzen Volk. Deswegen verbreite ich diese Kampfkünste auch in anderen Ländern, denn das ist eine Bereicherung für die ganze Menschheit. Außerdem wird auch die traditionelle chinesische Kultur durch die Kampfkünste verbreitet. Wenn viele Menschen weltweit Tai Chi lernen, können sie dadurch die Hintergründe der traditionellen chinesischen Kultur erfahren. Außerdem macht es mir sehr viel Freude, wenn ich sehe, wie die Menschen durch Tai Chi ihren Körper gesund erhalten.
Opfermann: Wodurch kann man beim Kungfu, auch Wushu genannt, und insbesondere beim Tai Chi gesund werden und seinen Körper gesund erhalten?
ShiFu: Tai Chi ist eine Spezialschule, die sich nach den kosmischen Eigenschaften richtet. Es ist eine Wissenschaft des Kosmos. Aus dem Ur-Chi entsteht Tai Chi. Beim Tai Chi werden Yin und Yang ausgeglichen. Der Kosmos entsteht aus Energie und ist auch aus dem Ur-Chi entstanden. Deshalb entspricht das Tai Chi der chinesischen Krankheitsbeseitigung und Gesundheitserhaltung. Diesen Weg hat Laotse in seinem Tao Te King beschrieben, er besteht aus 5000 chinesischen Schriftzeichen. Was Laotse in diesen 5000 Schriftzeichen beschrieben hat, ist seine Zusammenfassung über den gesamten Kosmos. Er meinte, die Menschheit richtet sich nach der Erde, die Erde richtet sich nach dem Himmel. Das bedeutet, die Erde lernt vom Himmel. Der Himmel richtet sich nach dem Tao, er lernt auch vom Tao. Der Tao richtet sich nach der wahren Natur, dem Ursprung, genau wie das Tai Chi. Das bedeutet, durch das Tai Chi-Üben können die Menschen zum Ursprung zurückkehren. Wenn sich die Menschen nach der wahren Natur richten und Tai Chi üben, können sie zu ihrem Ursprung, zur Gesundheit zurückkehren. Wie schön wäre das doch!
Opfermann: Wie sehen Sie diesbezüglich die Situation in Deutschland?
ShiFu: Was mir in Deutschland sehr auffällt ist die veraltete Gesellschaft. Der Lebensstandard ist sehr gut. Leider fehlt die Bewegung. Man kann sich hier sehr gut erholen und die Ernährung ist auch in einem guten Zustand - es fehlt aber die Bewegung! Wenn der Körper nicht ausreichend bewegt wird bedeutet das, dass auch der Gesundheitszustand nicht sehr gut ist. Wir sagen, Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil, um einen gesunden Körper zu haben. Ich wünsche mir, dass viele Menschen Tai Chi üben und dadurch einen gesunden Körper bekommen und damit ihr Leben verlängern können.
Opfermann: Worauf sollte man bei der Auswahl der richtigen Methode bzw. der richtigen Schule achten?
ShiFu: Wenn man eine wahre Schule auswählen möchte, muss man sich von einem erfahrenen Meister beraten lassen. Kungfu passt zu allen Menschen jeden Alters, jeden Gesundheitszustandes und jeder Situation. Zum Beispiel kann man in der Kindheit und Jugend eine gute Basis bilden, auf der man später aufbauen kann. Jugendliche und Erwachsene können schon sehr intensiv trainieren, für über 50-Jährige eignet sich Tai Chi besonders gut, um das innere Gleichgewicht herzustellen und damit den Körper gesund zu erhalten. Viele Menschen leiden unter chronischen Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes oder diversen Herzkrankheiten. Durch Tai Chi kann man dabei eine stabile Situation erreichen oder die Krankheit sogar heilen. Das bedeutet Krankheitsbeseitigung und Gesundheitserhaltung. Wenn man sehr gut und intensiv übt, kann man sogar sein Leben verlängern. Dazu sagen wir im Chinesischen: von alt zu jung werden. Als Lehrer sollte man sich vorbildlich verhalten und die Schüler gut anleiten, damit die Schüler diese Praxis weiter verbreiten und so erlangt man eine Bereicherung für die Gesellschaft. Ich versuche mein Bestes, damit die Menschen die Vorteile des Tai Chi bekommen können. Das ist der Wunsch von mir und meiner Schule in Deutschland.
Opfermann: Es gibt ja viele verschiedene Formen, unter denen man wählen kann, wie zum Beispiel die Faustform oder die Waffenform, mehr ruhig, mehr bewegt. Wie erkennt man die richtige Form für sich selbst?
ShiFu: Zuerst sollte man aufs Alter achten. Man sollte anfangs nicht zu sehr ins Extrem gehen. Wenn ein Achtzigjähriger Bajiquan übt wie wir heute, dann kann es sein, dass er morgen nicht mehr aufstehen kann. Der Lehrer muss das richtig einschätzen können und für Menschen verschiedenen Alters die richtige Form empfehlen können.
Opfermann: Worauf sollte man achten, wenn man mit Schwertern arbeiten will? Womit sollte man beginnen und in welche Richtung sollte man sich bewegen?
ShiFu: Bei den Schwertern sollte man schon ein gutes Fundament im Kungfu besitzen. Die Schwertform passt nicht zu jedem. Beim Kun Wu-Schwert zum Beispiel gibt es Bewegungen, die sehr leicht und sanft sind, andere sind sehr schwer. Manche sehen nur leicht aus, aber bei den Bewegungen braucht man sehr viel innere Kraft, denn es gehört zu den inneren Kampfkünsten. Wenn manche Bewegungen beim Kun Wu-Schwert sehr leicht und sanft aussehen, bedeutet das aber nicht, dass die Schwerkraft aufgehoben ist. Die ist immer noch da. Wenn man also das Leichte und Sanfte darstellen möchte, braucht man sehr viel Kraft, um das zu balancieren.
Opfermann: Viele Menschen beginnen mit Tai Chi, weil sie sich vielleicht auch für Meditation interessieren. Was kann die Bewegung in Ruhe für einen selbst bewirken?
ShiFu: Beim Tai Chi befindet man sich zwar in einem Meditationszustand, einem Ruhezustand, aber es beinhaltet Bewegung. Von außen sieht es ruhig aus, aber die Energie in den Meridianen und auch der Blutkreislauf fließen sehr stark. Wenn man das Tai Chi gut üben möchte, muss man zum Ursprung, zur Natur zurückkehren. Im Ruhezustand kehrt das Bewusstsein ins Herz zurück, der Geist wird ruhig und damit erhält der Körper die Chance, sich zu erholen und zu regenerieren. Während die Energien sehr stark fließen, wird das Schlechte ausgestoßen und das Gute wieder hergestellt. Man sagt auch, das ist der Tao, der Weg. Das ist nichts Mystisches, sondern das ist der Tao, der Weg zu einem gesunden Zustand, einem Zustand im Einklang mit dem Kosmos.
Opfermann: Nun standen auf der Seminar-Ankündigung nicht nur Tai Chi, sondern auch für Laien eher unbekannte Kungfu-Formen wie Bagua, Bajiquan und Tuishou.
ShiFu: Ich wollte vor allem allen Menschen mitteilen, bei mir kann man Bagua Taijiquan, Bajiquan und Tuishou lernen. Zum Beispiel haben viele Leute vom Bajiquan noch nie etwas gehört. Aber hier sprechen wir von Schicksalsverbindung. Wer das bekommen soll, soll es eben bekommen. Mit anderen Worten: Wer da ist, ist da und kann es lernen. Während meiner Ausbildung der Schüler suche ich auch diejenigen nach ihren Fähigkeiten und Talenten aus, die in China Chancen haben, eine Goldmedaille zu gewinnen. Andere Schüler haben wiederum Fähigkeiten, andere in ihrem Training auf dem Camp zu unterstützen und auch ihr Niveau zu steigern, und so steigt das Niveau der ganzen Gruppe.
Opfermann: Damit das Üben des Kungfu auch eine große Wirkung bringt, wie oft sollte man üben?
ShiFu: Ich habe den Anspruch an mich, Vorbild für meine Schüler zu sein. Ich stehe täglich halb fünf auf und mache Übungen. Danach gehen wir in den Park, um bis ca. zehn Uhr Tai Chi zu üben. Dann ist Pause und nachmittags lernen wir. Abends üben wir dann wieder bis ungefähr 23 Uhr. Die Übungszeit bestimmt unseren Tagesablauf. Das ist mein persönlicher Zeitplan.
Opfermann: Wann und wie haben Sie selbst mit dem Üben begonnen?
ShiFu: Als Kind war ich häufig krank und in der Grundschule wurde ich oft schikaniert. Ich kam immer weinend nach Hause. Mit acht Jahren brachte mich mein Bruder zu einem Meister. Ich verehrte ihn als meinen Meister und wollte von ihm lernen. Am Anfang lernte ich Bajiquan und als er sah, dass ich nicht schlecht übte, hat er mir danach Tai Chi beigebracht. Während dieser Zeit hatte ich eine große Ehrfurcht vor dem Meister. Ich wurde nicht gefragt und habe alles gemacht, was er mir gesagt hat. Ich habe alles akzeptiert, was er mir gegeben hat. Damals als Kind wusste ich nicht, warum der Meister die Dinge für mich so und nicht anders organisiert hat, aber später verstand ich immer mehr, warum es gut war, erst Bajiquan und dann Tai Chi zu lernen. Bajiquan ist sehr hart und Tai Chi sehr sanft. Hier wurden Yin und Yang in Einklang gebracht. Dadurch wurde ein Fundament für einen gesunden Körper gelegt.
Opfermann: Vielen Dank für ihre Zeit, Herr Li und wir möchten Ihnen noch viel Spaß und Erfolg mit Ihren Schülern wünschen.
ShiFu: Bei mir gibt es ein Prinzip. Während ich anderen etwas beibringe, erhöht sich gleichzeitig mein eigenes Wissen. Lehren ist auch immer lernen. Das Lehren bereichert auch meine Erfahrungen. Ich möchte mit meiner Arbeit einen Samen dafür legen, dass immer mehr Menschen von den Vorteilen des Kungfu erfahren können. In diesem Sinne bedanke ich mich auch für Ihre Arbeit.
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