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Tai Chi und innere Kampfkünste Tai Chi: „Je länger man übt, desto wohler fühlt man sich“

Epoch Times Deutschland

26.10.2011

Thomas Richter und ShiFu Li Suiyin bei einer Schwertkunst-Übung. Foto: Nancy McDonnell/The Epoch Times
Thomas Richter und ShiFu Li Suiyin bei einer Schwertkunst-Übung.

Foto: Nancy McDonnell/The Epoch Times

 

Traditionelle Formen der Kampfkunst, die auch in China zum Teil gar nicht oder nur selten zu sehen sind, haben ihren Weg nach Deutschland gefunden. Tai Chi-Lehrer Thomas Richter aus der Sächsischen Schweiz organisierte Anfang Oktober ein neuntägiges Trainingscamp in Dresden, bei dem erfahrene Praktizierende der inneren Kampfkünste von seinem Lehrer aus China unterrichtet wurden. Hierbei wurde vor allem das Yang Stil-Bagua Taijiquan vertieft, welches von seinem „ShiFu" (Meister, Lehrer) Li Suiyin ursprünglich öffentlich bekannt gemacht wurde, aber in China bisher nur wenige Menschen kennen. Bei dieser Form der inneren Kampfkünste verschmelzen vier Kampfkunststile zu einer Form - die Form des alten Yang Stil Taijiquan wird dabei mit der des Bagua Zhang verbunden und vereint sich weiter mit Elementen des Xingyiquan und des Bajiquan.

Bei der inneren Kampfkunst werden insbesondere die mentale Kraft (Willenskraft) und die Charaktereigenschaften gestärkt. Sie enthalten besonders viele Aspekte der traditionellen Geistes- und Körperkultur Chinas und unterscheiden sich sehr deutlich von modernen kampfsportlichen Entwicklungen. Innere Kampfkunst zu üben bedeutet, einen langen gesunden Weg zu gehen, sich selbst körperlich gut zu entwickeln und einen friedlichen Geist und positives Denken zu bewahren.

Das Camp in Dresden beinhaltete weiterhin das Unterrichten in Tuishou, Xingyiquan, Bagua Zhang  sowie Instruktionen zur Form des Kun Wu- Schwerts und Grundübungen und Prinzipien zur Ausübung im Wudang-Schwert.

Die Epoch Times sprach mit Organisator Thomas Richter über das Camp, die Kampfkunst, über ihn selbst und seinen Lehrer Li Suiyin:

Epoch Times: Herr Richter, wie haben Sie Meister Li Suiyin kennengelernt und wie ist dieses Camp eigentlich entstanden?

Thomas Richter: Das Camp ist entstanden durch Mitwirkung meines Freundes Udo Werner, wir beide sind Schüler von Meister Li Suiyin. Wir haben Meister Li hier in Deutschland kennengelernt, ein chinesischer Freund hat ihn vor ungefähr acht Jahren nach Deutschland auf Besuch eingeladen. Wir haben vorher schon einige Jahre Tai Chi gemacht und haben dabei immer so ein bisschen nach einem besonderen Lehrer gesucht. Es ist ja sehr schwer, so jemanden zu finden, auch in China ist das schwer. Dort muss man dafür auch die richtigen Kontakte haben, denn die traditionellen Meister sind sehr eigen und außergewöhnlich. Sie zeigen sich kaum in der Öffentlichkeit und machen auch keine Vorführungen. Sie haben oft auch nur begrenzte Schülerzahlen und manchmal sind sie sehr versteckt. Es ist sehr schwierig, so jemanden zu finden. Wir sind schon mehrere Jahre hier in Deutschland auf Lehrgänge gegangen, ich war auch zweimal in China, allerdings weniger wegen dem Tai Chi, sondern mehr wegen der Kultur. Und dann haben wir sozusagen hier in Deutschland den Kontakt zu ihm bekommen und haben uns dann überlegt, was wir tun können, damit er Menschen in seiner speziellen Form hier in Deutschland unterrichten kann. Wir haben schnell gemerkt, dass seine Form außergewöhnlich ist, auch in China außergewöhnlich. Was er hier macht, sieht man in der Öffentlichkeit auch in China nur selten.

Epoch Times: Ist Meister Li Suiyin ein in China anerkannter Lehrer?

Richter: Ja, er hat in China auch offizielle Funktionen. Er ist Gründer und Vorsitzender der Zhang Xiang Wu Martial Arts Research Association in seiner Heimatstadt Xian und Vizepräsident der Xian Wushu Sport Association. Jede große Stadt in China hat eine Wushu Association, in der alle großen Wushu Meister vereint sind. Wushu ist ja der Oberbegriff für alle Formen der Kampfkunst und das Tai Chi zum Beispiel gehört auch dazu. Meister Li ist dort u.a. für Wettkämpfe zuständig und fungiert auch als Schiedsrichter. Außerdem ist er in der Wu Zhong Bajiquan Association tätig, das ist eine Vereinigung in ganz China, die sich vor allem der Erhaltung und der Pflege des Kampfkunststils Bajiquan widmet. Das ist eine sehr seltene Form, die in Deutschland noch nicht bekannt ist. Vor zwei Jahren hat er außerdem seine eigene Association gegründet, weil er die speziellen Techniken seines Lehrers erhalten möchte. Diese Association betreibt er mit seinen persönlichen Schülern und darunter zählen auch wir. Er wünscht sich eine sogenannte Zweigstelle in Deutschland und in Amerika. Er hat auch einen amerikanischen Schüler, der momentan  bei ihm in Xian lebt.

Epoch Times: Wie gestaltete sich das Camp und die Zusammenarbeit mit Meister Li Suiyin?

Richter: Wir haben uns überlegt, wie wir das am besten machen können. Wir kannten viele Leute, die dafür Interesse haben, aber so ein Wochenende ist immer schnell vorbei. Man müsste also mindestens ein Trainingscamp zusammenstellen, damit wir mehrere Tage am Stück haben, an denen auch ganztags das Training stattfindet. Das ist zwar anstrengend, aber über den gesamten Zeitraum betrachtet, bringt es jedem Teilnehmer sehr viel. Was in China ein halbes Jahr Training bedeutet, wurde hier in eine Woche gepackt und das ist für uns natürlich eine Ehre und eine einzigartige Gelegenheit.

Epoch Times: Ist so eine Kompression überhaupt möglich?

Richter: Nach Ansicht des Lehrers ist das kein Problem. Er möchte ja, dass wir uns weiterentwickeln und ein hohes Niveau erreichen. In China ist es eine traditionelle Einstellung, als Lehrer sein Gesicht zu wahren. Das heißt, durch seine Schüler muss sich die Qualität dessen, was er lehrt, ausdrücken, sprich, wenn wir sagen, wir sind Schüler von Meister Li Suiyin, dann muss unser Können auch die entsprechende Qualität aufweisen, damit er in China nicht sein Gesicht verliert. Das ist wiederum sein Ansporn und das gibt es nur noch selten. So jemand öffnet sich nicht einfach so, geht ins Ausland und zeigt dort Dinge, die er in China zum Beispiel nie öffentlich zeigen würde. Also diese Schwertform, die wir hier machen, ist eine Kun Wu Schwertform, die in China nicht öffentlich unterrichtet wird. Also er würde in China nicht so eine Gruppe unterrichten wir hier.

Epoch Times: Warum nicht?

Richter: Diese Schwertkunst wurde bislang nur wenigen Schülern weitergegeben, die ein sehr hohes Niveau in den inneren Kampfkünsten hatten. Außerdem sollen Charakter, Persönlichkeit und ein gutes Herz vorhanden sein. Selbst in China achtet man heutzutage nicht mehr darauf. Vieles wird eher sportlich betrieben. Es ist ein sehr wertvolles Kulturgut, das kann man nicht einfach so auf den Markt werfen. Deswegen unterrichtet er bestimmte Dinge auch nur, wenn das Niveau dafür vorhanden ist oder wenn er bereit dafür ist. Wichtig sind auch die charakterlichen Voraussetzungen, die ein Schüler haben muss, um so etwas lernen zu können und es nicht zu missbrauchen. Ein Beispiel: wir lernen jetzt seine Form seit sieben Jahren und ich als sein Tudi (adoptierter Schüler) habe verboten bekommen, dieses Schwert zu unterrichten oder öffentlich aufzuführen. Und daran halte ich mich bis heute. Wer das lernen möchte, sollte zu seinen Seminaren kommen und dann schaut er sich selbst die Leute an und unterrichtet sie persönlich.

Epoch Times: Wofür lernen Sie selbst all die Techniken der Kampfkunst?

Richter: Ich lerne Tai Chi und Wushu zuallererst für mich selbst. Ich bin schon früh mit der chinesischen Kultur in Kontakt gekommen. In jungen Jahren war ich sehr viel krank und mir wurde immer wieder von chinesischer Seite gesagt, du musst Tai Chi machen, das hilft dir vielleicht, deinen Körper wieder gesund zu bekommen. Ich habe das dann gemacht und es hat mir sehr gut getan und mir geholfen. Später fing ich auch mit den anderen Formen des Wushu an, obwohl viele sagten, ich solle das nicht machen, aber mein Körper und Geist hatten bereits ein ganz anderes Niveau erreicht. In diesem Sinne ist das sehr wertvoll für mich und mein Leben hat sich dadurch sehr positiv verändert. Seit ich Meister Li Suiyin kenne und sein Schüler bin, hat das noch mal eine Steigerung bekommen, die ich mir selbst nicht erträumt hätte.

Epoch Times: Sie sehen die Kampfkunst also auch als Weg zur persönlichen Weiterentwicklung?

Richter: Auf jeden Fall. In Deutschland wird das ja oft missverstanden. Die Kampfkunst dient dazu, Körper und Geist zu trainieren und gesünder zu werden und die Leute sagen dann oft, ja aber da muss ich ja kämpfen lernen und ich will ja gar nicht kämpfen. Es geht nicht ums Kämpfen. Die Kampfkunst führt dazu, dass wir uns mit unserem eigenen Körper richtig beschäftigen - von außen nach innen und von innen nach außen. Da werden auch sehr viele Prozesse in Gang gesetzt, körperlich wie geistig. Auch hier im Camp kommen wir psychisch an unsere Grenzen. Er zeigt sehr vieles, er ist sehr streng. Er zeigt sehr viele unterschiedliche Dinge. Eine Bewegung so, eine andere Bewegung wieder so. Die eine Bewegung hat er gestern so gezeigt, heute zeigt er sie so und damit kommt man körperlich und geistig an seine Grenzen, aber dadurch verändert sich auch etwas. Und die Veränderungen, die stattfinden, sind das Positive an dem Prozess. Das kann man mit Worten eigentlich gar nicht ausdrücken, was da passiert. Wenn Sie jemanden hier im Camp fragen, wird er sagen, dafür mache ich das eigentlich. Mit anderen Methoden kann man das vielleicht nicht so erreichen, zumindest ist das meine Erfahrung. Ich habe auch einige Jahre als Fitnesstrainer gearbeitet. Daher kenne ich mich auch etwas in unseren modernen Fitness-Methoden aus und ich kann wirklich sagen, dass selbst viele gute Fitnessmethoden nach meiner Meinung nicht das bringen, was zum Beispiel die Kampfkunst bringt, da hier Veränderungen auf der gesamten Ebene stattfinden. Das ist eigentlich der ursprüngliche Sinn und Zweck der Kampfkünste.

Epoch Times: Vielen Dank, Herr Richter, für dieses Gespräch.

Das Interview führte Nancy McDonnell.

 

 

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